Antonio Tajani: Hacker veröffentlichen Daten von 18 Personen
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 19:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBetroffene und politische Reaktion
- Antonio Tajani schrieb, Hacker hÀtten persönliche Daten von ihm und seiner Familie im Darknet veröffentlicht.
- Die Hackergruppe bot seit dem 26. Oktober Informationen ĂŒber 18 als Russlandfeinde bezeichnete Personen gegen Geld an.
- Giorgia Meloni erklĂ€rte, prorussische Hacker seien fĂŒr die Angriffe verantwortlich, und bekundete Tajani ihre SolidaritĂ€t.
Hacker veröffentlichen Daten von Tajani und Familie
Italiens AuĂenminister Antonio Tajani wird nach eigenen Angaben seit Tagen von Hackern angegriffen, die sensible persönliche Daten von ihm und seiner Familie im Darknet veröffentlichten. FĂŒr weitere Informationen ĂŒber ihn und seine Angehörigen soll Geld angeboten werden.
Tajani weist EinschĂŒchterung zurĂŒck
âDadurch setze ich mich neuen Bedrohungen und EinschĂŒchterungsversuchen ausâ, schrieb Tajani auf der Plattform X. Die Angreifer bezögen auch seine Familie ein, betonte er, und fĂŒgte hinzu: âMeine Reaktion ist sehr einfach: Ich lasse mich in keiner Weise einschĂŒchtern.â
Als möglichen Grund nannte Tajani Italiens UnterstĂŒtzung fĂŒr die von Russland angegriffene Ukraine. Die Verteidigung eines souverĂ€nen Staates und dessen demokratischer UnabhĂ€ngigkeit sei fĂŒr die kriminellen Akteure gefĂ€hrlich, schrieb er.
18 Personen als Feinde Russlands bezeichnet
Die italienische Tageszeitung Il Fatto Quotidiano berichtete, die Hackergruppe NoName057(16) biete seit dem 26. Oktober Geld fĂŒr Passwörter, Wohnadressen, LebenslĂ€ufe, private Telefonnummern und weitere persönliche Daten an. Insgesamt seien 18 Personen betroffen, die die Gruppe als Feinde Russlands bezeichne.
Neben Tajani wurden dem Bericht zufolge der italienische Staatsanwalt Francesco Lo Voi, der Leiter der Postpolizei, Ivano Gabrielli, und der BĂŒrgermeister von Aviano, Paolo Tassan-Zanin, genannt. Die Gruppe soll mutmaĂlich Verbindungen zum russischen MilitĂ€rgeheimdienst GRU unterhalten.
Auch deutsche AmtstrÀger genannt
Einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge gerieten auch Deutsche und ein Ăsterreicher ins Visier der Hacker. Genannt wurden ein Frankfurter Staatsanwalt, der PrĂ€sident des Bundeskriminalamtes, Holger MĂŒnch, ein deutscher Journalist sowie der österreichische PrĂ€sident der EU-Justizbehörde Eurojust, Michael Schmid.
Tajani kĂŒndigte an, seinen Kurs fortzusetzen und das AuĂenministerium sowie Italien zu verteidigen. Zugleich wolle er die Verbindungen und die Zusammenarbeit mit den VerbĂŒndeten stĂ€rken.
Meloni spricht von prorussischen Hackern
Regierungschefin Giorgia Meloni bekundete Tajani ihre volle SolidaritĂ€t und machte prorussische Hacker fĂŒr die Angriffe verantwortlich. Die Verbreitung persönlicher Daten von Vertretern staatlicher Institutionen sei Ă€uĂerst besorgniserregend und mĂŒsse mit aller Entschlossenheit bekĂ€mpft werden.
Der Angriff fĂ€llt in eine Phase, in der prorussische Hackergruppen wiederholt politische Einrichtungen, Behörden und öffentliche Personen in europĂ€ischen Staaten ins Visier nehmen. Dabei geht es hĂ€ufig nicht nur um die Veröffentlichung erbeuteter Daten, sondern auch um EinschĂŒchterung, Desinformation und die öffentliche Darstellung politischer Gegner als Feinde Russlands.
Besonders sensibel ist der Vorgang, weil nach den Angaben zur Gruppe neben einem Regierungsmitglied auch Justiz- und Sicherheitsvertreter betroffen sein sollen. Die Veröffentlichung von Wohnadressen, Telefonnummern oder familiĂ€ren Informationen kann die persönliche Sicherheit gefĂ€hrden und erhöht den Druck auf staatliche Institutionen. Das Angebot, fĂŒr zusĂ€tzliche Daten zu bezahlen, deutet zudem auf eine gezielte Ausweitung der Bedrohung hin.
Italien im Fokus des Ukraine-Konflikts
Tajani fĂŒhrt den Angriff auf Italiens UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine zurĂŒck. Rom gehört zu den europĂ€ischen Staaten, die Kiew politisch und militĂ€risch unterstĂŒtzen und zugleich ihre Zusammenarbeit mit europĂ€ischen sowie transatlantischen Partnern vertiefen. Cyberangriffe gegen AmtstrĂ€ger können deshalb auch als Versuch verstanden werden, diese UnterstĂŒtzung öffentlich zu bestrafen und Vertrauen in staatliche Schutzmechanismen zu schwĂ€chen.
FĂŒr Betroffene steht nun neben der Strafverfolgung der Schutz bereits veröffentlichter Daten im Mittelpunkt. Behörden mĂŒssen ZugĂ€nge sichern, mögliche GefĂ€hrdungen fĂŒr Familien bewerten und die internationale Zusammenarbeit gegen die Betreiber koordinieren. Der Fall zeigt zugleich, dass Cyberabwehr und der Schutz persönlicher Daten politischer EntscheidungstrĂ€ger unmittelbar zusammengehören.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: âTajani meldet Datenleck im Darknet nach Angriff russischer Hacker, Meloni reagiertâ (07.11.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt die Veröffentlichung persönlicher Daten Tajanis und nennt ebenfalls Francesco Lo Voi sowie Ivano Gabrielli als weitere Betroffene. Einen zusĂ€tzlichen Schwerpunkt legt er auf Tajanis Hinweis auf eine seit Jahresbeginn bestehende Cyber-Direktion im AuĂenministerium sowie auf Melonis politische Reaktion.
Der Deutschlandfunk hebt den Hackerangriff auf Tajani und Melonis Verantwortungszuweisung an prorussische Akteure hervor. Im Vergleich zu Euronews bleibt der Beitrag stĂ€rker bei den Kernangaben und behandelt zusĂ€tzliche politische Details nicht ausfĂŒhrlich.
Beide BeitrĂ€ge stimmen beim Angriff auf Tajani und bei Melonis Einordnung ĂŒberein. Unterschiede liegen vor allem in der Darstellung der weiteren Betroffenen und der politischen BegleitumstĂ€nde.
