Linie, ErklÀrungen

Sieben Mal auf einer Linie: G7 einigt sich auf ErklÀrungen

18.06.2025 - 00:45:22

Am Ende der G7-Gipfel steht in der Regel eine große gemeinsame AbschlusserklĂ€rung. 2025 ist das wegen Donald Trump anders. Nur bei einzelnen Themen stimmt er einer gemeinsamen Linie zu.

  • Sieben gemeinsame ErklĂ€rungen, aber kein großes KommuniquĂ©: Das ist die Bilanz des diesjĂ€hrigen G7-Gipfels. - Foto: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa

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  • Zum Thema WaldbrĂ€nde konnte sich die Gipfel-Teilnehmer auf eine gemeinsame ErklĂ€rung einigen. Wegen US-PrĂ€sident Donald Trump gibt es allerdings keine explizite ErwĂ€hnung des Klimawandels. (Archivbild) - Foto: Uncredited/Manitoba government/AP/dpa

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  • Quantencomputer können viel schneller rechnen als herkömmliche Computer: Die G7 will bei ihrer Nutzung schnell Fortschritte erzielen. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa

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Sieben gemeinsame ErklĂ€rungen, aber kein großes KommuniquĂ©: Das ist die Bilanz des diesjĂ€hrigen G7-Gipfels. - Foto: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpaZum Thema WaldbrĂ€nde konnte sich die Gipfel-Teilnehmer auf eine gemeinsame ErklĂ€rung einigen. Wegen US-PrĂ€sident Donald Trump gibt es allerdings keine explizite ErwĂ€hnung des Klimawandels. (Archivbild) - Foto: Uncredited/Manitoba government/AP/dpaQuantencomputer können viel schneller rechnen als herkömmliche Computer: Die G7 will bei ihrer Nutzung schnell Fortschritte erzielen. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa

Weil US-PrĂ€sident Donald Trump bei Themen wie Klimaschutz, Freihandel und Ukraine-Hilfe keine Verpflichtungen eingehen will, gibt es vom diesjĂ€hrigen G7-Gipfel der großen demokratischen IndustriemĂ€chte keine große gemeinsame AbschlusserklĂ€rung. Um die Gruppe der Sieben (G7) nicht als völlig handlungsunfĂ€hig und zerstritten erscheinen zu lassen, bemĂŒhte sich die kanadische PrĂ€sidentschaft darum, zumindest zu ein paar einfacheren Punkten gemeinsame politische Leitlinien und Initiativen zu vereinbaren. In folgenden Bereichen spielte auch Trump mit:

Kampf gegen irregulÀre Migration und Schleuser

Deutschland und die anderen G7-Staaten wollen verstĂ€rkt gegen kriminelle Schleuserbanden vorgehen und dazu auch den Grenzschutz verbessern. In der ErklĂ€rung zum Thema heißt es, die Schleusung von Migranten stehe hĂ€ufig in Verbindung mit anderen schweren Straftaten wie GeldwĂ€sche, Korruption sowie Menschen- und Drogenhandel. Zudem seien die Migranten oftmals extremen und lebensbedrohlichen Risiken ausgesetzt – darunter körperlicher Misshandlung, sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt, Erpressung und Zwangsarbeit.

Die neuen Anstrengungen sollen laut der ErklĂ€rung der Staats- und Regierungschefs auf einem im vergangenen Jahr vereinbarten G7-Aktionsplan aufbauen und von den zustĂ€ndigen Ministern noch in diesem Jahr vorangetrieben werden. Konkret geht es demnach darum, die Jagd auf Schleuserbanden durch eine noch bessere Überwachung von GeldflĂŒssen und eine Zusammenarbeit mit Verkehrsunternehmen zu intensivieren. Ein weiterer Plan: Man will soziale Medien dazu bringen, kriminellen Gruppen keine Plattform fĂŒr die Koordinierung und DurchfĂŒhrung von Schleuseroperationen zu bieten.

Geplant ist darĂŒber hinaus auch, Sanktionen gegen kriminelle Akteure zu prĂŒfen, die in die Schleusung von Migranten und den Menschenhandel verwickelt sind - insbesondere dann, wenn diese AktivitĂ€ten von LĂ€ndern wie zum Beispiel Belarus oder Russland staatlich gesteuert werden. Zur G7 gehören neben Deutschland, den USA und Kanada auch Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan sowie die EuropĂ€ische Union.

