Pipeline, Balticconnector

Finnland: Pipeline wohl durch Fremdeinwirkung beschÀdigt

10.10.2023 - 19:29:41

2022 wurden Sabotageakte an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 verĂŒbt. Nun sorgt ein anderer Fall an einer Gasleitung in der Ostsee fĂŒr Unruhe - ausgerechnet in GewĂ€ssern des neuen Nato-Mitglieds Finnland.

Nach der aufsehenerregenden Sabotage an den Nord-Stream-Gasleitungen vor rund einem Jahr könnte eine weitere Pipeline in der Ostsee durch Fremdeinwirkung beschĂ€digt worden sein. Finnland geht davon aus, dass SchĂ€den an der Gas-Pipeline Balticconnector durch Einwirkung von außen verursacht worden sind.

Sowohl PrĂ€sident Sauli Niinistö als auch MinisterprĂ€sident Petteri Orpo vermieden es zwar, offen von Sabotage zu sprechen oder Russland zu verdĂ€chtigen. Beide sprachen aber von «Àußerer AktivitĂ€t», die dem Vorfall wahrscheinlich zugrunde liege.

Die betroffene Pipeline Balticconnector verlĂ€uft zwischen Finnland und Estland. Die Betreibergesellschaften Gasgrid (Finnland) und Elering (Estland) hatten am frĂŒhen Sonntagmorgen einen plötzlichen Druckabfall in der Leitung bemerkt. Der Gastransport zwischen den beiden EU-LĂ€ndern wurde daraufhin unterbrochen. Seitdem ist die Leitung außer Betrieb. Das Gasleck wurde nach Gasgrid-Angaben mit der Isolierung des Teilabschnitts und dem Schließen der Ventile gestoppt. Die Reparatur dĂŒrfte nun Monate dauern. Die Kriminalpolizei leitete Ermittlungen ein, um festzustellen, ob tatsĂ€chlich Sabotage oder etwas anderes hinter dem Vorfall steckt.

Nato: «Beobachten die Situation sehr genau»

Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg sprach mit dem finnischen PrĂ€sidenten ĂŒber den Schaden, wie in BrĂŒssel ein Nato-Beamter berichtete. Das nordatlantische VerteidigungsbĂŒndnis sei bereits dabei, die Sicherheit der kritischen Infrastruktur unter Wasser zu verstĂ€rken. «Wir beobachten die Situation weiter sehr genau.» Die Nato stehe in engem Kontakt mit Estland und Finnland. Unter anderem als Reaktion auf die BeschĂ€digung stiegen die Preise am europĂ€ischen Erdgasmarkt krĂ€ftig an - liegen aber weiter unter dem Niveau, die sie im Zuge des russischen Krieges gegen die Ukraine erreicht hatten.

Die Leckstelle liegt nach Regierungsangaben in der Ausschließlichen Wirtschaftszone Finnlands. Die festgestellte BeschĂ€digung könne nach einer vorlĂ€ufigen Beurteilung weder durch die normale Nutzung der Pipeline noch durch Druckschwankungen entstanden sein, sagte Orpo auf einer Pressekonferenz in Helsinki. Es sei wahrscheinlich, dass das Leck auf Ă€ußere Einwirkungen zurĂŒckzufĂŒhren sei.

Zuvor hatte bereits Finnlands PrĂ€sident Sauli Niinistö die BeschĂ€digung der Unterwasser-Infrastruktur mit Fremdeinwirkung in Verbindung gebracht. «Es ist wahrscheinlich, dass der Schaden sowohl an der Gasleitung als auch am Datenkabel durch Ă€ußere AktivitĂ€t verursacht wurde. Was den Schaden genau verursacht hat, ist noch nicht bekannt», schrieb er in einer ErklĂ€rung. Sein estnischer Amtskollege Alar Karis sprach von «sehr besorgniserregenden Informationen».

Bei dem besagten Kabel handelt es sich um ein Kommunikationskabel, das Finnland und Estland verbindet. Nach Angaben der Regierung in Tallinn befindet sich dessen BeschĂ€digung höchstwahrscheinlich in der estnischen Wirtschaftszone. Eine BestĂ€tigung dafĂŒr stehe aber noch aus, sagte Verteidigungsminister Hanno Pevkur. Ob das Leck in der Gasleitung und der Kabelausfall miteinander in Verbindungen stehen, werde die Untersuchung zeigen. Ereignet hĂ€tten sie sich geografisch an unterschiedlichen Orten. Zeitlich lĂ€gen sie aber recht nah beieinander, sagte Pevkur.

Versorgungssicherheit gewÀhrleistet

In dem GesprĂ€ch mit Nato-GeneralsekretĂ€r Stoltenberg bekrĂ€ftigte Niinistö, dass der Vorfall keinen Einfluss auf die Versorgungssicherheit seines Landes habe. Auch die estnische Regierung betonte, dass die Gasversorgung des nördlichsten der drei baltischen Staaten nicht beeintrĂ€chtigt sei. Mehrere Nato-VerbĂŒndete sprachen Finnland und Estland UnterstĂŒtzung aus.

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen sprach mit Orpo und der estnischen Premierministerin Kaja Kallas. Sie verurteile jede Zerstörung kritischer Infrastruktur aufs SchĂ€rfste, teilte von der Leyen ĂŒber X (ehemals Twitter) mit. Litauen teilte mit, die Überwachung seiner strategischen Infrastruktur zu verstĂ€rken.

Balticconnector war Anfang 2020 in Betrieb genommen worden. Die rund 150 Kilometer lange Pipeline verlĂ€uft vom finnischen Inkoo ĂŒber den Finnischen Meerbusen bis ins estnische Paldiski. Der betroffene Offshore-Abschnitt im Meer ist gut 77 Kilometer lang. Die Pipeline ist deutlich kĂŒrzer als die Gasleitungen Nord Stream 1 und 2, die vor rund einem Jahr bei Sabotageakten in der NĂ€he der dĂ€nischen Ostsee-Insel Bornholm schwer beschĂ€digt wurden. Wer hinter den Nord-Stream-AnschlĂ€gen steckt, ist bis heute unklar.

Nach Angaben von Estlands Außenminister Margus Tsahkna gibt es Informationen darĂŒber, welche Schiffe sich wĂ€hrend des Vorfalls in der Umgebung der Pipeline bewegt haben. Noch sei es jedoch zu frĂŒh, diese offenzulegen. Der Vorfall zeige jedoch, dass der Sicherung kritischer Unterwasserinfrastruktur besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden mĂŒsse.

Estland: Schaden mechanischer Natur

Anders als bei den VorfĂ€llen an den Nord-Stream-Leitungen verzeichneten Seismologen keine grĂ¶ĂŸeren Explosionen, als das Leck von Balticconnector entstand. Die estnischen Regierungsvertreter bestĂ€tigten, dass der Schaden an der Gasleitung mechanischer Natur sei. Ein heftiger Sturm am Wochenende oder eine BeschĂ€digung der Leitung durch den Wellengang könnten als mögliche Ursachen ausgeschlossen werden, sagte Elering-Vorstandschef Kalle Kiik.

Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hatte Finnland im Mai 2022 den Beitritt zur Nato beantragt. Vor rund einem halben Jahr wurde das nordische EU-Land dann als 31. Mitglied in das VerteidigungsbĂŒndnis aufgenommen. Es grenzt auf einer LĂ€nge von rund 1340 Kilometern an Russland.

@ dpa.de