Pentagon: 10.000 Soldaten aus Nordkorea in Russland
29.10.2024 - 04:00:39Nach EinschĂ€tzung des US-Verteidigungsministeriums belĂ€uft sich die Zahl der nach Russland entsandten Soldaten aus Nordkorea auf etwa 10.000. «Wir gehen davon aus, dass Nordkorea insgesamt etwa 10.000 Soldaten zur Ausbildung nach Ostrussland geschickt hat, die wahrscheinlich in den nĂ€chsten Wochen die russischen StreitkrĂ€fte in der NĂ€he der Ukraine verstĂ€rken werden», sagte die stellvertretende Pentagon-Sprecherin Sabrina Singh. Ein Teil dieser nordkoreanischen Soldaten sei bereits nĂ€her an die Ukraine herangerĂŒckt. BefĂŒrchtet werde ein Einsatz im russischen Gebiet Kursk nahe der Grenze zur Ukraine.Â
Sollten die Soldaten aus Nordkorea tatsĂ€chlich auf dem Schlachtfeld zum Einsatz kommen, bedeute dies eine weitere Eskalation des Kriegsgeschehens und zeige auch «die zunehmende Verzweiflung» von Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin auf, dessen StreitkrĂ€fte auf dem Schlachtfeld «auĂerordentliche Verluste» erlitten hĂ€tten, sagte Singh. Es sei «ein Hinweis darauf, dass Putin möglicherweise in gröĂeren Schwierigkeiten steckt, als den Menschen bewusst ist». Der Einsatz der Nordkoreaner im russischen Angriffskrieg hĂ€tte auch «schwerwiegende Auswirkungen auf die Sicherheit in Europa und im indopazifischen Raum», warnte Singh.Â
Nach russischen Angaben wurde die nordkoreanische AuĂenministerin Choe Son Hui erneut zu einem neuen Aufenthalt in Moskau erwartet, nachdem sie bereits im Januar zu einem dreitĂ€gigen Besuch in der russischen Hauptstadt gewesen war. Putin selbst bestreitet die Anwesenheit nordkoreanischer Soldaten nicht und verweist darauf, dass auch die Ukraine auf Personal aus Nato-Staaten zurĂŒckgreife.
Selenskyj dringt bei Nordischem Rat auf Nato-Einladung
Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj warnt seit Tagen vor einer weiteren Eskalation in dem Krieg, sollte Russland die Nordkoreaner im Kampf einsetzen. Die Ankunft der nordkoreanischen Soldaten war auch Thema bei seinem Auftritt in Island beim Treffen des Nordischen Rates, wo er vor den Regierungschefs von DÀnemark, Finnland, Schweden, Norwegen und Island erneut mehr MilitÀrhilfe und vor allem die Einladung zu einem Nato-Beitritt forderte.
Man erwarte keinen Nato-Beitritt der Ukraine wÀhrend des laufenden russischen Angriffskriegs, sehr aber wohl eine Einladung zur Mitgliedschaft als konkretes Zeichen, sagte Selenskyj in seiner Rede in Reykjavik.
«Schutzwall gegen Russlands imperiale Ambitionen»
Selenskyj bat die Regierungschefs des Nordischen Rates, auch Druck auf Deutschland auszuĂŒben. Er erwarte «eine politische Entscheidung, die geopolitische Klarheit fĂŒr die Ukraine und ganz Europa bringen und uns in der Diplomatie mit Russland stĂ€rken wĂŒrde», sagte er. «Wenn die Ukraine eine Einladung in die Nato erhĂ€lt, wird sie zu einem unĂŒberwindbaren Schutzwall gegen Russlands imperiale Ambitionen.» Sein Land verdiene eine ehrliche Antwort. «Bitte arbeiten Sie mit Partnern in ganz Europa - insbesondere in Berlin - zusammen, damit wir diese geopolitische Klarheit gemeinsam erreichen können.»
Selenskyj hatte in diesem Monat auch Kanzler Olaf Scholz (SPD) und andere europĂ€ische Staats- und Regierungschefs getroffen, um fĂŒr eine rasche Einladung in die Nato zu werben. Die Forderung ist Kernpunkt des von ihm so bezeichneten «Siegesplans» im Kampf gegen den seit fast 1.000 Tagen andauernden russischen Angriffskrieg. Der Chef seines PrĂ€sidentenbĂŒros, Andrij Jermak, wird heute (19.30 Uhr Ortszeit; Mittwochmorgen deutscher Zeit) zu einem Treffen mit US-AuĂenminister Anthony Blinken in Washington erwartet.
PrÀsident fordert WaffenkÀufe und Investitionen
Selenskyj dankte DĂ€nemark und den anderen Staaten fĂŒr die bisher geleistete MilitĂ€rhilfe und Investitionen in die Waffenproduktion in der Ukraine. Sein Land brauche unabhĂ€ngig von LieferengpĂ€ssen oder wechselnden politischen Stimmungen etwa Artilleriegeschosse und Drohnen.Â
«Wir sehen, dass Putin seine Waffenproduktion hochfĂ€hrt und Schurkenregime wie Pjöngjang ihn dabei unterstĂŒtzen. NĂ€chstes Jahr will Putin die gleiche Menge an Munition wie die EU produzieren. Wir mĂŒssen jetzt handeln, um das zu verhindern», so Selenskyj. Deshalb drĂ€nge er darauf, die Investitionen in die Waffenproduktion zu erhöhen, besonders um Langstreckenwaffen und Drohnen herzustellen, «SchlĂŒsselwerkzeuge zur EinschrĂ€nkung der russischen FĂ€higkeiten».
Er forderte die Mitglieder des Nordischen Rates auf, Artilleriegeschosse in Drittstaaten einzukaufen, um den ukrainischen Soldaten an der Front zu helfen. «Unser Team wird Sie mit allen notwendigen Informationen ĂŒber die LĂ€nder versorgen, die diese Munition liefern können.» Zugleich rief er die Staaten dazu auf, selbst ihre Verteidigungsindustrie weiterzuentwickeln. «Europa braucht industrielle StĂ€rke und UnabhĂ€ngigkeit von anderen Teilen der Welt», unterstrich Selenskyj.
Verletzte bei neue russischen Angriffen in Charkiw
Bei einem neuen Luftangriff auf das historisch bedeutsame GebĂ€ude Derschprom in der ostukrainischen Stadt Charkiw wurden nach Behördenangaben mindestens sieben Menschen verletzt. Selenskyj verurteilte den Angriff auf eines der berĂŒhmtesten GebĂ€ude des Konstruktivismus, das unter kommunistischer Herrschaft das erste sowjetische Hochhaus war. Das Bauwerk war AnwĂ€rter fĂŒr die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes der Unesco.
Auch andere StÀdte waren von neuen russischen Angriffen betroffen. Selenskyj forderte, den Druck auf Russland zu erhöhen und das Land auch mit Sanktionen weiter zu isolieren.







