Aung San Suu Kyi spricht erstmals seit fĂŒnf Jahren mit Sohn
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 12:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSKontakte zur Familie bleiben begrenzt
- Kim Aris konnte erstmals seit mehr als fĂŒnf Jahren wieder mit seiner Mutter Aung San Suu Kyi sprechen.
- Suu Kyi befindet sich seit dem MilitÀrputsch im Februar 2021 unter Arrest und wurde spÀter zu einer langjÀhrigen Haftstrafe verurteilt.
- Ihr genauer Aufenthaltsort ist auch nach der Verlegung vom GefÀngnis in den Hausarrest Ende April nicht öffentlich bekannt.
Kim Aris spricht erstmals wieder mit Aung San Suu Kyi
Nach mehr als fĂŒnf Jahren ohne direkten Kontakt hat Kim Aris erstmals wieder mit seiner in Myanmar inhaftierten Mutter Aung San Suu Kyi gesprochen. Der 49-JĂ€hrige forderte zugleich ihre sofortige und bedingungslose Freilassung sowie die Freilassung aller politischen Gefangenen.
GesprÀch lÀsst viele Fragen offen
Aris teilte mit, ihre Stimme wieder zu hören, bedeute ihm mehr, als Worte ausdrĂŒcken könnten. Ob das GesprĂ€ch online oder telefonisch stattfand, blieb offen.
Aung San Suu Kyi steht seit dem MilitĂ€rputsch vom Februar 2021 unter Arrest. Das MilitĂ€r hatte damals die demokratisch gewĂ€hlte Regierung gestĂŒrzt und die Politikerin festgenommen.
Gesundheitszustand sorgt weiter fĂŒr Sorge
SpĂ€ter wurde Suu Kyi wegen angeblicher Vergehen zu einer langjĂ€hrigen Haftstrafe verurteilt. Seitdem ist sie weitgehend von der AuĂenwelt abgeschirmt; wiederholt gab es Sorgen um ihren Gesundheitszustand, unter anderem wegen berichteter Herzprobleme.
Ende April wurde sie aus einem GefÀngnis in Hausarrest verlegt. Ihr genauer Aufenthaltsort ist weiterhin nicht öffentlich bekannt.
Aris warnt vor falschen Erwartungen
Der Sohn dankte den Menschen, die sich fĂŒr seine Mutter und ihn eingesetzt hĂ€tten, und rief dazu auf, den Druck bis zu ihrer Freilassung aufrechtzuerhalten. Zugleich warnte er davor, den wieder ermöglichten Kontakt als grundlegende VerĂ€nderung zu bewerten.
Ein GesprĂ€ch bedeute keinen regelmĂ€Ăigen Zugang zur Familie, schrieb Aris. Zugang zur Familie bedeute wiederum keine Freiheit.
Britischer König schickt BĂŒcher
Die Mitteilung folgte wenige Tage auf eine ungewöhnliche Geste des britischen Königs Charles III. Nach Angaben der von MilitĂ€rmachthaber Min Aung Hlaing gefĂŒhrten Regierung wurden Suu Kyi am Montag zwei BĂŒcher des Königs, ein versiegelter Brief und diplomatische Korrespondenz ĂŒbergeben.
Die jĂŒngsten Kontakte könnten darauf hindeuten, dass die MilitĂ€rfĂŒhrung begrenzte Verbindungen zu der prominenten Gefangenen wieder zulĂ€sst. Ob daraus ein regelmĂ€Ăiger Austausch mit ihrer Familie wird, ist offen.
Myanmar bleibt in schwerer Krise
Anfang August hatte ein Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz Suu Kyi besuchen können. Es war der erste öffentlich bekanntgewordene Kontakt mit einem unabhÀngigen internationalen humanitÀren Akteur seit ihrer Festnahme.
Suu Kyi war jahrzehntelang die bekannteste Oppositionspolitikerin Myanmars und erhielt 1991 den Friedensnobelpreis fĂŒr ihren gewaltlosen Einsatz fĂŒr Demokratie. Von 1989 bis 2010 verbrachte sie insgesamt 15 Jahre isoliert unter Hausarrest.
Seit dem Putsch von 2021 prĂ€gen Gewalt, wirtschaftlicher Niedergang und Widerstand gegen das MilitĂ€r das frĂŒhere Birma. Nach einer international umstrittenen Wahl wurde Armeechef Min Aung Hlaing im April vom Parlament zum PrĂ€sidenten erklĂ€rt; Kritiker und internationale Beobachter sehen darin keinen echten demokratischen Prozess.
Der erneute Kontakt zwischen Aung San Suu Kyi und ihrem Sohn fĂ€llt in eine Phase, in der Myanmars MilitĂ€rfĂŒhrung einzelne Kontakte zu der prominenten Gefangenen offenbar wieder zulĂ€sst. Dem GesprĂ€ch gingen ein Besuch eines Vertreters des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz Anfang August sowie die Ăbergabe von BĂŒchern, eines Briefes und diplomatischer Korrespondenz durch die Regierung voraus.
Politisch bedeutet die Verbindung zunĂ€chst keine Freilassung und keinen verlĂ€sslichen Zugang zur Familie. Kim Aris selbst machte deutlich, dass ein einzelnes GesprĂ€ch nicht mit regelmĂ€Ăiger Kommunikation oder Freiheit gleichzusetzen sei. FĂŒr die 81-JĂ€hrige ist der Kontakt dennoch von groĂer persönlicher Bedeutung, weil sie seit ihrer Festnahme im Februar 2021 weitgehend von der AuĂenwelt abgeschirmt wird.
MilitÀrherrschaft bleibt bestehen
Der Rahmen des Geschehens bleibt der Machtanspruch der Armee. Das MilitĂ€r stĂŒrzte die gewĂ€hlte Regierung, lieĂ Suu Kyi spĂ€ter zu einer langjĂ€hrigen Haftstrafe verurteilen und schuf mit einer international umstrittenen Wahl die Grundlage fĂŒr eine neue politische Ordnung unter Min Aung Hlaing. Gewalt, wirtschaftlicher Niedergang und bewaffneter Widerstand prĂ€gen Myanmar weiterhin.
FĂŒr Angehörige und internationale Akteure wird deshalb entscheidend sein, ob aus dem einmaligen GesprĂ€ch ein regelmĂ€Ăiger, ĂŒberprĂŒfbarer Zugang entsteht. Ebenso offen bleibt, ob die MilitĂ€rfĂŒhrung damit lediglich humanitĂ€ren und diplomatischen Druck begrenzen will oder tatsĂ€chlich eine breitere politische Ăffnung vorbereitet.
