Tote, Verletzte

Viele Tote und Verletzte nach Angriff auf Tschernihiw

17.04.2024 - 14:36:18

Bei einem schweren Raketenangriff Russlands auf die Ukraine trifft es die Gebietshauptstadt Tschernihiw. Die Behörden sprechen von vielen Opfern und massiven Zerstörungen.

Ein russischer Raketenangriff auf die Großstadt Tschernihiw im Norden der Ukraine hat am Mittwoch viele Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert. PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj sprach abends von 17 Toten. Zudem gebe es mehr als 60 Verletzte, darunter mehrere Kinder.

Bei dem Angriff seien drei Raketen in der NĂ€he des Stadtzentrums eingeschlagen, hatte der MilitĂ€rgouverneur der Region, Wjatscheslaw Tschaus, kurz nach der Attacke per Video in seinem Telegram-Kanal mitgeteilt. Er sprach von einem fĂŒrchterlichen Morgen. SpĂ€ter wurde bekannt, dass Russland fĂŒr den Beschuss das mobile Raketensystem Iskander benutzt haben soll. Die Reichweite des Systems liegt bei etwa 500 Kilometern.

16 GebÀude wurden beschÀdigt

Nach offiziellen Angaben wurde ein Hotel, das Kreiskrankenhaus, das HauptgebĂ€ude der UniversitĂ€t und mehrere mehrstöckige WohngebĂ€ude getroffen. Zudem sind viele Autos in Flammen aufgegangen. Insgesamt seien 16 GebĂ€ude beschĂ€digt worden, teilte BĂŒrgermeister Olexander Lomako mit. In den meisten davon sind durch die Druckwelle Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Einige HĂ€user haben aber auch schwere SchĂ€den davongetragen.

Die RettungskrĂ€fte suchten unter den TrĂŒmmern nach weiteren Opfern der Attacke. Die Polizei spricht von sechs Vermissten. Wegen der vielen Verletzten haben die örtlichen Gesundheitsbehörden die Bevölkerung zur Blutspende aufgerufen.

Das russische Verteidigungsministerium ging in seinem tĂ€glichen Lagebericht nicht nĂ€her auf den Raketenschlag in Tschernihiw ein. Allgemein hieß es dort lediglich, dass die Luft- und RaketenstreitkrĂ€fte ukrainische Einheiten und MilitĂ€rtechnik bekĂ€mpft hĂ€tten. Derweil sagte der ehemalige Abgeordnete des ukrainischen Parlaments Werchowna Rada, Ihor Mossijtschuk, bei TikTok, dass in dem vom russischen MilitĂ€r beschossenen Hotel ukrainische Soldaten einquartiert gewesen seien. Offiziell wurden diese Angaben in Kiew nicht bestĂ€tigt.

Selenskyj pocht auf mehr Flugabwehr

Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj hat den Hinterbliebenen der Opfer sein Beileid ausgesprochen. Zugleich erneuerte er angesichts der Tragödie seine Forderung nach einer StÀrkung der Flugabwehr. «Das wÀre nicht passiert, wenn die Ukraine ausreichend Flugabwehr erhalten hÀtte und wenn die Welt entschlossen genug gewesen wÀre, dem russischen Terror entgegenzutreten», schrieb der Staatschef bei Telegram.

Den Ukrainern fehle es bei ihrem Kampf nicht an Entschlossenheit, fĂŒgte Selenskyj hinzu. «Es braucht eine ausreichende Entschlossenheit unserer Partner und eine ausreichende UnterstĂŒtzung, die diese Entschlossenheit widerspiegelt», mahnte der PrĂ€sident.

Schon in den vergangenen Tagen und Wochen hatte Selenskyj immer wieder darauf verwiesen, dass die Russen durch die schleppende Waffenhilfe des Westens im Krieg immer mehr die Oberhand gewĂ€nnen. Durch fehlende Flugabwehrsysteme und -munition zerstörten die Russen inzwischen viele wichtige Objekte in der Ukraine, sagte Selenskyj mit Blick auf das in Ruinen liegende Trypillja-WĂ€rmekraftwerk bei Kiew. Daneben sei das Defizit bei der Artilleriemunition kritisch, wo die Russen inzwischen das Zehnfache dessen verschössen, was die Ukrainer zur VerfĂŒgung hĂ€tten.

Tschernihiw liegt etwa 150 Kilometer nördlich von Kiew unweit der Grenze zu Russland. Als im Februar 2022 russische MilitĂ€rs in die Ukraine einmarschierten, wurde auch Tschernihiw angegriffen. Den Angreifern gelang es aber nicht, die Stadt einzunehmen. Tschernihiw wurde durch intensiven Beschuss und eine Blockade aber schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach dem RĂŒckzug russischer Truppen aus dem Gebiet ist die Stadt mehrfach zum Ziel russischer Angriffe aus der Luft geworden.

Ukrainische Drohnenangriffe auf Ziele auf der Krim und in Russland

Die Ukraine griff derweil mehrere Ziele in Russland und auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim mit Drohnen und Raketen an. Eines der Ziele der vom MilitĂ€rgeheimdienst eingesetzten Drohnen war einer Meldung der Nachrichtenagentur RBK-Ukrajina zufolge ein Flugzeugwerk in Kasan. In dem fast 1000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernten Werk werden strategische Bomber der Typen Tupolew 22M und 160M gebaut und repariert. Mehrere Explosionen sollen in der NĂ€he des WerksgelĂ€ndes zu hören gewesen sein. Dem russischen Verteidigungsministerium nach wurde ĂŒber der Teilrepublik Tatarstan eine Drohne flugzeugĂ€hnlichen Typs abgefangen.

Ein weiterer Angriff galt ĂŒbereinstimmenden ukrainischen Medienberichten zufolge einer Radarstation bei der Stadt Kowylkino in Mordwinien gut 600 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurde auch dieser Drohnenangriff abgewehrt.

Zuvor waren auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim auf einem MilitĂ€rflugplatz bei Dschankoj in der Nacht örtlichen Berichten zufolge Explosionen zu hören. Ukrainischen Angaben nach sind zwei Raketen des US-amerikanischen Typs ATACMS eingeschlagen. Dabei soll ein russisches Flugabwehrsystem des Typs S-400 einschließlich Radaranlage und mehrerer Abschussrampen zerstört worden sein. Mehrere russische Soldaten seien getötet oder verletzt worden, hieß es aus der Ukraine. UnabhĂ€ngige Belege dafĂŒr lagen nicht vor.

@ dpa.de