KardinÀle, Papst

NÀchste Runde: KardinÀle wÀhlen neuen Papst

08.05.2025 - 09:47:05

Am ersten Abend gab es aus der Sixtinischen Kapelle wie erwartet schwarzen Rauch. Heute finden bis zu vier WahlgĂ€nge statt. Draußen warten schon wieder Tausende.

  • Die KardinĂ€le in der Sixtinischen Kapelle. - Foto: Uncredited/Vatican Media/AP/dpa

    Uncredited/Vatican Media/AP/dpa

  • Am ersten Abend warteten Zehntausende auf dem Petersplatz auf den Rauch. - Foto: Marijan Murat/dpa

    Marijan Murat/dpa

  • Zu sehen waren auf und ĂŒber dem Dach der Sixtinischen Kapelle stundenlang nur die in Rom allgegenwĂ€rtigen Möwen. - Foto: Marco Iacobucci/IPA via ZUMA Press /dpa

    Marco Iacobucci/IPA via ZUMA Press /dpa

  • Manche nutzten die Wartezeit zum Beten. - Foto: Oliver Weiken/dpa

    Oliver Weiken/dpa

Die KardinĂ€le in der Sixtinischen Kapelle. - Foto: Uncredited/Vatican Media/AP/dpaAm ersten Abend warteten Zehntausende auf dem Petersplatz auf den Rauch. - Foto: Marijan Murat/dpaZu sehen waren auf und ĂŒber dem Dach der Sixtinischen Kapelle stundenlang nur die in Rom allgegenwĂ€rtigen Möwen. - Foto: Marco Iacobucci/IPA via ZUMA Press /dpaManche nutzten die Wartezeit zum Beten. - Foto: Oliver Weiken/dpa

Die Wahl des neuen Papstes ist in der nĂ€chsten Runde. Nachdem sich die mehr als 130 KardinĂ€le am ersten Tag noch nicht auf einen Nachfolger von Papst Franziskus einigen konnten, stehen heute bis zu vier WahlgĂ€nge auf dem Programm: zwei am Vormittag, zwei am Nachmittag. Falls es in der Sixtinischen Kapelle hinter verschlossener TĂŒr eine Zweidrittelmehrheit fĂŒr einen neuen Pontifex gibt, ist die Wahl allerdings zu Ende. Dann steigt weißer Rauch aus dem Schornstein auf dem Dach der Kapelle auf.

Am Abend hatten mehr als 40.000 Menschen auf dem Petersplatz lange warten mĂŒssen, bis nach dem ersten Wahlgang das Rauchzeichen kam. Erst gegen 21.00 Uhr, ĂŒber drei Stunden nach Beginn des Konklaves, qualmte es schwarz aus dem Schornstein. Also hatte keiner der 133 KardinĂ€le aus aller Welt die erforderlichen 89 Stimmen zusammen bekommen. So war das auch erwartet worden. In den vergangenen Jahrzehnten dauerten die Konklave stets zwei oder drei Tage.

So viele wahlberechtigte KardinÀle wie nie zuvor

Die lange Wartezeit erklĂ€rt sich möglicherweise dadurch, dass dieses Mal so viele KardinĂ€le wĂ€hlen dĂŒrfen wie noch nie. Eigentlich ist die festgelegte Höchstgrenze von maximal 120 WahlmĂ€nnern sogar ĂŒberschritten, aber keinem Kardinal wurde der Zutritt verweigert. Das hĂ€tte auch kaum begrĂŒndet werden können.

Zudem ist das Konklave so international wie nie zuvor, weil Franziskus KardinÀle aus vielen weit von Rom entfernten LÀndern berief. Die Kirchenoberen kennen sich also noch nicht so gut. Spekuliert wird auch, dass eine Ansprache von Kardinal Raniero Cantalamesse mit gemeinsamer Meditation ungewöhnlich lange gedauert haben könnte. Wegen der strikten Geheimhaltung wird man aber möglicherweise nie erfahren, was sich in den ersten Stunden zugetragen hat.

 

Am Donnerstag zogen schon wieder Tausende auf den Petersplatz, um den Ausgang des Konklaves zu verfolgen - und möglicherweise auch schon den neuen Papst zu sehen zu bekommen. MitwĂ€hlen dĂŒrfen nur KardinĂ€le, die jĂŒnger als 80 Jahre alt sind. Über den 267. Pontifex entscheiden auch drei Deutsche mit. 

