Schweizer fĂŒr KlimaneutralitĂ€t - «Netto Null» in Etappen
19.06.2023 - 05:22:30 | dpa.de
Bis 2050 soll die Schweiz klimaneutral werden - fĂŒr dieses Ziel haben sich bei einer Volksabstimmung gestern 59,1 Prozent der Bevölkerung ausgesprochen. Damit ist im Prinzip zur Freude der Klimaaktivisten der Ausstieg aus fossiler Energie besiegelt. Aber der Weg bis dahin ist noch nicht so klar.
ZunĂ€chst sieht das vom Volk nun abgesegnete Klimaschutzgesetz vor allem Förderungen vor. Ohne Verbote und schĂ€rfere MaĂnahmen wird es aber wohl nicht gehen. Was sieht die Schweizer Klimastrategie 2050 im Einzelnen vor?
Milliardenschwere Förderprogramme
Mit dem Klimaschutz-Gesetz sind milliardenschwere Förderprogramme vorgesehen, um Heizungen mit fossilen Brennstoffen sowie Elektrowiderstandsheizungen zu ersetzen. Mit Bundesmitteln werden auch technische Innovationen gefördert, die dem Klimaschutz und dem Erreichen der Klimaziele zugutekommen. Insgesamt stehen zunĂ€chst 3,2 Milliarden Franken (rund 3,3 Milliarden Euro) zur VerfĂŒgung.
«Die positive Entwicklung ist, dass neue Technologien gĂŒnstiger und einfacher und Gas im Gegenzug teurer wird», sagte der Schweizer Klimaforscher Reto Knutti, der auch an Berichten des Weltklimarats mitgearbeitet hat, der Deutschen Presse-Agentur. «Als Folge lohnen sich die Investitionen immer schneller. Politische Instrumente wie Lenkungsabgaben oder Anreize sind entscheidend, um die Umsetzung beschleunigen.»
UnterstĂŒtzung fĂŒr Unternehmen
Unternehmen sollen bei der UmrĂŒstung auf klimafreundliche Technik unterstĂŒtzt werden. Zudem sollen mehr WindrĂ€der installiert werden. «Seit heute ist unser Land ernsthaft auf dem Weg, aus fossilen Energien auszusteigen, das gibt Planungs- und Rechtssicherheit», begrĂŒĂte Greenpeace Schweiz die Zustimmung der Bevölkerung.
Ein Weg mit Etappenzielen
Das Ziel «Netto Null» muss 2050 erreicht sein. Ein Zwischenziel ist, dass bis 2040 die Emissionen gegenĂŒber 1990 um 75 Prozent sinken mĂŒssen. Zwischenziele gibt es auch fĂŒr Hausbesitzer, Verkehr und Industrie. Die Emissionen von GebĂ€uden - etwa durch das Heizen - mĂŒssen bis 2040 gegenĂŒber 1990 um 82 Prozent sinken. Die Industrie wiederum muss bis 2040 eine Senkung um 50 Prozent hinbekommen und der Verkehr eine solche um 57 Prozent.
Schweiz bei Haltung durchaus gespalten
StĂ€dtische Regionen und auch die Westschweiz sagten deutlich Ja zum Gesetz ĂŒber die Ziele im Klimaschutz. Auf dem Land dagegen war die Ablehnung teilweise deutlich: Sieben Deutschschweizer Kantone sagten Nein. Im vom Klimawandel besonders betroffenen Berggebiet ĂŒberwog das Nein.
Kein Vorreiter in Europa
Die Schweiz ist mit ihrer Strategie europaweit kein Vorreiter. Norwegen möchte beispielsweise 2030 klimaneutral sein, Schweden im Jahr 2045 und Frankreich, GroĂbritannien oder Neuseeland spĂ€testens 2050.
Auch Ja fĂŒr höhere Unternehmenssteuern
Neben der KlimaneutralitĂ€t sprachen sich die Schweizer am Sonntag mit 78,5 Prozent zudem dafĂŒr aus, dass internationale Konzerne vom nĂ€chsten Jahr an eine Mindeststeuer von 15 Prozent entrichten. Aktuell haben einige Kantone noch eine Steuer unter diesem Niveau. Der Schritt betrifft Unternehmen mit mindestens 750 Millionen Euro Jahresumsatz - und damit rund ein Prozent der in der Schweiz tĂ€tigen Unternehmen. Von höheren Steuereinnahmen wĂŒrden vor allem Basel und Zug profitieren, wo groĂe Pharma- und Handelskonzerne ansĂ€ssig sind.
Positives Echo der Wirtschaft
WirtschaftsverbĂ€nde begrĂŒĂten den Schritt. Es habe «keine bessere Alternative» zur OECD-Mindeststeuer gegeben, teilte etwa der Verband der Schweizer Tech-Industrie, Swissmem, mit. Zudem bedeute das Ja nun Rechtssicherheit fĂŒr die betroffenen Unternehmen.
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