Flydubai-Flug nach Tel Aviv: Pilot nach Messerangriff als Held gewürdigt
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 00:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAuf dem Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv hat ein Pilot seinen Kollegen mit einem Messer angegriffen, woraufhin die Maschine in Saudi-Arabien notlandete.
Netanjahu würdigt verletzten Piloten
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu würdigte den indischen Flugkapitän als „wahren Helden“. Trotz schwerer Stichverletzungen habe der Mann Widerstand geleistet, die Cockpittür geöffnet und Passagieren ermöglicht, den Angreifer zu überwältigen. Der Zustand des Piloten sei nach Angaben der indischen Botschaft in Saudi-Arabien stabil.
Netanjahu zufolge rettete der Kapitän damit 174 Menschen an Bord. Die Maschine der emiratischen Fluggesellschaft Flydubai war am Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als es nahe Israel zu der Auseinandersetzung im Cockpit kam.
Flugzeug gerät in Sturzflug
Nach früheren Angaben Netanjahus stach einer der beiden Piloten auf seinen Kollegen ein und versuchte offenbar, das Flugzeug mit den Passagieren zum Absturz zu bringen. Die Maschine geriet nach übereinstimmenden Berichten in einen Sturzflug.
Nachdem der mutmaßliche Angreifer überwältigt worden war, landete das Flugzeug im saudi-arabischen Tabuk. Eine zweite Besatzung, die sich in der Kabine befand, übernahm das Steuer. Der Angreifer wurde nach Angaben Netanjahus festgenommen und von saudischen Sicherheitsbehörden befragt.
Passagier berichtet von Eingriff
Der Passagier Yaniv Hayun schilderte, er habe den Angreifer in den Würgegriff genommen und aus dem Cockpit gezogen. Dort habe er während des Sturzflugs die Steuerung ergriffen und begonnen, die Hebel zurückzuziehen, bis ein Pilot übernommen habe.
Hayun sagte, der Angreifer habe an Bordinstrumenten hantiert. Die Passagiere seien am Abend mit einem Ersatzflug von Tabuk nach Tel Aviv gebracht und dort begrüßt worden. Eine Passagierin sprach von „zwei Wundern“: dem Eingreifen der Menschen an Bord und der Anwesenheit weiterer Piloten.
Motiv bleibt offen
Israels Regierung geht von einem versuchten dschihadistischen Terroranschlag aus. Gesicherte Angaben zum Motiv liegen jedoch noch nicht vor. Nach israelischen Medienberichten stammt der Tatverdächtige aus dem Oman; Sicherheitskreise vermuten einen Einzeltäter.
Flydubai setzte die Flüge von und nach Israel aus, solange die Untersuchungen andauern. Außenminister Johann Wadephul erklärte nach einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Gideon Saar, die Hintergründe müssten schnell und vollständig aufgeklärt werden.
Ein Absturz hätte nach Einschätzung Wadephuls angesichts der angespannten Lage in der Region und des israelischen Wahlkampfs weitreichende Folgen gehabt. In Israel wird Ende Oktober ein neues Parlament gewählt.
Ein Zwischenfall an einer politisch sensiblen Route
Der Vorfall ereignete sich auf einer Verbindung zwischen Dubai und Tel Aviv, die seit der Annäherung Israels und der Vereinigten Arabischen Emirate deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Die Emirate erkannten Israel 2020 im Rahmen der Abraham-Abkommen an; der Reise- und Geschäftsverkehr nahm danach zu. Saudi-Arabien und Israel unterhalten dagegen weiterhin keine diplomatischen Beziehungen.
Die Notlandung in Tabuk zeigt zugleich die praktische Bedeutung regionaler Luftverkehrsverbindungen trotz politischer Spannungen. Saudi-Arabien hat in den vergangenen Jahren seinen Luftraum für den Verkehr nach Israel geöffnet und bereits in früheren Fällen als Ausweichort für Flugzeuge mit israelischen Passagieren gedient. Dass die Maschine dort landen konnte, war für die sichere Rückkehr der Reisenden entscheidend.
Folgen für Sicherheit und Flugbetrieb
Für die Luftfahrt stehen nun mehrere Fragen im Mittelpunkt: Wie konnte ein bewaffneter Pilot die Cockpitsicherheit überwinden, wer hatte Zugriff auf die Steuerung und wie wurde die Maschine stabilisiert? Die Antworten dürften von den Ermittlungen in Saudi-Arabien, den Daten des Flugzeugs und den Aussagen der Besatzung abhängen. Flydubai setzte Flüge von und nach Israel vorübergehend aus.
Politisch erhöht der Vorgang den Druck auf Israel, die Sicherheitsüberprüfungen für Besatzungen und die Zusammenarbeit mit den beteiligten Staaten zu prüfen. Für Passagiere bedeutet er zunächst vor allem mögliche Änderungen im Flugplan. Eine abschließende Bewertung des Motivs und der Sicherheitslücken steht noch aus.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Möglicherweise versuchter Anschlag Gewaltvorfall in Cockpit von Flydubai-Maschine“ (30.09.2026)
Der Bericht bestätige den Messerangriff im Cockpit, die Notlandung in Tabuk und die Beteiligung von Passagieren an der Überwältigung des Angreifers. Er betone zugleich, dass die Einordnung als Terroranschlag zunächst aus israelischen Regierungskreisen stamme und die Herkunft des tatverdächtigen Piloten unterschiedlich angegeben werde.
BR24: „Absturz versucht? Terrorverdacht nach Kampf in Flydubai-Cockpit“ (30.09.2026)
BR24 beschreibe den steilen Sinkflug anhand von Flugdaten und hebe hervor, dass eine zweite Besatzung sowie Passagiere die Maschine stabilisiert hätten. Anders als die dpa-Meldung stelle der Bericht zusätzliche technische Einzelheiten zum Höhenverlust und zu den Notfallcodes heraus; zugleich weise er auf weiterhin offene Hintergründe hin.
Beide Berichte bestätigten den Ablauf mit Angriff, Eingreifen an Bord und Notlandung. Unterschiede bestünden vor allem bei der technischen Rekonstruktion und der Gewichtung der noch offenen Motiv- und Herkunftsfragen.
