BBC, Mediziner

BBC: Mediziner bei Einsatz in Gaza-Klinik geschlagen

12.03.2024 - 16:55:05

Angestellte des Krankenhauses wurden laut dem Bericht bei einem Einsatz der Armee im Februar auch tagelang festgehalten. Das MilitÀr bestreitet, dass medizinisches Personal zu Schaden gekommen ist.

Bei einem Einsatz der israelischen Armee in einer Klinik im Gazastreifen sollen Soldaten laut einem Medienbericht Mediziner geschlagen und gedemĂŒtigt haben. Israelische EinsatzkrĂ€fte hĂ€tten ihnen die Augen verbunden, sie tagelang festgehalten und gezwungen, sich auszuziehen, meldete der britische Sender BBC unter Berufung auf medizinisches Personal des Nasser-Krankenhauses.

Demnach sollen die Betroffenen auch mit Stöcken, SchlĂ€uchen, Gewehrkolben und FĂ€usten geschlagen worden sein. Die israelische Armee teilte auf Anfrage mit: «Die dargelegten Behauptungen sind uns nicht bekannt.» Alle Angaben lassen sich derzeit nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Im Bericht der BBC heißt es, die VorwĂŒrfe seien dem MilitĂ€r ĂŒbermittelt worden. Das MilitĂ€r habe sich nicht direkt zu den VorfĂ€llen geĂ€ußert, die konkreten Anschuldigungen aber auch nicht bestritten. Israels Armee teilte auf Anfrage aber mit, bei ihrem Einsatz in der Klinik seien Patienten und Personal nicht zu Schaden gekommen. Auch diese Angaben konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig verifiziert werden.

Berichte von Qual und DemĂŒtigung

Die Armee sprach von einer «prÀzisen und begrenzten Operation gegen die Hamas-Terrororganisation im Nasser-Krankenhaus» in der Stadt Chan Junis, bei der im Februar rund 200 VerdÀchtige zeitweise festgenommen und Waffen sichergestellt worden seien. Nach Darstellung der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde gehören viele der Festgenommenen zum medizinischen Personal.

Ein Arzt berichtete der BBC zufolge, ein Soldat habe ihm die Hand gebrochen. Auf einen Gipsverband hĂ€tten die israelischen EinsatzkrĂ€fte einen Davidstern gemalt. Andere Klinik-Mitarbeiter berichteten weiterhin davon, dass sie stundenlang in unbequemen Positionen knien mussten und mit kaltem Wasser ĂŒbergossen worden seien. Einige Angestellte der Klinik wĂŒrden seit dem Einsatz der israelischen Armee vermisst, meldete der Sender unter Berufung auf Angehörige weiter.

Die BBC veröffentlichte auch eine Aufnahme, die MÀnner in UnterwÀsche kniend und mit hinter dem Kopf verschrÀnkten HÀnden vor dem GebÀude der Notaufnahme zeigen soll. Vor einigen sollen den Angaben nach Kittel liegen. Mediziner sagten dem Sender den Angaben zufolge, auch unbekleidet in eine Haftanstalt gebracht worden zu sein.

Großbritannien fordert AufklĂ€rung

Israels Armee teilte mit, sie nehme derzeit in Kampfgebieten im Gazastreifen Menschen, die der Beteiligung an terroristischen AktivitĂ€ten verdĂ€chtigt wĂŒrden, vorĂŒbergehend fest und verhöre sie. Unbeteiligte wĂŒrden schließlich wieder freigelassen. «Die inhaftierten Personen werden im Einklang mit dem Völkerrecht behandelt», so die Armee. Oft sei es erforderlich, dass die VerdĂ€chtigen ihre Kleidung abgeben, damit diese durchsucht und so sichergestellt werden kann, dass die Betroffenen keine Sprengwesten oder andere Waffen verbergen. Die Kleidung werde den Menschen nicht sofort zurĂŒckgegeben, da der Verdacht bestehe, dass darin etwa Messer versteckt sein könnten. Auch die BBC zitierte diese Stellungnahme des MilitĂ€rs.

Die britische Regierung forderte nach Veröffentlichung des BBC-Berichts eine umfassende AufklĂ€rung. Bei EinsĂ€tzen der israelischen Armee seien wie in Großbritannien AnwĂ€lte anwesend, um die Achtung des internationalen humanitĂ€ren Rechts sicherzustellen, sagte Außen-StaatssekretĂ€r Andrew Mitchell im Parlament in London. Er betonte aber, dass eine ausfĂŒhrliche ErklĂ€rung erforderlich sei.

@ dpa.de