Antonio Tajani, NoName057(16)

Antonio Tajani: Hacker veröffentlichen Familiendaten im Darknet

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 20:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Italiens Außenminister Antonio Tajani berichtet von veröffentlichten persönlichen Daten und Angeboten für weitere Informationen über ihn und seine Familie. Regierungschefin Giorgia Meloni macht prorussische Hacker verantwortlich.

Betroffene und genannte Hintergründe

  • Antonio Tajani schrieb, dass persönliche Daten von ihm und seiner Familie im Darknet veröffentlicht worden seien.
  • Die Hackergruppe soll seit dem 26. Oktober Geld für Daten von insgesamt 18 Personen angeboten haben.
  • Neben Tajani werden Francesco Lo Voi, Ivano Gabrielli und Paolo Tassan-Zanin als Betroffene genannt.
Italiens Außenminister Antonio Tajani hat Hackerangriffe auf sich und seine Familie öffentlich gemacht. Regierungschefin Giorgia Meloni sieht prorussische Kräfte hinter den Angriffen. (Archivbild) - Bild: Michael Brandt/dpa

Tajani und Familie von Datenveröffentlichung betroffen

Italiens Außenminister Antonio Tajani wird nach eigenen Angaben seit Tagen von Hackern angegriffen, die sensible persönliche Daten seiner Person und seiner Familie im Darknet veröffentlichten. Für weitere Informationen über ihn und seine Angehörigen werde Geld angeboten, schrieb Tajani auf der Plattform X.

Außenminister will Kurs fortsetzen

Tajani erklärte, er lasse sich nicht einschüchtern und werde weiter daran arbeiten, sein Ministerium und Italien zu verteidigen. Als möglichen Grund nannte er Italiens Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine.

18 Personen auf Liste der Hacker

Die italienische Tageszeitung Il Fatto Quotidiano berichtete, die Gruppe NoName057(16) biete seit dem 26. Oktober Geld für Passwörter, Wohnadressen, Lebensläufe, private Telefonnummern und weitere persönliche Daten von insgesamt 18 Menschen an. Die Gruppe bezeichne diese Personen als Feinde Russlands.

Neben Tajani seien der italienische Staatsanwalt Francesco Lo Voi, der Leiter der Postpolizei Ivano Gabrielli und der Bürgermeister von Aviano, Paolo Tassan-Zanin, betroffen.

BKA ordnet Gruppe als prorussisch ein

Das Bundeskriminalamt hatte NoName057(16) 2025 als prorussische Hackergruppe bezeichnet. Sie wurde nach Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022 öffentlich bekannt und warb Unterstützer für DDoS-Angriffe an, bei denen Webseiten durch Überlastung zeitweise nicht erreichbar sind.

Im Juli 2025 zerschlug eine international koordinierte Polizei- und Justizoperation unter Führung des BKA und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main die IT-Infrastruktur und das weltweite Botnetz der Gruppe. NoName057(16) blieb jedoch auch danach aktiv.

Auch deutsche Amtsträger genannt

Einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge gerieten auch Deutsche und ein Österreicher ins Visier. Genannt wurden ein Frankfurter Staatsanwalt, BKA-Präsident Holger Münch, ein deutscher Journalist und der österreichische Eurojust-Präsident Michael Schmid.

Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni bekundete Tajani ihre Solidarität und machte prorussische Hacker für die Veröffentlichung seiner persönlichen Daten verantwortlich. Sie bezeichnete die Aktivitäten als äußerst besorgniserregend und kündigte entschlossenes Vorgehen dagegen an.

Der Angriff fällt in eine Phase, in der Cyberoperationen gegen politische Institutionen und Personen zunehmend mit geopolitischen Konflikten verbunden sind. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die mögliche Störung digitaler Dienste, sondern auch die Veröffentlichung persönlicher Informationen, die Betroffene und ihre Familien unmittelbar unter Druck setzen kann.

Die Gruppe NoName057(16) wurde vom Bundeskriminalamt bereits 2025 als prorussische Hackergruppe eingeordnet. Bekannt wurde sie vor allem durch DDoS-Angriffe, bei denen Webseiten durch eine große Zahl gleichzeitiger Anfragen vorübergehend unerreichbar gemacht werden. Eine international koordinierte Operation unter deutscher Führung hatte im Juli 2025 die IT-Infrastruktur und das Botnetz der Gruppe zerschlagen; die Aktivität riss danach jedoch nicht ab.

Politischer Druck über persönliche Daten

Der aktuelle Vorgang erweitert dieses bekannte Muster um die gezielte Vermarktung sensibler Informationen. Dass neben einem Regierungsmitglied auch Angehörige und weitere Amtsträger genannt werden, erhöht die sicherheitspolitische Bedeutung des Falls. Für Behörden und politische Institutionen geht es damit zugleich um Datenschutz, Schutz vor Einschüchterung und die Sicherung staatlicher Kommunikation.

Italien unterstützt die Ukraine und zählt innerhalb Europas zu den Staaten, deren Position von prorussischen Akteuren regelmäßig angegriffen wird. Sollte sich der Vorgang ausweiten, dürften die Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgern, Nachrichtendiensten und internationalen Partnern sowie der Schutz persönlicher Daten von Amtsträgern weiter an Bedeutung gewinnen. Für Bürger zeigt der Fall, dass gestohlene oder veröffentlichte Daten nicht nur ein digitales, sondern auch ein konkretes persönliches Sicherheitsrisiko darstellen können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „Tajani meldet Datenleck im Darknet nach Angriff russischer Hacker, Meloni reagiert“ (07.11.2026)

Der Beitrag bestätigt die Veröffentlichung persönlicher Daten Tajanis und nennt ebenfalls Francesco Lo Voi sowie Ivano Gabrielli als weitere Betroffene. Einen zusätzlichen Schwerpunkt setzt er auf die Reaktion Giorgia Melonis und einen innenpolitischen Streit über ein manipuliertes Bild.

Deutschlandfunk: „Darknet - Italienischer Außenminister wird Opfer von Cyberangriff - Regierungschefin Meloni macht pro-russische Hacker verantwortlich“ (07.11.2026)

Der Deutschlandfunk konzentriert sich auf Tajanis Darstellung des Angriffs, das angebotene Geld für weitere Informationen und Melonis Verantwortungszuweisung. Wie beim Euronews-Bericht bleibt die genaue technische Urheberschaft des Vorgangs offen.

Beide Beiträge stimmen beim Datenleck, der Einbeziehung von Familienangehörigen und der politischen Einordnung durch Tajani und Meloni überein. Unterschiede liegen vor allem im Schwerpunkt: Euronews behandelt zusätzlich die innenpolitische Reaktion, während der Deutschlandfunk die Kernaussagen des Außenministers bündelt.

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