Ausnahmezustand, Haiti

Ausnahmezustand in Haiti wegen Bandengewalt verlÀngert

Veröffentlicht am: 08.03.2024 um 07:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Brutale Banden kontrollierten schon grĂ¶ĂŸtenteils die Hauptstadt. Nun haben sie sich vereint und die Gewalt noch mehr eskalieren lassen - und offenbar die Wiedereinreise des Regierungschefs verhindert.

Kinder in einer Unterkunft fĂŒr Familien, die durch Bandengewalt vertrieben wurden. - Bild: Odelyn Joseph/AP/dpa
Kinder in einer Unterkunft fĂŒr Familien, die durch Bandengewalt vertrieben wurden. - Bild: Odelyn Joseph/AP/dpa

Angesichts heftiger Bandengewalt in Haiti hat die Regierung den zunÀchst dreitÀgigen Ausnahmezustand in der Hauptstadtregion auf einen Monat verlÀngert.

Die nĂ€chtliche Ausgangssperre dort werde zudem bis Montag verlĂ€ngert, teilte der Finanzminister Michel Boisvert in seiner neuen Rolle als amtierender Premierminister mit. Er vertrat Interims-Premierminister Ariel Henry, dessen RĂŒcktritt die Banden fordern und der offenbar wegen der Sicherheitslage bislang nicht von einer Auslandsreise zurĂŒckgekehrt ist.

Am Hafen von Port-au-Prince kam es am Donnerstag nach Medienberichten zu PlĂŒnderungen. Bereits seit Tagen legte Gewalt die Hauptstadt lahm, Polizeiwachen wurden angegriffen, auch am Flughafen fielen SchĂŒsse - alle FlĂŒge fielen aus. Das Gesundheitssystem stand nach Angaben vom Mittwoch des UN-Hochkommissars fĂŒr Menschenrechte, Volker TĂŒrk, am Rande des Zusammenbruchs. Bei Angriffen auf zwei GefĂ€ngnisse am Samstag waren ihm zufolge mehr als 4500 HĂ€ftlinge ausgebrochen.

Angespannte humanitÀre Lage

Bereits zuvor war die humanitĂ€re Lage in Haiti Ă€ußerst angespannt. Laut UN litt fast die HĂ€lfte der elf Millionen Bewohner des Karibikstaats unter akutem Hunger, verschiedene brutal agierende Banden kontrollierten insgesamt rund 80 Prozent von Port-au-Prince. Vergangene Woche schlossen sich die zwei wichtigsten bewaffneten Gruppen zusammen. Ihr AnfĂŒhrer, Jimmy ChĂ©rizier alias «Barbecue», drohte mit einem BĂŒrgerkrieg, wenn Henry nicht zurĂŒcktrete.

Dieser hatte sich bereiterklĂ€rt, bis Ende August 2025 Wahlen abzuhalten. Es wĂ€ren die ersten in Haiti, seit Henry kurz nach der Ermordung des PrĂ€sidenten Jovenel MoĂŻse im Juli 2021 die RegierungsgeschĂ€fte ĂŒbernahm. Das Land hat weder einen PrĂ€sidenten noch ein Parlament. 

Die US-Regierung forderte Henry auf, den Prozess hin zu Wahlen zu beschleunigen. UN-GeneralsekretÀr António Guterres rief dazu auf, eine bereits vom UN-Sicherheitsrat genehmigte multinationale Sicherheitsmission in Haiti zu finanzieren.

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