Ist Grönland nun vor Trump sicher?
22.01.2026 - 15:05:25Nach Wochen der Verbalattacken und DrohgebĂ€rden kam die Wende von US-PrĂ€sident Donald Trump völlig ĂŒberraschend: Nach einem Treffen mit Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte verkĂŒndete er am Mittwochabend in Davos, dass es nun den Rahmen fĂŒr eine Vereinbarung ĂŒber die Zukunft der zu DĂ€nemark gehörenden Insel Grönland und der gesamten Arktis gebe. Und die angedrohten Strafzölle gegen europĂ€ische VerbĂŒndete, darunter Deutschland? Angeblich vom Tisch. Dass der Grönland-Konflikt damit beigelegt ist, mag aber kaum jemand so richtig glauben.Â
Was ist ĂŒber den Deal bekannt?
Bisher sind nur Fragmente bekannt. Der Deal soll ein stÀrkeres Engagement der europÀischen Nato-Staaten im arktischen Raum beinhalten. Zudem sollen die USA ein Mitspracherecht bei Investitionsvorhaben aus anderen LÀndern in Grönland erhalten.
Zentrales Element ist nach Angaben aus BĂŒndniskreisen aber, dass das bisherige Abkommen ĂŒber die Stationierung von StreitkrĂ€ften auf Grönland neu ausgearbeitet werden und das geplante US-Raketenabwehrsystem «Golden Dome» berĂŒcksichtigen soll, das Trump auf der weltgröĂten Insel errichten will. In diesem Zuge könnten die USA theoretisch auch die SouverĂ€nitĂ€t ĂŒber bestimmte Gebiete Grönlands bekommen, um dort MilitĂ€rstĂŒtzpunkte einrichten zu können. Das heiĂt, auf den MilitĂ€rstĂŒtzpunkten lĂ€ge die höchste staatliche Entscheidungs- und Durchsetzungsmacht bei den Amerikanern und nicht bei den GrönlĂ€ndern oder DĂ€nen.
Wie könnten solche souverÀnen US-Gebiete in Grönland aussehen?
Als eine mögliche Blaupause gelten die britischen MilitĂ€rstĂŒtzpunkte in Zypern. Sie machen etwa drei Prozent des zyprischen Territoriums aus, werden vom Verteidigungsministerium in London verwaltet und haben eine eigene Polizei und Justiz. FĂŒr die Briten war der Verbleib der StĂŒtzpunkte Bedingung dafĂŒr, dass sie Zypern 1960 nach langen Jahren der Kolonialherrschaft in die UnabhĂ€ngigkeit entlieĂen. Einen Luftwaffen-StĂŒtzpunkt gibt es heute in Akrotiri westlich der Hafenstadt Limassol. Zudem sind Truppen in Dekeleia im Osten der Hafenstadt Larnaka stationiert und es gibt riesige Abhör- und Telekommunikationsantennen.
LÀsst Trump damit seinen Besitzanspruch auf ganz Grönland fallen?
Darauf wĂŒrde zumindest von den europĂ€ischen VerbĂŒndeten wohl kaum jemand wetten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach in Davos nur von «Schritten in die richtige Richtung». Und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) meinte: «Nach dem Hin und Her der letzten Tage warten wir jetzt mal das Substanzielle ab, welche Verabredung es zwischen Herrn Rutte und Herrn Trump gibt.»Â
Zu oft hat Trump AnkĂŒndigungen gemacht, die sich bald danach wieder erledigt haben. Und die Idee Grönland zu vereinnahmen, stammt noch aus seiner ersten Amtszeit. «Besitz und Kontrolle von Grönland sind eine absolute Notwendigkeit», hat er spĂ€ter einmal erklĂ€rt und das so Ă€hnlich immer wieder mal wiederholt.
Wie reagieren die GrönlÀnder?
Die GrönlĂ€nder sind nach den neuesten Entwicklungen höchstens vorsichtig optimistisch. Die Mehrheit traut Trump nicht ĂŒber den Weg, und die Angst, dass die nĂ€chste Kehrtwende kommt, ist auf der Arktisinsel immer noch da. Im dĂ€nischen Fernsehen beschreibt eine GrönlĂ€nderin den Konflikt als einen «Marathon, der nicht enden will».
