Benjamin Netanjahu, UN-Generaldebatte

Benjamin Netanjahu verteidigt Gaza- und Iran-Krieg vor der UN

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 23:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hat seine Kriege im Gazastreifen und gegen den Iran vor der UN verteidigt. WĂ€hrend PalĂ€stinenserprĂ€sident Abbas Israel des Völkermords beschuldigte, verließen zahlreiche Delegierte aus Protest den Saal.

  • Rede vor lichten Reihen: Israels MinisterprĂ€sident Netanjahu. - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa
    Rede vor lichten Reihen: Israels MinisterprÀsident Netanjahu. - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa
  • Nicht nur die Vertreter PalĂ€stinas verließen den Raum, als Netanjahu als podium trat. - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa
    Nicht nur die Vertreter PalĂ€stinas verließen den Raum, als Netanjahu als podium trat. - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa
  • Auch vor dem UN-GebĂ€ude gab es Protest. Schauspielerin Susan Sarandon wurde festgenommen. - Bild: Madison Swart/AP/dpa
    Auch vor dem UN-GebÀude gab es Protest. Schauspielerin Susan Sarandon wurde festgenommen. - Bild: Madison Swart/AP/dpa
  • Delegierte verlassen den Raum, als Netanjahu an das Rednerpult tritt. - Bild: Seth Wenig/AP/dpa
    Delegierte verlassen den Raum, als Netanjahu an das Rednerpult tritt. - Bild: Seth Wenig/AP/dpa
  • Hunderte Protestieren in New York. - Bild: Franziska Spiecker/dpa
    Hunderte Protestieren in New York. - Bild: Franziska Spiecker/dpa
  • Hunderte Protestieren in New York in gegen Netanjahu. - Bild: Franziska Spiecker/dpa
    Hunderte Protestieren in New York in gegen Netanjahu. - Bild: Franziska Spiecker/dpa
Rede vor lichten Reihen: Israels MinisterprĂ€sident Netanjahu. - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa Nicht nur die Vertreter PalĂ€stinas verließen den Raum, als Netanjahu als podium trat. - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa Auch vor dem UN-GebĂ€ude gab es Protest. Schauspielerin Susan Sarandon wurde festgenommen. - Bild: Madison Swart/AP/dpa Delegierte verlassen den Raum, als Netanjahu an das Rednerpult tritt. - Bild: Seth Wenig/AP/dpa Hunderte Protestieren in New York. - Bild: Franziska Spiecker/dpa Hunderte Protestieren in New York in gegen Netanjahu. - Bild: Franziska Spiecker/dpa

Israels MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu hat bei der UN-Generaldebatte in New York Israels Vorgehen im Gazastreifen und die Angriffe auf iranische Atomanlagen verteidigt.

Delegierte verlassen den Saal

Netanjahu wies internationale VorwĂŒrfe gegen Israel zurĂŒck und sagte: «Israel des Völkermords zu bezichtigen, ist die grĂ¶ĂŸte LĂŒge des Jahrhunderts».

Wenige Stunden zuvor hatte PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmud Abbas Israel in einer per Video ĂŒbertragenen Rede einen «Völkermordkrieg» im Gazastreifen vorgeworfen. Als Netanjahu an das Rednerpult trat, standen zahlreiche Delegationen auf und verließen den Saal.

Netanjahu spricht von verhinderten Völkermorden

«Israel hat keinen Völkermord begangen. Israel hat einen Völkermord verhindert», sagte Netanjahu. Hamas hÀtte einen Völkermord begangen, wenn Israel die islamistische Organisation nicht gestoppt hÀtte, argumentierte der MinisterprÀsident.

Der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 mit rund 1.200 Toten in Israel und mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppten Menschen löste den Gaza-Krieg aus. Nach Angaben der von Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seitdem mehr als 73.900 PalÀstinenser getötet; die Statistik unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und bewaffneten KÀmpfern.

UN und Israel auf Konfrontationskurs

UN-Vertreter und von den Vereinten Nationen eingesetzte Untersuchungskommissionen werfen Israel schwere VerstĂ¶ĂŸe gegen das Völkerrecht vor. Ein UN-Bericht kam zu dem Schluss, Israel begehe im Gazastreifen und im Westjordanland Völkermord und Kriegsverbrechen. Israel weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck und wirft der Weltorganisation seit Jahren Voreingenommenheit vor.

Auch außerhalb des UN-GebĂ€udes demonstrierten Hunderte propalĂ€stinensische Menschen gegen Netanjahus Teilnahme. Eine kleinere proisraelische Gruppe stellte sich ihnen entgegen. Nach Angaben der New Yorker Polizei wurden mehrere Menschen in Gewahrsam genommen, darunter Medienberichten zufolge die Schauspielerinnen Susan Sarandon und Hannah Einbinder.

Angriff auf New Yorks BĂŒrgermeister

Netanjahu bezeichnete New Yorks BĂŒrgermeister Zohran Mamdani als «antisemitischen BĂŒrgermeister von New York». Mamdani gilt als scharfer Kritiker des israelischen Regierungschefs und bezeichnet ihn als Kriegsverbrecher; zugleich wirft er Israel einen Völkermord an den PalĂ€stinensern im Gazastreifen vor.

Fast zeitgleich mit der Rede teilte Mamdani mit, er habe an seinem Amtssitz einen Olivenbaum mit einer palĂ€stinensischen Familie aus Gaza gepflanzt. SpĂ€ter erklĂ€rte er, Netanjahu wiederhole unbegrĂŒndete LĂŒgen, um seinen «Völkermord an den PalĂ€stinensern reinzuwaschen».

