Campus-Proteste, Columbia-Studierende

Campus-Proteste: Columbia-Studierende besetzen GebÀude

30.04.2024 - 18:37:53 | dpa.de

An der New Yorker Elite-Uni Columbia spitzt sich die Lage weiter zu. Demonstrierende besetzen in der Nacht ein HochschulgebĂ€ude. Auch das Weiße Haus meldet sich zu Wort.

Studierende blockieren den Eingang der Hamilton Hall an der Columbia University in New York nach der Besetzung. - Foto: Marco Postigo Storel/AP/dpa
Studierende blockieren den Eingang der Hamilton Hall an der Columbia University in New York nach der Besetzung. - Foto: Marco Postigo Storel/AP/dpa

Die seit knapp zwei Wochen andauernden propalĂ€stinensischen Demonstrationen an der New Yorker Elite-UniversitĂ€t Columbia drohen zu eskalieren. In der Nacht zum Dienstag (Ortszeit) drangen Demonstrierende in ein GebĂ€ude auf dem Campus im Norden Manhattans ein. Es handelt sich um die Hamilton Hall, die auch 1968 wĂ€hrend eines Protests gegen den Vietnam-Krieg besetzt worden war. Das Weiße Haus ĂŒbte deutliche Kritik.

Auf Videos war zu sehen, wie vermummte Personen mit schwarz-weißen PalĂ€stinensertĂŒchern Fenster einschlugen und den Eingang des GebĂ€udes mit StĂŒhlen und Tischen verbarrikadierten. Nach Angaben der Studierendenzeitung «Columbia Spectator» befanden sich mehrere Dutzend Protestierende in dem GebĂ€ude. Hunderte weitere demonstrierten demnach davor. Die Polizei halte sich außerhalb des UniversitĂ€tsgelĂ€ndes fĂŒr den Fall bereit, dass es Verletzte gebe.

Die Studierendengruppen «Columbia Students for Justice in Palestine» und «Columbia University Apartheid Divest» kĂŒndigten an, die Hamilton Hall nicht zu verlassen, bis ihre Forderungen erfĂŒllt wĂŒrden. «Ein GebĂ€ude zu besetzen, ist ein geringes Risiko im Vergleich zum tĂ€glichen Widerstand der PalĂ€stinenser im Gazastreifen», hieß es in einer auf der Plattform X, frĂŒher Twitter, verbreiteten Stellungnahme. Die UniversitĂ€t Columbia empfahl Studierenden und Mitarbeitenden, aus SicherheitsgrĂŒnden am Dienstag nur in dringenden FĂ€llen den Campus aufzusuchen und schrĂ€nkte den Zugang zu dem GelĂ€nde weiter ein.

Am Montag hatte die UniversitĂ€t angekĂŒndigt, Studentinnen und Studenten zu suspendieren, sollten sie ein Protestcamp auf dem UniversitĂ€tsgelĂ€nde nicht bis zum Nachmittag verlassen. Die Demonstrierenden kritisieren das Vorgehen Israels im Gaza-Krieg und fordern SolidaritĂ€t mit den PalĂ€stinensern. Außerdem verlangen sie von der Hochschule, finanzielle Beziehungen mit Israel zu beenden. Die UniversitĂ€t lehnte das am Montag ab.

Auch die US-Regierung reagierte auf die Besetzung wĂ€hrend der Nacht: «Die gewaltsame Übernahme eines GebĂ€udes auf dem Campus ist der absolut falsche Weg. Das ist kein Beispiel fĂŒr friedlichen Protest», sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby. Ein kleiner Prozentsatz von Studierenden sollte nicht in der Lage sein, die akademische Ausbildung aller zu stören. «Studenten, die fĂŒr ihren UniversitĂ€tsbesuch bezahlen und eine Ausbildung anstreben, sollten dieser ungestört folgen können, und sie sollten sich dabei sicher fĂŒhlen können», sagte Kirby weiter. Hassrede und Symbole des Hasses hĂ€tten in den USA keinen Platz. 

Herzog: «Gefahr fĂŒr die akademische Freiheit»

Vor knapp zwei Wochen hatte ein Einsatz der New Yorker Polizei an der UniversitĂ€t Columbia fĂŒr Aufsehen und Kritik gesorgt, in der Folge kam es an Dutzenden UniversitĂ€ten in den USA zu Protesten und den Aufbau von Zeltlagern. Seitdem wurden landesweit laut «New York Times» mehr als 800 Menschen festgenommen, darunter auch Hochschulpersonal. Einigen wird Antisemitismus und die Verharmlosung der islamistischen Hamas vorgeworfen, deren Ziel unter anderem die Vernichtung des Staates Israel ist.

Israels PrĂ€sident Izchak Herzog nannte die «entsetzlichen antisemitischen Aktionen» an der UniversitĂ€t Columbia zutiefst beunruhigend. «Die amerikanische Wissenschaft muss sich der Bedrohung bewusst werden», schrieb Herzog auf der Plattform X. Er sprach von «einer klaren und gegenwĂ€rtigen Gefahr fĂŒr die akademische Freiheit und fĂŒr das Leben der Juden auf dem Campus.» Herzog forderte Maßnahmen, um Antisemitismus auf dem Campus zu unterbinden.

Die Hamas und andere islamistische Gruppen hatten am 7. Oktober vergangenen Jahres etwa 1200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte daraufhin mit einer Bodenoffensive und LuftschlĂ€gen in dem KĂŒstengebiet. Durch israelische Angriffe wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde seit Kriegsbeginn etwa 34.500 Menschen getötet.

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