Die grönlĂ€ndische Politikerin Aaja Chemnitz, die fĂŒr ihr Land im dĂ€nischen Parlament sitzt, glaubt in Bezug auf die jĂŒngsten Aussagen von Trump und Rutte an einen «Bluff». «Wir können gerne ĂŒber Verteidigung und die gemeinsame Aufgabe der Nato in der Arktis diskutieren â aber ohne Grönland ĂŒber Mineralien und ohne Grönland und DĂ€nemark ĂŒber die Zugehörigkeit Grönlands zu sprechen, das macht keinen Sinn», sagte Chemnitz dem dĂ€nischen Rundfunk.
Was sagt DĂ€nemark?
Das Hauptproblem am Trump-Rutte-Deal ist, dass weder Grönland noch DĂ€nemark mit am Tisch saĂen. Die dĂ€nische Regierungschefin Mette Frederiksen betonte prompt, dass der Nato-Chef kein Verhandlungsmandat habe. Ihr Land sei nach wie vor nicht bereit, SouverĂ€nitĂ€t abzugeben.Â
«Unsere roten Linien sind dieselben, die sie schon immer waren und auch weiterhin bleiben werden», sagte Fredriksen dem dĂ€nischen Rundfunk. «Die Zukunft Grönlands muss von Grönland selbst definiert werden. Und Grönland ist ein Teil von DĂ€nemark.» Das klingt in etwa so, wie das, was die europĂ€ischen VerbĂŒndeten stets ĂŒber den Ukraine-Konflikt sagen: Es dĂŒrfe nicht ĂŒber die Köpfe der Ukrainer hinweg entschieden werden.Â
Wie geht es weiter?
Es dĂŒrften schwierige Verhandlungen bevorstehen. Die ĂuĂerungen aus DĂ€nemark zeigen, dass nicht alle Teile des auf dem Tisch liegenden Kompromissvorschlags in DĂ€nemark gut ankommen. Und es ist vollkommen unklar was passiert, wenn Trump nicht das bekommt, was ihm jetzt in Aussicht gestellt wurde.Â
Von der Nato heiĂt es: «Die Verhandlungen zwischen DĂ€nemark, Grönland und den Vereinigten Staaten werden fortgesetzt â mit dem Ziel sicherzustellen, dass Russland und China in Grönland niemals FuĂ fassen, weder wirtschaftlich noch militĂ€risch.» Die GesprĂ€che im BĂŒndnis wĂŒrden sich nun darauf konzentrieren, die Sicherheit in der Arktis durch das gemeinsame Handeln der Alliierten zu gewĂ€hrleisten, insbesondere der sieben arktischen Alliierten USA, Kanada, DĂ€nemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island.
Wie werden die jĂŒngsten Entwicklungen in BrĂŒssel und Berlin bewertet?
ZunĂ€chst einmal ist man erleichtert, dass das Szenario eines Handelskriegs um Grönland vorerst vom Tisch ist. Gleichzeitig ist aber deutlicher als zuvor geworden, dass die USA unter PrĂ€sident Trump nicht mehr der Partner sind, der sie viele Jahrzehnte lang waren. Das wird heute auch beim EU-Sondergipfel in BrĂŒssel Thema sein, der trotz der EntschĂ€rfung des Grönland-Konflikts stattfindet.Â
Der Vorsitzende der SPD-Europaabgeordneten, RenĂ© Repasi, sagte am Donnerstag: «Auf Trump ist kein Verlass â deshalb muss Europa jetzt stĂ€rker werden.» Gefragt sei deswegen gemeinsames Handeln. Eine RĂŒckkehr in die gute alte Welt mit der freundlichen FĂŒhrungsmacht USA gebe es nicht mehr.Â
So Ă€hnlich war der Tenor der Rede von Kanzler Merz in Davos. Die Welt sei kein «kuscheliger Ort» mehr, sagte er. «Die neue Welt der groĂen MĂ€chte ist auf Macht, StĂ€rke und - wenn nötig - auch Gewalt ("force") gegrĂŒndet.» Um sich in diesem neuen Zeitalter zu behaupten, mĂŒssten die EuropĂ€er ihre Zusammenarbeit, VerteidigungsfĂ€higkeit und wirtschaftliche WettbewerbsfĂ€higkeit stĂ€rken.


