BalkanlÀnder, Gipfel

EU fordert BalkanlÀnder bei Gipfel zu Reformen auf

13.12.2023 - 22:14:14

BalkanlĂ€nder wie Albanien und Montenegro hoffen wie die Ukraine auf eine Zukunft in der EU. Ist das realistisch? Bei einem Gipfeltreffen in BrĂŒssel gibt es zum Thema klare Ansagen.

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten haben ihre Kollegen aus den sogenannten WestbalkanlĂ€ndern zu entschlossenen Reformen fĂŒr eine zĂŒgige AnnĂ€herung an die EuropĂ€ische Union aufgerufen. In einer am Mittwochabend bei einem Gipfeltreffen in BrĂŒssel verabschiedeten ErklĂ€rung heißt es, die Beschleunigung des EU-Beitrittsprozesses liege in beiderseitigem Interesse.

Das zunehmend komplexe geostrategische Umfeld mit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Krise im Nahen Osten gefÀhrde die europÀische und globale Sicherheit und verdeutliche, wie wichtig die strategische Partnerschaft zwischen der EU und dem Balkan sei.

Als wichtige Reformbereiche werden in der ErklĂ€rung die Rechtsstaatlichkeit und die Wirtschaft genannt. Zudem betont die EU, dass es Anstrengungen zur BekĂ€mpfung von Korruption und organisierter KriminalitĂ€t sowie einer verstĂ€rkten UnterstĂŒtzung zum Beispiel der Menschenrechten und der Geschlechtergleichstellung bedĂŒrfe. EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen betonte nach dem Treffen, dass an Reformen auch zusĂ€tzliche Investitionen aus der EU gekoppelt seien. Die sei das Prinzip.

Zuletzt keine großen Fortschritte

Eingeladen zu dem Gipfel waren die Staats- und Regierungschefs der LĂ€nder Albanien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Serbien, Nordmazedonien und dem Kosovo. Sie alle gelten als sogenannte Westbalkan-LĂ€nder - ein politischer Kunstbegriff. GrundsĂ€tzlich will die EuropĂ€ische Union alle enger an sich binden. Große Fortschritte wurden zuletzt allerdings trotz finanzieller UnterstĂŒtzung in Milliardenhöhe nicht registriert.

Als am weitesten im Beitrittsprozess wird in BrĂŒssel Montenegro gesehen. Mit einer EU-Erweiterung wird allerdings derzeit frĂŒhestens gegen Ende des Jahrzehnts gerechnet. Mit Montenegro und Serbien fĂŒhrt die EU bereits seit 2012 beziehungsweise 2014 Beitrittsverhandlungen. Albanien, Nordmazedonien und Bosnien-Herzegowina haben den Status eines Beitrittskandidaten, sind aber bislang noch nicht in Verhandlungen. Das Kosovo ist potenzieller Beitrittskandidat.

Orban will Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine blockieren

Überschattet wurde der Gipfel von der Entscheidung des ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor Orban, vorerst EU-Entscheidungen fĂŒr einen Start von Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine zu blockieren. An diese ist derzeit auch eine Vorentscheidung fĂŒr den Start von Beitrittsverhandlungen mit dem Balkanland Bosnien-Herzegowina geknĂŒpft.

Im Anschluss an das Balkan-Treffen kommen die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten an diesem Donnerstag und Freitag zum letzten regulĂ€ren EU-Gipfel des Jahres zusammen. Bei ihm soll es um die Frage gehen, ob mit der Ukraine und Moldau EU-Beitrittsverhandlungen aufgenommen werden sollten. Zudem soll ĂŒber PlĂ€ne fĂŒr eine Überarbeitung des EU-Haushaltsplans fĂŒr die Jahre 2021-2027 gesprochen werden. FĂŒr Deutschland wird Bundeskanzler Olaf Scholz zu den Gipfeltreffen in BrĂŒssel erwartet.

@ dpa.de