Frankreich, KriminalitÀt

Ex-PrÀsident Sarkozy verlÀsst GefÀngnis unter Auflagen

Veröffentlicht am: 10.11.2025 um 17:01 Uhr | dpa.de

Als erster ehemaliger Staatschef in der jĂŒngeren französischen Geschichte musste er hinter Gitter. Nun kommt Sarkozy auf freien Fuß. Doch ist er damit aus dem Schneider?

  • Sarkozy ist nach drei Wochen Haft wieder zu Hause. - Bild: Christophe Ena/AP/dpa
    Sarkozy ist nach drei Wochen Haft wieder zu Hause. - Bild: Christophe Ena/AP/dpa
  • Unter großem Medienrummel und Polizeischutz verließ Sarkozy das GefĂ€ngnis La SantĂ© in Paris - Bild: Ian Langsdon/AFP/dpa
    Unter großem Medienrummel und Polizeischutz verließ Sarkozy das GefĂ€ngnis La SantĂ© in Paris - Bild: Ian Langsdon/AFP/dpa
  • Ehefrau Carla Bruni hatte Sarkozy Sandwiches ins GefĂ€ngnis gebracht und kam zu Gerichtsentscheid ĂŒber seine Freilassung. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa
    Ehefrau Carla Bruni hatte Sarkozy Sandwiches ins GefĂ€ngnis gebracht und kam zu Gerichtsentscheid ĂŒber seine Freilassung. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa
Sarkozy ist nach drei Wochen Haft wieder zu Hause. - Bild: Christophe Ena/AP/dpa Unter großem Medienrummel und Polizeischutz verließ Sarkozy das GefĂ€ngnis La SantĂ© in Paris - Bild: Ian Langsdon/AFP/dpa Ehefrau Carla Bruni hatte Sarkozy Sandwiches ins GefĂ€ngnis gebracht und kam zu Gerichtsentscheid ĂŒber seine Freilassung. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa

Begleitet von einem großen Medienrummel hat Frankreichs Ex-PrĂ€sident Nicolas Sarkozy das Pariser GefĂ€ngnis La SantĂ© am Nachmittag nach knapp drei Wochen Haft verlassen. Eine Polizeikolonne begleitete das Fahrzeug mit dem ehemaligen Staatschef auf dem Weg zu dessen Haus im schicken 16. Arrondissement in der Hauptstadt.

Ein Berufungsgericht hatte zuvor entschieden, dass der in der Libyen-AffĂ€re zu fĂŒnf Jahren Haft verurteilte 70-JĂ€hrige seinen Berufungsprozess unter Auflagen in Freiheit abwarten darf. Das Verfahren startet voraussichtlich im FrĂŒhjahr. 

In einem einmaligen Vorgang war Sarkozy im Oktober per Haftbefehl ins GefĂ€ngnis gekommen. In der AffĂ€re um mutmaßliche Wahlkampfgelder aus Libyen hatte ein Pariser Strafgericht ihn wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu fĂŒnf Jahren Haft verurteilt. Dabei ordnete das Gericht an, die Strafe vorlĂ€ufig zu vollstrecken, obwohl der Konservative in Berufung ging. Noch nie erhielt ein frĂŒheres Staatsoberhaupt in der jĂŒngeren französischen Geschichte eine so harte Strafe. 

Justizaufsicht statt Zelle

Knapp drei Wochen lang musste Sarkozy daraufhin in dem Pariser GefĂ€ngnis La SantĂ© verbringen. Untergebracht war er in einem isolierten und besonders geschĂŒtzten Bereich, jedoch in einer normalen, schlichten Zelle. Postwendend hatten die AnwĂ€lte des Konservativen beantragt, dass der 70-JĂ€hrige wieder aus dem GefĂ€ngnis kommt. Dem wurde nun stattgegeben.

