Riad: Sondergipfel fordert internationale Friedenskonferenz
12.11.2023 - 14:08:50 | dpa.de
Mit einem seltenen Sondergipfel haben fast 60 arabische und weitere islamische Staaten ein Ende der «barbarischen» Angriffe Israels im Gazastreifen gefordert und eine baldige Friedenskonferenz angeregt. In einer 31 Punkte umfassenden AbschlusserklĂ€rung forderten die Teilnehmer am Samstag in Riad ein Ende der Waffenexporte an Israel und eine Untersuchung des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Israel wegen mutmaĂlicher Kriegsverbrechen.
Die angedachte Konferenz mĂŒsse so schnell wie möglich abgehalten werden, um einen Friedensprozess «auf der Grundlage des Völkerrechts und internationaler BeschlĂŒsse» in Gang zu bringen. Die Teilnehmer sprachen von einer «Doppelmoral bei der Anwendung des Völkerrechts». Dieser «Zwiespalt untergrĂ€bt ernsthaft die GlaubwĂŒrdigkeit der LĂ€nder, die Israel von internationalem Recht abschirmen», heiĂt es in der ErklĂ€rung. Hier zweierlei Standards anzuwenden, wĂŒrde auch zu einem «Bruch zwischen Völkern und Kulturen» fĂŒhren.
Keine konkreten Schritte
Bindende BeschlĂŒsse oder praktische nĂ€chste Schritte, etwa den Weg zu einer Feuerpause oder einem sicheren Zugang fĂŒr die Lieferung von HilfsgĂŒtern, enthĂ€lt die ErklĂ€rung allerdings nicht. Die Dringlichkeit zeigte sich aber im seltenen Format des Gipfels: UrsprĂŒnglich war am Samstag eine Dringlichkeitssitzung der Arabischen Liga geplant und am Sonntag ein Treffen der Organisation fĂŒr Islamische Zusammenarbeit (OIC). Nach Absprachen zwischen der OIC und Saudi-Arabien, das derzeit den Vorsitz in der Arabischen Liga hat, wurden beide Treffen zusammengelegt. Der OIC gehören 57 muslimisch geprĂ€gte Staaten an.
Nach auĂen traten die Teilnehmer geschlossen auf. Aber im Vorlauf soll es Unstimmigkeiten gegeben haben: Ăgypten, Jordanien und die Golfstaaten samt Katar sollen einen Vorschlag des Iraks, Libanons und weiterer LĂ€nder abgelehnt haben, die wirtschaftlichen Beziehungen mit Israel abzubrechen. Das berichtete die Ă€gyptische Nachrichtenseite Mada Masr unter Berufung auf Regierungskreise. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain lehnten demnach auch einen Vorschlag ab, im Text das Recht der arabischen LĂ€nder auf «Widerstand» zu erwĂ€hnen. Die Emirate und Bahrain hatten vor einigen Jahren ihre Beziehungen mit Israel normalisiert.
Viel Prominenz
Zu den prominenten Teilnehmern in Riad gehörten Ăgyptens PrĂ€sident Abdel Fattah al-Sisi und der katarische Emir Tamim bin Hamad Al Thani, deren LĂ€nder sich beide um Vermittlung zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas bemĂŒhen. Al-Sisi stellte erneut klar, dass eine «Zwangsumsiedlung von PalĂ€stinensern» gestoppt werden mĂŒsse. Aus Sorge vor einer Massenflucht lehnen insbesondere Ăgypten und auch Jordanien die Aufnahme von FlĂŒchtlingen aus dem Gazastreifen ab - auch wegen der Sorge, diese könnten damit dauerhaft aus ihrer Heimat vertrieben werden.
Unter den geladenen GĂ€sten war auch der iranische PrĂ€sident Ebrahim Raisi. Ein Novum, denn es war sein erster Besuch im Königreich seit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. Raisi forderte die islamischen Staaten dazu auf, ihre politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Israel abzubrechen. Syriens PrĂ€sident Baschar al-Assad, dessen Land erst kĂŒrzlich wieder in die Liga aufgenommen wurde, bezeichnete Israels Angriffe als «zionistische Grausamkeit und Massaker». Dabei hatte Assad selbst im Zuge des seit 2011 andauernden BĂŒrgerkriegs in Syrien etwa das palĂ€stinensische FlĂŒchtlingslager Jarmuk in Damaskus angreifen und bombardieren lassen.
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