Eine Woche nach Angriff auf GefÀngnis: Iran meldet 71 Tote
29.06.2025 - 12:48:33Nach dem israelischen Angriff auf das Teheraner Ewin-GefĂ€ngnis vor einer Woche bangen zahlreiche Angehörige weiter um das Schicksal ihrer inhaftierten Familienmitglieder. Mindestens 71 Menschen sollen getötet worden sein, sagte Justizsprecher Asghar Dschahangir laut dem Justizportal Mizan. Demnach sollen GefĂ€ngnispersonal, Wehrpflichtige, HĂ€ftlinge und Familienangehörige von HĂ€ftlingen unter den Toten sein. UnabhĂ€ngig verifizieren lassen sich die Zahlen nicht - auch weil die FĂŒhrung in Teheran keinen unbeschrĂ€nkten Zutritt zu dem GefĂ€ngnis gewĂ€hrt.
Nur sporadische Infos ĂŒber SchĂ€den
Am Montag hatte die israelische Luftwaffe Teile der Haftanstalt Ewin bombardiert â laut israelischer Darstellung ein symbolischer Schlag gegen Irans Regierung. Berichten zufolge wurden vor allem VerwaltungsgebĂ€ude zerstört.Â
Iranische Aktivisten und ehemalige Insassen reagierten mit Kritik: Der Angriff gefĂ€hrde das Leben politischer Gefangener. In Ewin sind auch mehrere EuropĂ€er inhaftiert.Â
Das GefĂ€ngnis im Norden Teherans gilt landesweit als der Ort fĂŒr Misshandlung und Folter, insbesondere von politischen Gefangenen. Auch Demonstranten wurden dort wegen ihrer Teilnahme an den systemkritischen Protesten inhaftiert.
Ăber das AusmaĂ der SchĂ€den an dem GebĂ€ude, das Schicksal der Inhaftierten oder Namen der Getöteten dringen seit Tagen nur wenig Informationen an die Ăffentlichkeit. Eine fĂŒr heute angekĂŒndigte Besichtigung der Haftanstalt fĂŒr Journalisten wurde zunĂ€chst kurzfristig abgesagt und dann fĂŒr ausgewĂ€hlte Medien wieder ermöglicht.
Angehörige wollen Druck auf FĂŒhrung machen
Eine Kinderrechtsaktivistin sagte der Zeitung Shargh, der Angriff habe einem VerwaltungsgebĂ€ude gegolten. Die Explosionen trafen demnach den Bereich der Staatsanwaltschaft, den SanitĂ€tsbereich und den Besuchersaal. Dort hielten sich zahlreiche Soldaten sowie AnwĂ€lte auf.Â
Medienberichten zufolge soll unter den Toten auch der Staatsanwalt Ali Ghanatkar sein. Er ist mitverantwortlich fĂŒr die Verurteilung der FriedensnobelpreistrĂ€gerin Narges Mohammadi, die selbst im Ewin-GefĂ€ngnis saĂ.
Die Unwissenheit ist besonders fĂŒr die Angehörigen eine groĂe Belastung. In den sozialen Medien Ă€uĂerten viele ihre Besorgnis. Unter dem Hashtag #WhereIsOurPrisoner begannen Angehörige, die Justiz zu mehr Transparenz zu drĂ€ngen.
Verlegung in andere GefĂ€ngnisseÂ
Berichten zufolge wurden Insassen nach dem Angriff auch in andere GefĂ€ngnisse gebracht, in denen die ZustĂ€nde Menschenrechtlern zufolge noch schlimmer sein sollen als in dem berĂŒchtigten Ewin-GefĂ€ngnis.Â
In dem zwölf Tage anhaltenden Krieg zwischen Iran und Israel kamen auf iranischer Seite laut bisherigen offiziellen Angaben mehr als 620 Menschen ums Leben, darunter mehr als 20 hochrangige Kommandeure. Das in den USA ansĂ€ssige Menschenrechtsnetzwerk HRANA berichtete von fast als 1.200 Toten. Die Aktivisten stĂŒtzen sich auf Informanten und öffentlich zugĂ€ngliche Quellen. In Israel kamen 28 Menschen bei iranischen Angriffen ums Leben.