Kampf gegen WaldbrÀnde

In der ErklĂ€rung zeigen sich die G7-Teilnehmer zutiefst besorgt ĂŒber die «rekordverdĂ€chtigen WaldbrĂ€nde» in den vergangenen zehn Jahren. Um das PhĂ€nomen in den Griff zu bekommen, soll es kĂŒnftig eine verstĂ€rkte globale Zusammenarbeit geben. Auf Druck der USA hin wird der Klimawandel als ein wichtiger Faktor allerdings nicht erwĂ€hnt. Als mögliche PrĂ€ventionsmaßnahmen gegen neue BrĂ€nde werden etwa eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und ein kontrolliertes Abbrennen von WĂ€ldern genannt.

 Kampf gegen grenzĂŒberschreitende Repression

Unter grenzĂŒberschreitender Repression verstehen die G7-Staaten eine aggressive Form auslĂ€ndischer Einflussnahme, bei der Staaten oder deren Stellvertreter versuchen, Personen oder Gemeinschaften außerhalb ihrer Landesgrenzen einzuschĂŒchtern und zu bedrohen. Ein Beispiel sind etwa Cyberattacken und Hetzkampagnen gegen Journalisten oder Menschenrechtler. Als Antwort will die G7 nun zum Beispiel FrĂŒhwarnsysteme aufbauen und betroffene zivilgesellschaftliche Akteure stĂ€rker unterstĂŒtzen.

Aktionsplan zu kritischen Mineralien

Mit einem neuen Aktionsplan fĂŒr kritische Mineralien wollen die G7-Staaten ihre AbhĂ€ngigkeit von autoritĂ€ren RohstoffmĂ€chten wie China verringern und eigene Lieferketten fĂŒr strategisch wichtige Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder seltene Erden absichern. Wichtig ist dies, weil kritische Mineralien fĂŒr ein breites Spektrum von Technologien fĂŒr den Klimaschutz, aber auch in Bereichen wie Digitales, Weltraum und Verteidigung unverzichtbar sind.

Der Plan sieht vor, Investitionen zu erleichtern und Partnerschaften mit zuverlÀssigen rohstoffreichen LÀndern zu stÀrken. Zudem setzt die G7 auf technologische Lösungen und internationale Zusammenarbeit, um durch Kreislaufwirtschaft und Innovation die WettbewerbsfÀhigkeit in diesem geopolitisch sensiblen Bereich zu sichern.

ErklĂ€rung zur KĂŒnstlichen Intelligenz (KI)

Die G7-Staaten wollen beim Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz eine Vorreiterrolle einnehmen – nicht nur fĂŒr wirtschaftliches Wachstum, sondern auch fĂŒr gesellschaftlichen Nutzen. In der ErklĂ€rung zum Thema betonen sie einen verantwortungsvollen, menschenzentrierten Umgang mit KI, der Innovation fördert, ArbeitsplĂ€tze sichert und internationale Gerechtigkeit stĂ€rkt.

Im Zentrum steht die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen, die mit konkreten Programmen und internationaler Zusammenarbeit beim Zugang zu KI-Technologien unterstĂŒtzt werden sollen. Gleichzeitig strebt die G7 eine engere Verzahnung von KI mit öffentlichen Dienstleistungen, Energiesystemen und globalen Entwicklungszielen an. 

 Gemeinsame Vision fĂŒr die Zukunft von Quantentechnologien

Sogenannte Quantentechnologien ermöglichen zum Beispiel superschnelle Computer, abhörsichere KommunikationskanÀle und eine schnellere und prÀzisere Erkennung von Krankheiten. Um das Innovationspotenzial auszuschöpfen, wollen die G7-Staaten laut einer ErklÀrung zum Thema Forschung und Kommerzialisierung vorantreiben, den Technologietransfer erleichtern und die Ausbildung von FachkrÀften fördern.

Israel und der Iran

Die einzige außenpolitische ErklĂ€rung, die beim G7-Gipfel vereinbart werden konnte, bezieht sich auf den Krieg zwischen Israel und dem Iran. In dem kurzen Text wird der Iran als «die Hauptquelle regionaler InstabilitĂ€t und des Terrors» bezeichnet und Israels Recht auf Selbstverteidigung betont. Weiter erklĂ€ren die Staats- und Regierungschefs der G7, man habe stets unmissverstĂ€ndlich klargestellt, dass der Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen dĂŒrfe.

Direkte Kritik am israelischen Vorgehen gegen den Iran findet sich in der bereits am ersten Gipfeltag angenommenen ErklĂ€rung nicht. Es wird lediglich die Bedeutung des Schutzes der Zivilbevölkerung in dem Konflikt betont und gefordert, dass die Lösung der Iran-Krise zu einer umfassenderen Deeskalation der Feindseligkeiten im Nahen Osten fĂŒhren sollte - einschließlich eines Waffenstillstands im Gazastreifen.

@ dpa.de