Portugal, Wahl

Sozialist Seguro gewinnt PrÀsidentenwahl in Portugal

08.02.2026 - 22:54:02

AntĂłnio JosĂ© Seguro hat die PrĂ€sidentenwahl in Portugal deutlich gewonnen. Was das fĂŒr das politische Klima im Land bedeutet.

  • Der Sozialist AntĂłnio JosĂ© Seguro hat die Stichwahl um das portugiesische PrĂ€sidentenamt klar gewonnen. (Archivbild) - Foto: Ana Brigida/AP/dpa

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  • Der Rechtspopulist AndrĂ© Ventura rĂ€umte seine Niederlage bei der PrĂ€sidentenwahl in Portugal ein. - Foto: Ana Brigida/AP/dpa

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Der Sozialist António José Seguro hat die Stichwahl um das portugiesische PrÀsidentenamt klar gewonnen. (Archivbild) - Foto: Ana Brigida/AP/dpaDer Rechtspopulist André Ventura rÀumte seine Niederlage bei der PrÀsidentenwahl in Portugal ein. - Foto: Ana Brigida/AP/dpa

In der Stichwahl um das portugiesische PrĂ€sidentenamt hat sich der sozialdemokratisch orientierte Politiker AntĂłnio JosĂ© Seguro Hochrechnungen zufolge klar gegen den Rechtspopulisten AndrĂ© Ventura durchgesetzt. FĂŒr den 63-jĂ€hrigen Politiker der sozialistischen Partei (PS) stimmten 66,6 Prozent der WĂ€hler, berichtete der staatliche TV-Sender RTP, nachdem 98,5 Prozent der Stimmen ausgezĂ€hlt waren. 

In einer ersten Reaktion lobte Wahlsieger Seguro die Menschen seines Landes. «Das portugiesische Volk ist das beste Volk der Welt. Ausgezeichnet. Mit einem enormen staatsbĂŒrgerlichen Verantwortungsbewusstsein und einer Verbundenheit mit den Werten unserer Demokratie», sagte er vor Journalisten im Fernsehen.

Der konservative Regierungschef LuĂ­s Montenegro gratulierte Seguro zum Wahlsieg und zeigte sich zuversichtlich, dass er mit dem nĂ€chsten PrĂ€sidenten gut zusammenarbeiten werde. Ventura gestand seine Niederlage ein. «Er hat gewonnen. Ich wĂŒnsche ihm eine hervorragende Amtszeit», sagte er in Richtung Seguros. 

Seguro wird damit die Nachfolge des konservativen Amtsinhabers Marcelo Rebelo de Sousa antreten, der das EU-Land im SĂŒdwesten Europas seit 2016 fĂŒhrte. Nach zwei je fĂŒnfjĂ€hrigen Amtszeiten durfte der 77-JĂ€hrige nicht erneut antreten. In der ersten Wahlrunde vor drei Wochen hatte Seguro mit gut 31 Prozent zwar die meisten Stimmen erhalten, die fĂŒr einen Sieg notwendige absolute Mehrheit aber verfehlt. 

Rasanter Aufstieg: Ein Drittel der Stimmen fĂŒr Rechtspopulisten 

Sein Widersacher Ventura kam nach diesen Hochrechnungen auf 33,4 Prozent. Dass der oft polarisierend auftretende 43-JĂ€hrige, der gern gegen Immigranten wettert, rund ein Drittel der Stimmen auf sich vereinigen konnte, gilt jedoch als weiteres Zeichen fĂŒr den rasanten Aufstieg der Rechtspopulisten in Portugal.

Nur sechs Jahre nach der GrĂŒndung war Venturas Partei Chega (Es reicht) im Mai vorigen Jahres hinter dem konservativen BĂŒndnis von MinisterprĂ€sident LuĂ­s Montenegro zur zweitstĂ€rksten Kraft im Parlament in Lissabon avanciert.

Man habe «das seit 50 Jahren herrschende Zweiparteiensystem getötet» und werde bald auch die Regierung stellen, jubelte damals der Rechtsprofessor, Buchautor und frĂŒhere Sportkommentator, der von Medien unter anderem «Hurrikan» genannt wird und immer wieder gegen Minderheiten hetzt. 

In der ersten Wahlrunde vor drei Wochen hatte Ventura fast 24 Prozent der Stimmen erhalten. Allerdings hatten in Umfragen rund 60 Prozent der Befragten gesagt, sie wĂŒrden auf keinen Fall fĂŒr Ventura stimmen.

Wahlsieger wird als ruhig und seriös wahrgenommen

Seguro tritt im Gegensatz zu Ventura nĂŒchtern, dialogorientiert und klar proeuropĂ€isch auf. Sein Stil wird als ruhig und seriös wahrgenommen, schrieb die Zeitung «PĂșblico». Als PrĂ€sident wolle er ein Moderator und Garant der Verfassung sein, fern von Polarisierung, betonte er im Wahlkampf. 

Damit dĂŒrfte er mit Regierungschef Montenegro Ă€hnlich gut zusammenarbeiten, wie Rebelo de Sousa seinerzeit mit dem damaligen sozialistischen Regierungschef AntĂłnio Costa (2015–2024). Die AmtseinfĂŒhrung ist fĂŒr den 9. MĂ€rz geplant. 

Seguro blickt auf eine lange Parteikarriere als Abgeordneter, Minister und GeneralsekretĂ€r der sozialistischen Partei zurĂŒck. Er proklamiert eine Politik, die wirtschaftliche Verantwortung mit sozialer Gerechtigkeit in Einklang bringen will. Im Wahlkampf betonte er die StĂ€rkung der Institutionen, den Schutz der Demokratie und den Ausgleich zwischen Markt und Sozialstaat. «Ich will ein Portugal, in dem der Staat funktioniert, die Wirtschaft Wohlstand schafft und der Sozialstaat stets prĂ€sent ist», beschrieb er seine Ziele. 

PrÀsidentenamt in Portugal nicht nur reprÀsentativer Posten

Das Staatsoberhaupt hat in dem EU-Land relativ viel Macht. Der PrĂ€sident kann sowohl sein Veto gegen Gesetze einlegen als auch das Parlament auflösen und Neuwahlen ausrufen. Letzteres tat der beliebte und volksnahe Rebelo de Sousa in seiner zweiten Amtszeit sogar zweimal, und zwar bei KorruptionsvorwĂŒrfen gegen den Sozialisten Costa im November 2023 sowie gegen den Konservativen Montenegro im MĂ€rz vorigen Jahres.

Reibungsloser Wahlverlauf trotz Problemen durch Sturmserie

Es war die elfte PrÀsidentenwahl seit der Nelkenrevolution von 1974 und seither die erste, bei der eine Stichwahl notwendig wurde. Trotz der Zerstörungen durch den schweren Sturm «Kristin» vor eineinhalb Wochen und mehrerer weiterer Atlantiktiefs seither verlief die Abstimmung störungsfrei. Nur in drei Gemeinden mit insgesamt 37.000 Wahlberechtigten wurde die Abstimmung wegen sturmbedingter Zerstörungen um eine Woche auf den 15. Februar verschoben.

@ dpa.de