Amnesty: Dutzende Oppositionelle in Tunesien festgenommen
17.09.2024 - 14:11:56Die tunesischen Behörden haben laut Menschenrechtlern Dutzende Oppositionelle festgenommen. Es handele sich um 97 Mitglieder der moderat islamistischen Ennahda-Partei, teilte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mit. Gegen sie werde wegen «Verschwörung» ermittelt, hieĂ es. Die Festnahmen erfolgten demnach am vergangenen Donnerstag und Freitag.Â
Die tunesischen Behörden fĂŒhrten vor der PrĂ€sidentschaftswahl einen «klaren Angriff auf die SĂ€ulen der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit durch», kritisierte GeneralsekretĂ€rin AgnĂšs Callamard. Es handle sich um einen «eklatanten RĂŒckschritt bei den Menschenrechten». Amnesty International forderte die tunesischen Behörden auf, alle, «die ausschlieĂlich wegen der friedlichen AusĂŒbung ihrer Menschenrechte inhaftiert wurden», unverzĂŒglich freizulassen.
Die Wahl in dem Mittelmeerland soll am 6. Oktober stattfinden. Mehr als ein Dutzend möglicher Bewerber um das höchste Amt wurden vorab verurteilt, einige von ihnen zu Haftstrafen. Anderen wurde untersagt, sich um öffentliche Ămter zu bewerben. Auch der Ennahda-Parteichef Rached Ghannouchi sitzt bereits im GefĂ€ngnis. Neben Amtsinhaber Kais Saied sind zur Wahl nur zwei weitere Kandidaten zugelassen, von denen einer ebenfalls festgenommen wurde.Â
Saied kam 2019 ins Amt und hat seine Macht seit 2021 schrittweise ausgebaut, unter anderem durch die Auflösung des Parlaments und eine umstrittene neue Verfassung. Beobachter haben zunehmend Zweifel, dass die Wahl frei und fair abgehalten werden kann. Kritiker werfen Saied vor, das Land in eine Autokratie fĂŒhren.


