Getötete Retter in Gaza: Israel rÀumt Fehler ein
20.04.2025 - 16:12:38Knapp einen Monat nach der Tötung von 15 palĂ€stinensischen SanitĂ€tern und Zivilschutzmitarbeitern im Gazastreifen rĂ€umt Israels MilitĂ€r Fehler seiner daran beteiligten Soldaten ein. Der Zwischenfall am 23. MĂ€rz, bei dem israelische Uniformierte auf Ambulanz- und Feuerwehrfahrzeuge der palĂ€stinensischen Rettungsdienste geschossen hatten, sei durch ein «operatives MissverstĂ€ndnis» hervorgerufen worden, heiĂt es in der Zusammenfassung einer Untersuchung, die das MilitĂ€r am Sonntag veröffentlichte.Â
Drei bewaffnete ZwischenfÀlle in rascher Abfolge
Es habe an dem Tag in Rafah im sĂŒdlichen Gazastreifen in rascher Abfolge drei bewaffnete ZwischenfĂ€lle gegeben, bei dem mit den Rettungsmannschaften habe es sich um den zweiten gehandelt, heiĂt es darin weiter. «Die Untersuchung stellte fest, dass der Schusswaffengebrauch in den beiden ersten ZwischenfĂ€llen aus einem operativen MissverstĂ€ndnis seitens der (israelischen) Truppe resultierte», steht in der Zusammenfassung. Die Soldaten hĂ€tten geglaubt, dass sie einer realen Bedrohung durch feindliche KrĂ€fte ausgesetzt waren.Â
Bei dem dritten Vorfall, in dem Soldaten auf ein UN-Fahrzeug geschossen haben, habe es jedoch einen klaren Regelverstoà gegeben. «Sie haben ein UN-Fahrzeug erkannt, und trotzdem geschossen», sagte Generalmajor Joav Har-Even, der die Untersuchung geleitet hatte, vor Journalisten in Tel Aviv. Dabei sei ein UN-Mitarbeiter getötet worden.
DisziplinarmaĂnahmen gegen beteiligte Offiziere
Das MilitĂ€r empfiehlt DisziplinarmaĂnahmen gegen die befehlshabenden Offiziere des in den Zwischenfall verwickelten AufklĂ€rungsbataillons. Der Vize-Kommandeur des Bataillons, der die Aktion unmittelbar vor Ort befehligt hatte, werde seines Postens enthoben. Er habe anschlieĂend einen «unvollstĂ€ndigen und unzutreffenden» Bericht vorgelegt. Der ihm vorgesetzte Brigadekommandeur erhalte eine Verwarnung.Â
Rettungsfahrzeuge fuhren mit Blaulicht
Die Tötung der 15 RettungskrĂ€fte hatte weltweit groĂe Empörung ausgelöst. Israel hatte den Zwischenfall ursprĂŒnglich so dargestellt, dass die Rettungsfahrzeuge nicht markiert gewesen und ohne Blaulicht gefahren seien. Zwei Wochen spĂ€ter vermochte der PalĂ€stinensische Rote Halbmond (PRCS) die Handy-Kamera von einem der getöteten SanitĂ€ter sicherzustellen. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, dass die Wagen als Rettungsfahrzeuge markiert waren und mit Blaulicht fuhren. Israel kĂŒndigte daraufhin eine Untersuchung des Vorfalls an. Schlechte Sicht habe die Soldaten, die Nachtsichtkameras getragen hĂ€tten, im Dunkeln daran gehindert, das Blaulicht zu erkennen, sagte Har-Even nun.Â
Bedauern ĂŒber den Tod der RettungskrĂ€fte
In der Zusammenfassung des Berichts bringen die israelischen StreitkrĂ€fte ihr Bedauern ĂŒber den Schaden zum Ausdruck, der unbeteiligten Zivilisten zugefĂŒgt wurde. Zugleich hĂ€lt der Bericht fest, dass unter den 15 Getöteten sechs Hamas-Mitglieder gewesen seien. Diese hĂ€tten nicht gleichzeitig als RettungssanitĂ€ter oder Mitglieder des Zivilschutzes gearbeitet, sagte Har-Even. In keinem der Fahrzeuge seien jedoch Waffen gefunden worden. VorwĂŒrfe gegen die Soldaten wies er zurĂŒck: Es habe keine Hinrichtungen gegeben und niemand sei an den HĂ€nden gefesselt worden. Ein Mann sei bei dem Einsatz aber festgenommen worden. Was ihm genau vorgeworfen wird, wurde nicht bekannt. Es hieĂ bei dem Pressebriefing, es sei bald mit seiner Freilassung zu rechnen.Â
Zudem gab die Armee an, die Soldaten hĂ€tten die Leichen zunĂ€chst vergraben, um etwa wilde Tiere fernzuhalten. Einen Fehler hĂ€tten sie jedoch begangen, indem sie die Rettungsfahrzeuge demolierten. Es sei nicht versucht worden, den Vorfall zu vertuschen. Man habe vielmehr internationale Hilfsorganisationen ĂŒber den Ort informiert, an dem die Leichen vergraben wurden.Â
Die deutsche Bundesregierung hatte die Forderungen nach einer Untersuchung unterstĂŒtzt. «Auch wir finden, dass eine umfassende Untersuchung der VorfĂ€lle notwendig ist», sagte eine Sprecherin des AuswĂ€rtigen Amtes. Sie bezeichnete die Bilder aus Rafah als «bestĂŒrzend» und betonte, medizinisches Personal und humanitĂ€re Helfer dĂŒrften niemals Ziel von Angriffen werden.


