Schweden-Wahl, Sozialdemokraten

Sozialdemokraten bei Parlamentswahl in Schweden stärkste Kraft – Regierungsbildung unklar

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 22:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bei der Parlamentswahl in Schweden liegen die Sozialdemokraten von Ex-Regierungschefin Magdalena Andersson vorn, doch beide politischen Lager kommen nahezu auf gleich starke Werte. Wer das Land künftig regiert, ist angesichts des knappen Ergebnisses noch völlig offen.

  • Die Sozialdemokratin Magdalena Andersson und der konservative schwedische Regierungschef Ulf Kristersson. (Archivbild) - Bild: Lars Schröder/TT/TT News Agency/AP/dpa
    Die Sozialdemokratin Magdalena Andersson und der konservative schwedische Regierungschef Ulf Kristersson. (Archivbild) - Bild: Lars Schröder/TT/TT News Agency/AP/dpa
  • Regierungschef Ulf Kristersson bei der Stimmabgabe. - Bild: Claudio Bresciani/TT News Agency via AP/dpa
    Regierungschef Ulf Kristersson bei der Stimmabgabe. - Bild: Claudio Bresciani/TT News Agency via AP/dpa
  • Rund acht Millionen Menschen in Schweden waren zur Wahl aufgerufen. - Bild: Johan Nilsson/TT News Agency via AP/dpa
    Rund acht Millionen Menschen in Schweden waren zur Wahl aufgerufen. - Bild: Johan Nilsson/TT News Agency via AP/dpa
Die Sozialdemokratin Magdalena Andersson und der konservative schwedische Regierungschef Ulf Kristersson. (Archivbild) - Bild: Lars Schröder/TT/TT News Agency/AP/dpa Regierungschef Ulf Kristersson bei der Stimmabgabe. - Bild: Claudio Bresciani/TT News Agency via AP/dpa Rund acht Millionen Menschen in Schweden waren zur Wahl aufgerufen. - Bild: Johan Nilsson/TT News Agency via AP/dpa

Bei der Parlamentswahl in Schweden sind die Sozialdemokraten von Ex-Regierungschefin Magdalena Andersson den Hochrechnungen des Senders SVT zufolge stärkste Kraft geworden.

Sozialdemokraten vor Konservativen

Anderssons Partei kommt demnach auf 27,6 Prozent der Stimmen. Die konservative Partei von Regierungschef Ulf Kristersson folgt in der Hochrechnung mit 20 Prozent. Die Hochrechnung basiert auf einer Kombination aus Nachwahlbefragungen und ersten ausgezählten Stimmbezirken und bestätigt das erwartete enge Rennen.

Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten erreichen laut SVT 17,5 Prozent und verlieren damit gegenüber der Wahl 2022, als sie auf 20,54 Prozent gekommen waren. Der Politikwissenschaftler Tommy Möller sprach gegenüber der Nachrichtenagentur TT von einer Schockwelle in den Reihen der Schwedendemokraten, da mit solchen Verlusten nicht gerechnet worden sei.

Zwei Lager, kaum Abstand

Noch ist offen, welches politische Lager am Ende eine Mehrheit der 349 Sitze im Reichstag erhält. Die Parteien, die Andersson als Ministerpräsidentin unterstützen – neben den Sozialdemokraten die Linken, Grünen und die liberale Zentrumspartei – liegen zusammen bei 49,1 Prozent der Stimmen.

Die bisherige Koalition von Kristersson aus seinen Konservativen, den Christdemokraten und den Liberalen sowie die Schwedendemokraten kommt in der Hochrechnung gemeinsam auf 49,3 Prozent. In einer Prognose um 20.00 Uhr lagen die Oppositionsparteien zunächst deutlich vor, bevor sich das Rennen im Verlauf der Auszählung weiter zuspitzte.

