Spaniens OppositionsfĂŒhrer mit Regierungsbildung beauftragt
22.08.2023 - 21:03:24Einen Monat nach der vorgezogenen Parlamentswahl in Spanien hat König Felipe VI. den konservativen OppositionsfĂŒhrer Alberto NĂșñez FeijĂło mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Die PrĂ€sidentin des Unterhauses, Francina Armengol, sagte am Dienstagabend vor Journalisten in Madrid, das Staatsoberhaupt habe ihr diese Entscheidung zum Abschluss der zweitĂ€gigen Konsultationen mit verschiedenen Parteichefs mitgeteilt.
Das Unterhaus muss nun den Termin fĂŒr die Abstimmung ĂŒber die Kandidatur des 61-jĂ€hrigen Politikers von der Volkspartei PP festlegen. Diese kann allerdings nicht vor dem 28. August stattfinden. In der ersten Runde benötigt der vom Staatsoberhaupt ernannte Kandidat eine absolute Mehrheit von mindestens 176 Ja-Stimmen, um Regierungschef zu werden. Im zweiten Wahlgang reicht eine einfache Mehrheit aus.
FeijĂło hat nach aktuellem Stand nur sehr geringe Chancen, vom Unterhaus zum Nachfolger des geschĂ€ftsfĂŒhrenden sozialistischen MinisterprĂ€sidenten Pedro SĂĄnchez gewĂ€hlt zu werden. Seine PP hatte die Wahl am 23. Juli zwar klar vor der PSOE von SĂĄnchez gewonnen. Sie war aber mit 137 Sitzen hinter den Erwartungen zurĂŒckgeblieben. Sein möglicher Koalitionspartner, die rechtspopulistische Vox, hatte zudem 19 Sitze eingebĂŒĂt und kommt nur noch auf 33.
Den gefĂŒrchteten «Bloqueo» vermeiden
Der König stand nach seinen Konsultationen in seiner Residenz im Zarzuela-Palast in Madrid unter Zugzwang. Er hatte fĂŒr die Ernennung des Kandidaten zwar keine Vorgaben, auch keine zeitlichen. Aber ihm ging es in erster Linie wohl darum, den viel gefĂŒrchteten «Bloqueo», eine lange politische Blockade, zu verhindern. Deshalb traf er schon kurz nach Abschluss seiner Konsultationen eine schnelle Entscheidung.
Falls die Kandidatur von FeijĂło im Unterhaus abgelehnt wird, wĂ€re nach kurzer Zeit wohl SĂĄnchez dran. Dem Sozialisten hatten Medien ohnehin mehr Chancen auf das Erreichen einer regierungsfĂ€higen Mehrheit eingerĂ€umt. Neben den Stimmen des LinksbĂŒndnisses Sumar und mehrerer kleinerer Regionalparteien brĂ€uchte SĂĄnchez auch ein Abkommen mit der Partei Junts des im Exil lebenden katalanischen Separatisten-FĂŒhrers Carles Puigdemont. Junts aber fordert bisher ein UnabhĂ€ngigkeitsreferendum, was SĂĄnchez ablehnen dĂŒrfte.
Nach einer ersten vom Unterhaus abgelehnten Kandidatur wĂŒrde die Uhr zu ticken beginnen: Hat das Land zwei Monate danach immer noch keine Regierung, muss eine Neuwahl ausgerufen werden. Diese mĂŒsste innerhalb der nĂ€chsten 47 Tage stattfinden. In diesem Fall wĂ€re es wohl um die Jahreswende. Nicht wenige befĂŒrchten in der viertgröĂten Volkswirtschaft der EuropĂ€ischen Union, die derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat, daher eine lange politische HĂ€ngepartie.





