Polens, Regierung

Polens Regierung umgebaut - Außenminister wird Vize von Tusk

23.07.2025 - 11:17:12

Bevor das Regieren in Polen unter einem neuen Staatschef schwieriger wird, strafft MinisterprÀsident Tusk sein Kabinett. Ein möglicher Nachfolger wird befördert.

Vor Amtsantritt des rechtskonservativen PrĂ€sidenten Karol Nawrocki in Polen hat MinisterprĂ€sident Donald Tusk seine Mitte-Links-Regierung umgebaut. Es sei wichtig, dass die neue Regierung fĂŒr Ordnung in Polen, fĂŒr Ă€ußere Sicherheit und die Zukunft des Landes sorge, sagte er. Er gestand ein, dass Anlass der Umbildung das «politische Erdbeben» der PrĂ€sidentenwahl war, die fĂŒr das Regierungslager verloren gegangen war.

Angesichts der schwierigen internationalen Lage werde Außenminister Radoslaw Sikorski zusĂ€tzlich zum VizeministerprĂ€sidenten ernannt, sagte Tusk. Sikorski ist Umfragen zufolge der beliebteste Politiker im Land. Ganz gegen seine bisherige Gewohnheit baue der Regierungschef den Außenminister damit zum möglichen Nachfolger auf, schrieb die Zeitung «Rzeczpospolita». 

Das Innenressort soll erneut Marcin Kierwinski ĂŒbernehmen. VorgĂ€nger Tomasz Siemoniak bleibt im Ministerrang Koordinator der Geheimdienste.

Zwei neue Großministerien

Zugleich gab Tusk die Einrichtung zweier Großministerien bekannt. Ein neues Energieministerium werde aus Teilen der Ministerien fĂŒr Klima und Umwelt sowie Industrie errichtet mit Milosz Motyka an der Spitze. Daneben bleibt ein Klima- und Umweltministerium bestehen. Auch die Ministerien fĂŒr Finanzen und Wirtschaft wĂŒrden unter dem jetzigen Finanzminister Andrzej Domanski zusammengefĂŒhrt. Insgesamt schrumpfe die Regierung von 26 auf 21 Ministerposten, sagte der Regierungschef.

EU-Skeptiker wird PrÀsident

Der neue PrĂ€sident Nawrocki soll am 6. August vereidigt werden. Sein knapper Sieg ĂŒber den liberalen Kandidaten Rafal Trzaskowski Anfang Juni galt auch als Niederlage fĂŒr den MinisterprĂ€sidenten. 

Tusks europafreundliche Regierung hatte es schon bislang mit einem Staatschef aus dem nationalkonservativen Lager zu tun, Andrzej Duda. Allerdings wird erwartet, dass der EU-Skeptiker Nawrocki seine Vetomacht gegen Regierungsvorhaben noch stÀrker nutzen wird.

Der Regierungschef entließ auch Justizminister Adam Bodnar. Dieser war nicht weit damit gekommen, die Justizpolitik der vorigen nationalkonservativen Regierung zurĂŒckzudrehen und die UnabhĂ€ngigkeit des Rechtssystems nach EU-MaßstĂ€ben wiederherzustellen. Neuer Justizminister wurde Waldemar Zurek.

Konservativer FlĂŒgel der Regierung wird stĂ€rker

Zu Tusks Problemen kam zuletzt hinzu, dass seine komplizierte Koalition aus sechs Parteien in drei WahlbĂŒndnissen sich zerstritten zeigte. Viele Wahlversprechen von 2023 wurden nicht umgesetzt. Der Streit mĂŒsse ein Ende haben, sagte Tusk. Alle KoalitionĂ€re mĂŒssten sich dessen bewusst sein, dass von ihnen Einigkeit erwartet werde. Dagegen ist das konservative Lager in Polen mit der frĂŒheren Regierungspartei PiS und anderen rechten Parteien durch Nawrockis Wahl wieder erstarkt.

Das Kabinett wird auch in neuer Zusammensetzung von Tusks BĂŒrgerkoalition (KO) dominiert. Zugleich hat die eher konservative Bauernpartei PSL eine starke Stellung, die immer wieder auch von der PiS umworben wird. PSL-Chef Wladyslaw Kosiniak-Kamysz bleibt Verteidigungsminister und VizeministerprĂ€sident. Vor allem an der PSL war 2024 die von Tusk angestrebte Liberalisierung des strengen Abtreibungsrechts in Polen gescheitert.

@ dpa.de