Rechtfertigung fĂŒr Angriffe auf Iran

Netanjahu verteidigte außerdem die Angriffe auf iranische Atomanlagen. Deren Zerstörung sei schwierig gewesen, aber eine der leichtesten Entscheidungen seiner Amtszeit, sagte er. Ohne das Vorgehen wĂ€ren «wir alle tot», fĂŒgte er hinzu.

Das Ausmaß der dauerhaften SchwĂ€chung des iranischen Atomprogramms wird von der Internationalen Atomenergie-Behörde, Geheimdiensten und Experten unterschiedlich bewertet. Im nicht klassifizierten Jahresbericht der US-Geheimdienste hieß es, es gebe keinen Hinweis auf eine politische Entscheidung im Iran zum Bau einer Atombombe.

Kurzer Aufenthalt in den USA

Netanjahu hielt sich nur wenige Stunden in den USA auf und fĂŒhrte am Rande der UN-Vollversammlung nur wenige GesprĂ€che mit hochrangigen Politikern anderer LĂ€nder. Nach israelischen Medienberichten richtete sich seine Rede auch an das heimische Publikum. In Israel wird am 27. Oktober ein neues Parlament gewĂ€hlt; Umfragen zufolge könnte es fĂŒr Netanjahus Lager schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern.

Internationaler Druck auf Israels Regierung

Netanjahus Auftritt fÀllt in eine Phase, in der Israels Vorgehen im Gazastreifen international besonders scharf kritisiert wird. Der Gaza-Krieg begann nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023, bei dem in Israel rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Die humanitÀren und rechtlichen Folgen des israelischen MilitÀreinsatzes prÀgen seither die internationalen Beziehungen Israels.

Die Rede vor der UN macht sichtbar, wie weit die politischen Positionen auseinanderliegen: PalĂ€stinenserprĂ€sident Abbas und zahlreiche Staatenvertreter stellen Israels Vorgehen als schwersten Verstoß gegen das Völkerrecht dar, wĂ€hrend Netanjahu den Krieg als notwendige Verteidigung gegen Hamas und als Verhinderung eines weiteren Massakers rechtfertigt. Der Streit betrifft damit nicht nur die Bewertung einzelner MilitĂ€roperationen, sondern auch die Frage, wie Israel Sicherheit, Selbstverteidigung und den Schutz der Zivilbevölkerung gegeneinander abgrenzt.

Folgen fĂŒr Diplomatie und Nahostpolitik

Der demonstrative Auszug von Delegationen und die Proteste in New York erhöhen den politischen Druck auf Israels Regierung. Zugleich erschweren die verhÀrteten Fronten eine gemeinsame internationale Linie: WÀhrend einige Staaten auf Sanktionen, einen Waffenstillstand und mehr humanitÀre Hilfe drÀngen, betont Israel weiterhin die militÀrische Zerschlagung der Hamas und die Abwehr regionaler Bedrohungen.

Mit der Verteidigung der Angriffe auf iranische Atomanlagen verbindet Netanjahu den Gaza-Krieg mit Israels strategischem Konflikt mit Teheran. FĂŒr die internationale Diplomatie bedeutet das eine zusĂ€tzliche Eskalationsebene, weil sich die Debatten ĂŒber Gaza, das iranische Atomprogramm und die regionale Sicherheitsordnung zunehmend ĂŒberlagern. FĂŒr Menschen in Deutschland bleibt der Vorgang vor allem wegen möglicher Folgen fĂŒr die transatlantische Nahostpolitik, humanitĂ€re Hilfsleistungen und die internationale Rechtsordnung relevant.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

DER SPIEGEL: „Benjamin Netanyahu: Etliche Delegierte verlassen vor Rede bei der Uno-Vollversammlung den Saal“ (24.09.2026)

Der Bericht bestĂ€tige, dass zahlreiche LĂ€ndervertreter vor Netanjahus Rede aus Protest gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen den Saal verlassen hĂ€tten. Er setze einen besonderen Schwerpunkt auf Netanjahus scharfe Reaktion, seine Angriffe auf New Yorks BĂŒrgermeister Zohran Mamdani und die innenpolitische Bedeutung der Rede vor der israelischen Parlamentswahl; außerdem greife er die internationale Kritik und den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs auf.

Frankfurter Rundschau: „UN-Generaldebatte: Netanjahu verteidigt Iran-Krieg – und nennt Mamdani „antisemitischen BĂŒrgermeister““ (24.09.2026)

Der Artikel bestĂ€tige Netanjahus Verteidigung des Vorgehens gegen den Iran und hebe stĂ€rker den regionalen Zusammenhang hervor. Im Mittelpunkt stĂŒnden der Krieg zwischen den USA und dem Iran, die fortgesetzten diplomatischen Kontakte sowie die Bedeutung der UN-Generaldebatte als Forum, in dem trotz militĂ€rischer Konfrontation GesprĂ€chskanĂ€le offengehalten wĂŒrden.

Beide Berichte stellten Netanjahus konfrontativen Auftritt und die Kritik an Israels Gaza-Politik heraus; der SPIEGEL fokussiere stĂ€rker auf den Saalprotest und den innenpolitischen Druck, wĂ€hrend die Frankfurter Rundschau den Iran-Krieg und die parallelen diplomatischen BemĂŒhungen betone. Offen bleibe, ob der internationale Druck zu einer politischen KursĂ€nderung oder zu weiteren diplomatischen und rechtlichen Konsequenzen fĂŒhre.

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