Boliviens PrĂ€sident weist Verschwörung mit MilitĂ€rs zurĂŒck
28.06.2024 - 04:48:57Nach dem gescheiterten Staatsstreich in Bolivien ist PrÀsident Luis Arce dem Vorwurf entgegengetreten, mit den Verschwörern unter einer Decke zu stecken. Die Putschisten hÀtten auf eigene Faust gehandelt, sagte der PrÀsident bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Umsturzversuch. «Ich bin kein Politiker, der seine PopularitÀt durch das Blut des Volkes gewinnen will.»
Am Mittwoch hatten abtrĂŒnnige MilitĂ€rs mit gepanzerten Fahrzeugen den zentralen Platz von La Paz besetzt und waren in den Regierungspalast vorgedrungen. PrĂ€sident Arce bot den Putschisten die Stirn und tauschte sofort die gesamte FĂŒhrungsriege der StreitkrĂ€fte aus. Die neuen Chefs der TeilstreitkrĂ€fte ordneten daraufhin den RĂŒckzug der Truppen an.
Insgesamt wurden nach dem Putschversuch 17 MilitĂ€rs festgenommen. «Wir werden dieses antidemokratische Netzwerk stoppen, wir werden nicht ruhen, bis alle Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. Es ist an der Zeit, die Putschisten von der StraĂe zu holen und sie hinter Gitter zu bringen», sagte Boliviens Innenminister Eduardo del Castillo auf einer Pressekonferenz.
Den Putschisten drohen Haftstrafen von 20 Jahren
Zu den Festgenommenen zĂ€hlen auch die AnfĂŒhrer Juan JosĂ© ZĂșñiga MacĂas (Armee), Juan Arnez Salvador (Marine) und Marcelo Javier Zegarra (Luftwaffe). Die Generalstaatsanwaltschaft hat einem Medienbericht zufolge Anklage gegen die gesamte FĂŒhrungsriege der StreitkrĂ€fte erhoben. Den ehemaligen Befehlshabern werden Terrorismus sowie bewaffneter Aufstand gegen die Sicherheit und SouverĂ€nitĂ€t des Staates zur Last gelegt, wie die Zeitung «El Deber» unter Berufung auf die Generalstaatsanwaltschaft berichtete. Ihnen drohten Haftstrafen von 20 Jahren und es werde eine sechsmonatige Untersuchungshaft in einem GefĂ€ngnis in La Paz beantragt, hieĂ es.
Laut Generalstaatsanwaltschaft bestehe bei MacĂas, Salvador und Zegarra Fluchtgefahr. AuĂerdem sehe sie das Risiko, dass die Angeklagten Beweise zerstören, verĂ€ndern, unterdrĂŒcken, verheimlichen oder fĂ€lschen könnten.
ZĂșñiga hatte vor seiner Festnahme behauptet, der Putsch sei mit PrĂ€sident Arce abgestimmt gewesen. «Der PrĂ€sident hat mir gesagt, dass die Situation sehr schlecht ist. Es sei notwendig, etwas vorzubereiten, um seine PopularitĂ€t zu steigern», sagte General ZĂșñiga im Fernsehen. «Ich habe ihn gefragt: «Holen wir die Panzer raus» und er hat geantwortet: «Holt sie raus».» Die Regierung wies die Darstellung zurĂŒck. «Das Ziel von ZĂșñiga war es, die Macht im Land zu ĂŒbernehmen, gegen den Willen des Volkes», sagte Innenminister Del Castillo.
Das Motiv fĂŒr den Putschversuch ist noch unklar. Möglicherweise richtete er sich gegen eine erneute PrĂ€sidentschaftskandidatur des frĂŒheren Staatschefs Evo Morales (2006-2019). Berichten zufolge hatte ZĂșñiga gesagt, Morales dĂŒrfe nicht als PrĂ€sident zurĂŒckkehren, und gedroht, sich ihm in diesem Fall in den Weg zu stellen. Wegen dieser ĂuĂerungen sei ZĂșñiga bereits am Dienstagabend darĂŒber informiert worden, dass er seinen Posten rĂ€umen mĂŒsse, sagte Verteidigungsminister Edmundo Novillo.
Ex-PrÀsident Morales und Staatschef Arce ringen um die Macht
Der linke Staatschef Morales - der erste indigene PrĂ€sident Boliviens - war 2019 unter dem Druck des MilitĂ€rs zurĂŒckgetreten, nachdem ihm von der Opposition und internationalen Wahlbeobachtern Betrug bei der PrĂ€sidentenwahl vorgeworfen worden war. Obwohl ihm das in mehreren Gerichtsentscheidungen eigentlich untersagt wurde, will Morales 2025 erneut bei der PrĂ€sidentenwahl kandidieren. Derzeit ringen Morales und sein ehemaliger VerbĂŒndeter Arce um die Macht in der Regierungspartei MAS.
Nach den ersten Berichten ĂŒber den Putschversuch habe er seinen Rivalen Morales sogar angerufen und gewarnt, sagte Arce nun bei seiner Pressekonferenz. «Wir haben unsere Meinungsverschiedenheiten, aber das bedeutet nicht, dass ich ihn im Falle eines Staatsstreichs nicht warne», sagte Arce. «Es war klar, dass sie erst mich holen wĂŒrden und dann ihn. Letztendlich sind wir Genossen, deshalb habe ich ihn angerufen, damit er VorsichtsmaĂnahmen treffen kann.»
Nach dem gescheiterten Putschversuch gingen zahlreiche Demonstranten zur UnterstĂŒtzung der Regierung auf die StraĂe. Sie errichteten zwischen dem Regierungssitz La Paz und der höher gelegenen Schwesterstadt El Alto StraĂenblockaden, wie die Zeitung «La RazĂłn» berichtete. «Wir werden nicht zulassen, dass die Demokratie angegriffen wird», sagte die BĂŒrgermeisterin von El Alto, Eva Copa. In der Industriestadt auf 4100 Meter Höhe hat die Regierung unter den Arbeitern und Indigenen zahlreiche AnhĂ€nger.


