Polen-Wahl, Tusk

Nach Polen-Wahl: Tusk stellt am 11. Juni die Vertrauensfrage

03.06.2025 - 13:58:16

Bei der PrÀsidentenwahl hat der liberale Kandidat des Regierungslagers verloren. MinisterprÀsident Tusk muss mit einer Blockade-Politik des neuen PrÀsidenten rechnen. Deshalb geht er in die Offensive.

  • Tusk wird am 11. Juni im Parlament die Vertrauensfrage stellen. (Archivbild) - Foto: Omar Havana/AP/dpa

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  • Polens Regierungschef Donald Tusk ist nach der Niederlage seines Kandidaten bei der PrĂ€sidentenwahl unter Druck. (Archivbild) - Foto: Pascal Bastien/AP/dpa

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Tusk wird am 11. Juni im Parlament die Vertrauensfrage stellen. (Archivbild) - Foto: Omar Havana/AP/dpaPolens Regierungschef Donald Tusk ist nach der Niederlage seines Kandidaten bei der PrÀsidentenwahl unter Druck. (Archivbild) - Foto: Pascal Bastien/AP/dpa

Polens Regierungschef Donald Tusk wird am 11. Juni im Parlament die Vertrauensfrage stellen. «Das Vertrauensvotum fĂŒr die Regierung soll einen Neuanfang darstellen. Es ist daher offensiv gemeint und nicht defensiv», sagte Tusk in Warschau. Bereits am Montag hatte er angekĂŒndigt, dass er sich dieser Abstimmung stellen wolle. Die Niederlage seines politischen VerbĂŒndeten Rafal Trzaskowski bei der PrĂ€sidentenwahl am Sonntag hatte den Regierungschef und sein Mitte-Links-BĂŒndnis in BedrĂ€ngnis gebracht.

Bei der Stichwahl um das polnische PrĂ€sidentenamt am Sonntag hat der von der rechtskonservativen PiS unterstĂŒtzte Nawrocki mit knappem Vorsprung gegen Trzaskowski gesiegt. Der 42-jĂ€hrige Historiker ist parteilos und politisch völlig unerfahren. Seinen Aufstieg verdankt er PiS-Chef Kaczynski. Voraussichtlich wird er dessen Ziel ĂŒbernehmen, die Regierung von Tusk zu Fall zu bringen. Kommentatoren in Warschau warnen davor, dass der Konflikt zwischen der Regierung und dem neuen Staatsoberhaupt Polen ins politische Chaos stĂŒrzen könnte.

Tusk fĂŒhrt seit Ende 2023 ein Mitte-Links-BĂŒndnis aus drei Parteien. Wichtigstes Projekt seiner Regierung ist es, die BeschĂ€digungen des Rechtsstaats rĂŒckgĂ€ngig zu machen, die die von 2015 bis 2023 amtierende PiS-Regierung mit ihrer Justizreform ausgelöst hat. Entsprechende GesetzentwĂŒrfe hat der amtierende PrĂ€sident Andrzej Duda, der aus den Reihen der PiS stammt, bislang blockiert. Es wird erwartet, dass Nawrocki genauso verfĂ€hrt und möglicherweise sogar mit grĂ¶ĂŸerer HĂ€rte vorgeht. «Wenn Duda der Regierung einen Stock in die Speichen gesteckt hat, dann werden es bei Nawrocki zwei sein», prophezeite der Ex-PrĂ€sident Aleksander Kwasniewski im GesprĂ€ch mit dem TV-Sender Polsat. 

Tusk: HĂ€tten manche Dinge besser und schneller machen mĂŒssen

Tusk sagte, die Vertrauensabstimmung solle der Auftakt fĂŒr eine Zwischenbilanz ĂŒber die bisherige Arbeit seiner Regierung sein. «Nach anderthalb Jahren wissen wir sehr gut, dass wir manche Dinge besser und schneller hĂ€tten erledigen mĂŒssen.» Man werde revidieren, was nicht gelungen sei, wer dafĂŒr die Verantwortung trage und welche Konsequenzen daraus folgen mĂŒssen.

In Polen hat das Staatsoberhaupt mehr Befugnisse als der BundesprĂ€sident in Deutschland. Er reprĂ€sentiert das Land nicht nur nach außen. Der PrĂ€sident hat auch Einfluss auf die Außenpolitik, er ernennt den Regierungschef sowie das Kabinett und ist im Kriegsfall Oberkommandierender der polnischen StreitkrĂ€fte. Vor allem kann er mit seinem Vetorecht der Regierung das Leben schwer machen. Um das Veto des PrĂ€sidenten aufzuheben, braucht es im Parlament eine Mehrheit von 60 Prozent der Abgeordneten, ĂŒber die das Mitte-Links-BĂŒndnis von Tusk nicht verfĂŒgt. 

Trump gratuliert Nawrocki

US-PrĂ€sident Donald Trump gratulierte Nawrocki zum Sieg. «Trump-VerbĂŒndeter gewinnt in Polen und schockiert ganz Europa», zitierte Trump auf seiner Plattform Truth Social eine Schlagzeile des ultrakonservativen Senders Newsmax. «Herzlichen GlĂŒckwunsch Polen, ihr habt einen Gewinner gewĂ€hlt», schrieb er weiter. 

Trump hatte Nawrocki, der aus seiner Bewunderung fĂŒr den Republikaner keinen Hehl macht, wĂ€hrend des Wahlkampfes im Weißen Haus empfangen. Nawrocki bedankte sich fĂŒr die GlĂŒckwĂŒnsche. «Eine starke Allianz mit den USA sowie eine auf enger Zusammenarbeit basierende Partnerschaft sind meine PrioritĂ€ten», schrieb er auf X.

@ dpa.de