Zu dem Gerichtsentscheid ĂŒber seine Freilassung im Pariser Justizpalast war Sarkozy mit seinen AnwĂ€lten per Video aus dem GefĂ€ngnis zugeschaltet worden. In dunkelblauer Anzugjacke, Pulli und Hemd nahm er an dem Gerichtstermin teil. «Es ist hart, es ist sehr hart, das gilt sicherlich fĂŒr alle HĂ€ftlinge, ich wĂŒrde sogar sagen, dass es zermĂŒrbend ist», sagte Sarkozy am Ende, als er zu seiner kurzen Zeit hinter Gittern gefragt wurde. Im Gericht wohnte neben anderen Familienmitglieder Ehefrau Carla Bruni der Verhandlung bei.

Zu den Auflagen, die das Berufungsgericht mit Sarkozys Freilassung aus dem GefĂ€ngnis verband, gehört, dass der Ex-PrĂ€sident Frankreich nicht verlassen darf. Außerdem wurde ein Kontaktverbot mit Prozessbeteiligten verhĂ€ngt sowie mit Justizminister GĂ©rald Darmanin. Dieser hatte Sarkozy, der sein frĂŒherer politischer Mentor war, in der Haft besucht und damit die Kritik auf sich gezogen. Darmanin hatte den Besuch vorab damit begrĂŒndet, dass er gucken wollte, ob die Sicherheitsbedingungen angemessen sind. 

Wollte «Sarko» Gelder aus Libyen beschaffen?

In der Libyen-AffĂ€re geht es um den Vorwurf, dass fĂŒr Sarkozys PrĂ€sidentenwahlkampf 2007 illegal Geld von der FĂŒhrung des damaligen libyschen Machthabers Muammar Gaddafi geflossen sein soll. Zwar sah das Pariser Strafgericht dafĂŒr keine Belege. Es ging in seiner UrteilsbegrĂŒndung aber davon aus, dass Konservative und enge Vertraute Gaddafis auf jeden Fall versucht haben, sich Gelder des libyschen Machthabers zu verschaffen.

Sarkozy hatte in dem Verfahren stets seine Unschuld beteuert. Seine Verurteilung sah er als «unertrĂ€glichen Ungerechtigkeit» und einen Skandal. «Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug kĂ€mpfen, um meine vollstĂ€ndige Unschuld zu beweisen.» Eine Entscheidung in zweiter Instanz dĂŒrfte allerdings erst frĂŒhestens im kommenden Jahr fallen. Ob Sarkozy dort aber mit einem Freispruch oder einer milderen Strafe rechnen kann, ist ungewiss.

Vom höchsten Staatsamt ins GefÀngnis

Der GefĂ€ngnisaufenthalt ist fĂŒr Sarkozy ein tiefer Fall und seine bislang herbste Niederlage in dem Kampf, den er sich seit Jahren mit der Justiz liefert. Bereits in zwei anderen FĂ€llen war der einstige HoffnungstrĂ€ger von Frankreichs bĂŒrgerlicher Rechten verurteilt worden, einmal davon rechtskrĂ€ftig. Gut drei Monate musste er wegen Bestechung und unerlaubter Einflussnahme eine Fußfessel tragen. Sein Haus durfte er nur zu bestimmten Zeiten verlassen. Die ursprĂŒnglich auf ein Jahr angelegt Strafe war wegen des hohen Alters des Spitzenpolitikers verkĂŒrzt worden.

Bereits Sarkozys Amtszeit im ÉlysĂ©e-Palast von 2007 bis 2012 war von AffĂ€ren um reiche Freunde, Vetternwirtschaft und maßlose Regierungsmitglieder geprĂ€gt. Die Wahl 2012 verlor er als Amtsinhaber gegen den Sozialisten François Hollande. FĂŒnf Jahre spĂ€ter scheiterte er bereits im parteiinternen Auswahlverfahren. Trotz seines Kampfs mit der Justiz und ohne Ämter galt er bei AnhĂ€ngern der bĂŒrgerlichen Rechten bis zuletzt als einflussreiche Stimme.

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