Vorwahl in Michigan: DĂ€mpfer fĂŒr Biden - Auch Trump gewinnt
28.02.2024 - 14:52:36 | dpa.deUS-PrĂ€sident Joe Biden hat bei der Vorwahl der Demokraten im Bundesstaat Michigan zwar wie erwartet einen klaren Sieg eingefahren - das Ergebnis dĂŒrfte dem faktisch konkurrenzlosen Amtsinhaber aber dennoch Sorgen bereiten. Denn die Abstimmung hat gezeigt, dass dem 81-JĂ€hrigen seine UnterstĂŒtzung fĂŒr Israel im Gaza-Krieg gefĂ€hrlich werden kann.
Rund 100.000 WĂ€hlerinnen und WĂ€hlern verweigerten Biden die Stimme und votierten bei der Vorwahl fĂŒr die PrĂ€sidentschaftskandidatur fĂŒr «unentschieden». Das sind deutlich mehr als bei vergangenen Vorwahlen der Demokraten. In Michigan leben verhĂ€ltnismĂ€Ăig viele Muslime, mehrere Gruppen hatten vor der Wahl dazu aufgerufen, aus Protest gegen Bidens Nahost-Politik fĂŒr unentschieden zu stimmen.
Auch der ehemalige US-PrĂ€sident Donald Trump liegt bei der Vorwahl der Republikaner klar vor seiner Konkurrentin Nikki Haley. Nach AuszĂ€hlung von etwa 99 Prozent aller Stimmen kommt Trump auf gut 68 Prozent, Haley auf 26,5 Prozent. Trotz der mehr als 40 Prozentpunkte Vorsprung kann der 77-JĂ€hrige sich nicht zurĂŒcklehnen.
Michigan ist ein wichtiger Swing State
Wer in den Vereinigten Staaten PrĂ€sidentschaftskandidat werden will, muss sich zunĂ€chst in parteiinternen Abstimmungen in den verschiedenen Bundesstaaten durchsetzen. Ein Duell zwischen Trump und Biden bei der PrĂ€sidentenwahl am 5. November gilt als sehr wahrscheinlich. Trump liegt in parteiinternen Umfragen bei den Republikanern weit vor Haley und hat bereits bei Vorwahlen in Iowa, New Hampshire und South Carolina klar gegen die ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen gewonnen, die einst Trumps AuĂenpolitik auf internationaler BĂŒhne zu vertreten hatte. Bei den Demokraten hat Biden keine ernst zu nehmende Konkurrenz. Die Republikaner kĂŒren ihren Kandidaten auf einem Parteitag Mitte Juli, die Demokraten Mitte August.
Michigan liegt im Norden der USA und zĂ€hlt rund 10 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Der industriell geprĂ€gte Bundesstaat gilt als sogenannter Swing State, der weder Demokraten noch Republikanern fest zugerechnet werden kann. Viele Bewohner Michigans arbeiten fĂŒr Autokonzerne oder deren Zulieferer, Gewerkschaften haben eine groĂe Bedeutung. Die einflussreiche Gewerkschaft der Automobilarbeiter (UAW) unterstĂŒtzt Amtsinhaber Biden. Doch bei der Vorwahl lag das Augenmerk auf einem auĂenpolitischen Thema.
GroĂe muslimische Gemeinde in Michigan
Die Abstimmung in Michigan galt als Stimmungstest dafĂŒr, wie sich Bidens Politik im Nahen Osten auf die Wahlen im November auswirken könnte, denn Muslime sind in dem Bundesstaat eine bedeutende WĂ€hlergruppe. Nach Angaben der Interessengruppe Emgage leben dort etwa 200.000 muslimische WĂ€hlerinnen und WĂ€hler. Sie könnten im November einen merklichen Einfluss auf das Wahlergebnis haben. Bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 gewann Biden in dem Bundesstaat mit rund 155.000 Stimmen Vorsprung vor Trump.Â
FĂŒr Biden war der Sieg bei der Vorwahl in Michigan zwar Formsache - er lag am Mittwoch mit 81 Prozent der Stimmen eindeutig vorn. Doch er dĂŒrfte vor allem auf die Zahl derer schauen, die «unentschieden» gewĂ€hlt haben. Bei den vergangenen drei Vorwahlen der Demokraten in Michigan stimmten jeweils rund 20.000 Demokraten «unentschieden». Nun waren es gut 100.000 - das entspricht gut 13 Prozent der Stimmen. Weitere Stimmen fielen auf zwei aussichtslose Kandidaten.Â
Biden wegen UnterstĂŒtzung fĂŒr Israel in der Kritik
Mehrere Gruppen riefen vor der Vorwahl eine Kampagne gegen Biden ins Leben und forderten einen sofortigen Waffenstillstand im Gaza-Krieg und ein Ende der US-MilitĂ€rhilfe fĂŒr Israel. Besonders deutlich wurde der Protest gegen Biden in der Stadt Dearborn, Heimat einer groĂen arabisch-amerikanischen und muslimischen Gemeinde - in der Stadt steht die gröĂte Moschee der USA. Dort stimmten mehr Menschen fĂŒr «unentschieden» als fĂŒr Biden.
