Deutschland, USA

Recherche: Bundesnachrichtendienst hörte Obama ab

04.01.2026 - 19:00:32

«AusspÀhen unter Freunden, das geht gar nicht», sagte die damalige Kanzlerin Merkel. Jahrelang hörte der US-Geheimdienst ihr Handy ab. Doch auch der deutsche BND soll aktiv gewesen sein - bei Obama.

  • Der BND soll Telefonate des damaligen US-PrĂ€sidenten Barack Obama abgehört haben. (Archivfoto).  - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Die damalige Kanzlerin Merkel und der damalige US-PrĂ€sident Obama haben sie gut verstanden - doch eine AbhöraffĂ€re sorgte fĂŒr Missstimmungen. (Archivfoto) - Foto: Martin Meissner/AP/dpa

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Der BND soll Telefonate des damaligen US-PrĂ€sidenten Barack Obama abgehört haben. (Archivfoto).  - Foto: Kay Nietfeld/dpaDie damalige Kanzlerin Merkel und der damalige US-PrĂ€sident Obama haben sie gut verstanden - doch eine AbhöraffĂ€re sorgte fĂŒr Missstimmungen. (Archivfoto) - Foto: Martin Meissner/AP/dpa

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat nach Angaben des «Zeit»-Journalisten Holger Stark den damaligen US-PrĂ€sidenten Barack Obama abgehört. Im Podcast von «Bild»-Vize Paul Ronzheimer sagte Stark, der Geheimdienst habe sich dabei zunutze gemacht, dass die VerschlĂŒsselung von GesprĂ€chen aus dem amerikanischen Regierungsflugzeug heraus ungleich schwerer sei als am Boden. «Deswegen haben die Amerikaner immer mal wieder auch GesprĂ€che gefĂŒhrt, die entweder schlecht verschlĂŒsselt waren, wo es LĂŒcken gab, oder die gar nicht verschlĂŒsselt waren», sagte Stark. 

«Und der BND wusste das, und er kannte die gut ein Dutzend Frequenzen, die die Air Force One genutzt hat fĂŒr diese Art von Kommunikation fĂŒr Telefonate. Und er hat die abgehört.» DafĂŒr habe es keinen offiziellen Spionageauftrag gegeben. Die Obama-Telefonate seien ordentlich verschriftlicht und nur in einer Kopie im BND herumgereicht worden. Die interne Direktive sei gewesen, dass die eine Kopie am Ende geschreddert werden sollte. So sei es in den meisten FĂ€llen auch geschehen. «Davon wusste das Kanzleramt lange Zeit gar nichts.»

BND sagt nichts dazu, ob die VorwĂŒrfe stimmen

Der BND Ă€ußerte sich nicht konkret zu den VorwĂŒrfen. Er teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin mit: «Der Bundesnachrichtendienst nimmt zu Angelegenheiten, die etwaige nachrichtendienstliche Erkenntnisse oder TĂ€tigkeiten betreffen, grundsĂ€tzlich nicht öffentlich Stellung.» Damit sei keine Aussage darĂŒber getroffen, ob der Sachverhalt zutreffend ist oder nicht. «Der Bundesnachrichtendienst berichtet zu entsprechenden Themen insbesondere der Bundesregierung und den zustĂ€ndigen, geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages», hieß es in der Mitteilung lediglich. 

Merkel war Abhör-Opfer des US-Geheimdienstes NSA

Der mutmaßliche Lauschangriff auf Obama ist auch deshalb interessant, weil der US-Geheimdienst NSA ĂŒber Jahre hinweg das Mobiltelefon der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) abgehört hatte. Dies war 2013 bekanntgeworden und hatte zu erheblichen Spannungen in den deutsch-amerikanischen Beziehungen gefĂŒhrt. «AusspĂ€hen unter Freunden, das geht gar nicht», hatte sich Merkel verĂ€rgert gezeigt. Obama gab sich damals peinlich berĂŒhrt - ohne dass klar wurde, seit wann er von der Bespitzelung wusste. Merkel und Obama bemĂŒhten sich danach um ein besseres VerhĂ€ltnis. 

Nach Angaben von Stark hörte der BND Obama nicht regelmĂ€ĂŸig ab. Aber wenn die Mitarbeiter gemerkt hĂ€tten, dass auf den entsprechenden Frequenzen gefunkt worden sei, hĂ€tten sie mitgeschnitten. «Es war autorisiert vom BND-PrĂ€sidenten, der es hĂ€tte stoppen können», sagte der Journalist. Es seien auch GesprĂ€che der damaligen US-Außenministerin Hillary Clinton sowie teilweise von amerikanischen MilitĂ€rs vom BND abgehört worden. «Das war fĂŒr den BND einfach zu verlockend, da mitzuhören und damit auch einen kleinen Blick in die Gedankenwelt der amerikanischen FĂŒhrung zu werfen», so Stark.

Kanzleramt stoppte die Operation 2014

Das Kanzleramt habe die Überwachung der US-PrĂ€sidentenmaschine 2014 gestoppt - nachdem die Operation gegen Obama bereits mehrere Jahre gelaufen sei, schrieb der Journalist auf dem Online-Portal der «Zeit». «Unklar ist, wann sie begann und ob bereits sein VorgĂ€nger George W. Bush als Ziel ausgewĂ€hlt worden war.» Die Erkenntnisse aus der Abhörung von Obamas Telefonaten seien in allgemeine EinschĂ€tzungen ĂŒber die US-Haltung eingeflossen, die auch an das Kanzleramt gegangen seien - ohne dass klar geworden sei, woher die Informationen konkret stammten, so der Journalist. 

Seine Rechercheergebnisse veröffentlichte Stark auch in seinem neuen Buch «Das erwachsene Land. Deutschland ohne Amerika - eine historische Chance», das heute erscheint. Darin heißt es, die Existenz der geheimnisumwitterten Mappe beim BND mit den Mitschriften der US-Operation sei erstmals im BND-Untersuchungsausschuss 2014 und 2015 erwĂ€hnt worden. Das Kanzleramt habe verfĂŒgt, die Operation zu stoppen und zufĂ€llig abgefangene GesprĂ€che kĂŒnftig sofort zu löschen. «Dem BND gelang es allerdings, das grĂ¶ĂŸte und politisch sensibelste Ziel unter der Decke zu halten: Barack Obama.»

@ dpa.de

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