Hohe Beteiligung, harte Themen

Rund acht Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Bereits lange vor dem Wahltag hatte die Opposition in Umfragen deutlich gefĂĽhrt, doch kurz vor der Abstimmung zeichnete sich ein engeres Duell um die Macht ab.

Im Wahlkampf standen vor allem Herausforderungen im Umgang mit Migration, Bandenkriminalität und Forderungen nach einer Verschärfung des Strafrechts im Mittelpunkt. Zudem spielte die Frage eine große Rolle, ob die Schwedendemokraten erstmals direkt an einer Regierung beteiligt werden könnten.

Populismus auf schwedische Art

Der Wahlforscher Torbjörn Sjöström vom Meinungsforschungsinstitut Novus beschrieb den Kurs der Schwedendemokraten vor der Wahl gegenüber der ARD als einen „schwedischen Weg des Populismus“, der nicht laut oder schrill auftrete, sondern gemäßigt wirke und dennoch provokant bleibe.

Kristerssons Koalition aus Konservativen, Christdemokraten und Liberalen regierte seit der Wahl 2022 bereits mit Unterstützung der Rechtspopulisten. Parteichef Jimmie Åkesson hatte vor der Wahl erklärt, seine Partei habe die Chance, Verantwortung zu übernehmen, und diese genutzt.

Knappes Rennen um die Macht in Stockholm

Die Parlamentswahl in Schweden markiert einen erneuten Wendepunkt in einem ohnehin fragmentierten Parteiensystem. Dass die Sozialdemokraten von Magdalena Andersson wieder stärkste Kraft werden, knüpft an eine lange Tradition sozialdemokratischer Dominanz in Schweden an, ohne jedoch automatisch eine Regierungsmehrheit zu garantieren. Entscheidend ist das Zusammenspiel der Lager und die Fähigkeit, stabile Mehrheiten über mehrere Parteien hinweg zu organisieren.

Auf der anderen Seite steht das bürgerlich-konservative Bündnis um Ulf Kristersson, das bereits seit 2022 mit Unterstützung der Schwedendemokraten regiert hat. Die nun absehbaren Verluste der rechtspopulistischen Partei schwächen dieses Lager und werfen die Frage auf, ob das bisherige Arrangement – Minderheitsregierung mit formeller Stütze durch die Schwedendemokraten – überhaupt noch fortgeführt werden kann. Der fast ausgeglichene Anteil der Stimmen für beide Blöcke verdeutlicht, wie polarisiert das politische Feld inzwischen ist.

Migrations- und Sicherheitsdebatte im europäischen Kontext

Die prominente Rolle von Migration, Bandenkriminalität und Strafrechtsverschärfungen im Wahlkampf fügt sich in einen europäischen Trend, in dem innere Sicherheit und Zuwanderung zentrale Konfliktlinien geworden sind. Schweden, lange als liberales und sozialstaatlich geprägtes Land wahrgenommen, steckt seit Jahren in einer intensiven Debatte über gewalttätige Banden und Schusswaffenkriminalität, die häufig mit Integrationsproblemen verknüpft wird. Diese Themen haben den Aufstieg der Schwedendemokraten begünstigt und die traditionellen Lager unter Druck gesetzt.

Konsequenzen fĂĽr EU-Politik und Regierungsbildung

Offen ist, welche Konstellation künftig die Regierung stellt: Möglich sind eine erneute konservative Minderheitsregierung mit reduzierter Unterstützung der Schwedendemokraten, ein Mitte-links-Bündnis um Andersson oder komplexe Übergangslösungen mit wechselnden Mehrheiten im Reichstag. Für die Europäische Union bleibt relevant, wie sich die schwedische Linie bei Fragen der Migration, Rechtsstaatlichkeit und Sicherheitspolitik entwickelt. Der knappe Wahlausgang zeigt, dass stabile Mehrheiten in Schweden zunehmend mühsam zu organisieren sind und Kompromissfähigkeit zur zentralen Währung der Politik wird.

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