Doch nicht nur Muslime dĂŒrften Biden in Michigan ihre Stimme verwehrt haben. Auch jĂŒngere, progressive Demokraten kritisieren den PrĂ€sidenten angesichts der vielen zivilen Opfer im Gazastreifen. Biden verschĂ€rfte zwar in den Wochen nach dem beispiellosen Massaker am 7. Oktober, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen im SĂŒden Israels verĂŒbt hatten, seine Tonart gegenĂŒber der israelischen Regierung. Die US-Regierung betont aber gleichzeitig immer wieder Israels Recht auf Selbstverteidigung und lĂ€sst MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu nach Empfinden vieler weiterhin gewĂ€hren. Der Sender CNN zitierte einen Berater aus Bidens Wahlkampfteam mit den Worten, dass Biden sich fĂŒr ein Ende der Gewalt und einen gerechten und dauerhaften Frieden einsetze.
Eigentlich sind Muslime als WĂ€hlergruppe in den USA tendenziell eher den Demokraten als den Republikanern zugewandt. Es gilt als unwahrscheinlich, dass Muslime, die wĂŒtend ĂŒber Bidens UnterstĂŒtzung fĂŒr Israel sind, bei der PrĂ€sidentenwahl zu den Republikanern abwandern. FĂŒr Biden könnte es in einem wichtigen Swing State wie Michigan jedoch auch dann eng werden, sollten viele WĂ€hlerinnen und WĂ€hler fĂŒr einen unabhĂ€ngigen Drittkandidaten stimmen oder zu Hause bleiben.
Haley will nicht aufgeben
Wie Biden konnte auch Trump mit einem klaren Sieg bei den Vorwahlen seiner Partei in Michigan rechnen. Doch Haley holte nach AuszĂ€hlung fast aller Stimmen nahezu 27 Prozent, wĂ€hrend der Rest fĂŒr unentschieden stimmte oder sich auf aussichtslose Kandidaten verteilte. Die Frage wird sein, wie viele dieser Haley-AnhĂ€nger bei der PrĂ€sidentenwahl im November am Ende fĂŒr Trump stimmen werden, falls er antreten sollte. Einige von ihnen schlieĂen nicht aus, sogar Biden zu wĂ€hlen, um eine zweite Amtszeit Trumps zu verhindern. Dies dĂŒrfte zwar nicht fĂŒr die Mehrheit der Haley-UnterstĂŒtzer gelten. Aber sollte diese Gruppe nicht zur Wahl gehen oder einen dritten, unabhĂ€ngigen Kandidaten unterstĂŒtzen, könnte das zum groĂen Problem fĂŒr Trump werden.
Nun liegt ein besonderes Augenmerk auf dem 5. MĂ€rz, dem sogenannten Super Tuesday. An diesem Tag finden in 15 Bundesstaaten gleichzeitig Vorwahlen der Republikaner statt. Haley hatte am Dienstagabend in einem Interview mit dem Sender CNN deutlich gemacht, mindestens bis zum Super Tuesday im Rennen bleiben zu wollen. Trump hat sich in der Vergangenheit darĂŒber echauffiert, dass die ehemalige Gouverneurin von South Carolina trotz mangelnder Erfolgsaussichten nicht aus dem parteiinternen Rennen aussteigen wollte. Denn solange die 52-JĂ€hrige nicht aufgibt, kann er sich nicht ausschlieĂlich auf seinen politischen Gegner Biden konzentrieren. Stattdessen muss Trump weiterhin Geld und Zeit aufwenden, um Wahlkampf gegen Haley zu machen.
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