Der ehemalige PrĂ€fekt der Vatikan-Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig MĂŒller (77), sagte der dpa kurz vor Beginn, er habe sich den Koffer fĂŒr «fĂŒnf, sechs Tage» packen lassen. «Man muss schon vorbereitet sein. Aber jeder hofft natĂŒrlich, dass es nicht so lange dauert. Jeder will nach Hause.» Wahlberechtigt sind auch die KardinĂ€le Reinhard Marx (71) aus MĂŒnchen und Rainer Maria Woelki (68) aus Köln.

Die Nacht verbrachten die Kirchenoberen im GĂ€stehaus-Komplex des Vatikans, der Casa Santa Marta - auch dort abgeschottet von der Außenwelt. Handys, Smartphones und alle sonstigen digitalen GerĂ€te mussten sie abgeben. Die Fenster wurden verdunkelt. Im GĂ€stehaus verbringen sie auch die Pausen. Dann ist Gelegenheit, sich ĂŒber den Verlauf der bisherigen Abstimmungen auszutauschen - und auch dazu, Allianzen zu schmieden. 

Bis 13.00 Uhr wird wieder Rauch erwartet

Heute wird bis gegen 13.00 Uhr mit dem nĂ€chsten Rauchzeichen gerechnet - außer, die KardinĂ€le einigen sich schon im zweiten Wahlgang. Wenn der Pontifex gewĂ€hlt ist, steigt weißer Rauch in den Himmel ĂŒber dem Vatikan. Etwa eine Stunde spĂ€ter wird vom Balkon des Petersdoms verkĂŒndet: Habemus Papam (Wir haben einen Papst). Dann wird der Name des GewĂ€hlten genannt und auch der Name, den er als Pontifex tragen wird. Das neue Kirchenoberhaupt zeigt sich kurz darauf erstmals der Öffentlichkeit und spendet den pĂ€pstlichen Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis).

Vor dem Konklave wurden die Listen mit möglichen Nachfolgern fĂŒr Franziskus von Tag zu Tag lĂ€nger. Als aussichtsreiche AnwĂ€rter gelten drei Italiener: die bisherige Nummer zwei des Vatikans, KardinalstaatssekretĂ€r Pietro Parolin (70), der Erzbischof von Bologna, Matteo Zuppi (69), sowie der Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa (60). FrĂŒher war es ĂŒber Jahrhunderte selbstverstĂ€ndlich, dass der Papst aus Italien kommt. Seit 1978 waren es aber ein Pole (Johannes Paul II.), ein Deutscher (Benedikt XVI.) und der Argentinier Franziskus, der am Ostermontag mit 88 Jahren starb.

Auch neue Namen werden gehandelt

Auf den Listen finden sich aber auch die Namen vieler Nicht-Italiener: zum Beispiel der Philippiner Luis Antonio Tagle (67), der Franzose Jean-Marc-Aveline (66), der Portugiese JosĂ© Tolentino de Mendonça (59), der Ungar Peter Erdö (72) und der Luxemburger Jean-Claude Hollerich (66) - und noch viele mehr. Zudem wird, seit das Konklave lĂ€uft, auch ĂŒber den Sieg eines völligen Außenseiters spekuliert. ErfahrungsgemĂ€ĂŸ gibt es mit jedem Wahlgang neue GerĂŒchte.

Weltweit bekennen sich mehr als 1,4 Milliarden Menschen zum katholischen Glauben. In Europa verliert die Kirche bereits seit Jahren Mitglieder, was auch mit vielen Skandalen um sexuellen Missbrauch durch Priester und Vertuschungsversuche zusammenhÀngt. Auf den anderen Kontinenten steigen die Zahlen hingegen, insbesondere in Asien und Afrika. Deshalb wird auch spekuliert, dass der neue Papst von einem dieser beiden Kontinente kommen könnte. 

Der katholischen Glaubenslehre zufolge ist der Papst Nachfolger des Apostels Petrus und Stellvertreter von Jesus Christus auf Erden. Zudem ist er Bischof von Rom, Primas von Italien und Staatsoberhaupt des Vatikans. Große weltliche Macht hat er nicht, aber eine erhebliche moralische AutoritĂ€t.

@ dpa.de