Brasilien-Wahl: Wahllokale schließen nach Verlängerung um zwei Stunden
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 23:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWahlgang mit landesweiter Verlängerung
- Richter Cristiano Zanin ordnete die Verlängerung der Stimmabgabe bis 19.00 Uhr Ortszeit an.
- Die Anordnung galt landesweit und unterbrach zunächst die bereits begonnene Auszählung.
- In Salvador durften mindestens 75 Busse zunächst nicht aus ihren Depots fahren.
Brasilien entscheidet zwischen Lula und Bolsonaro
In Brasilien haben die Wahllokale bei der richtungsweisenden Stichwahl um das Präsidentenamt nach einer Verlängerung der Wahlzeit geschlossen. Rund 159 Millionen Brasilianer waren aufgerufen, zwischen dem linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und dem rechten Senator Flávio Bolsonaro zu entscheiden.
Ergebnisse werden in der Nacht erwartet
Nach dem engen Wahlkampf werden erste vorläufige Ergebnisse in der deutschen Nacht zum Montag erwartet. In Umfragen vor der Wahl lagen beide Kandidaten nahezu gleichauf.
In der ersten Runde hatte Flávio Bolsonaro rund 47 Prozent der gültigen Stimmen erhalten, Lula kam auf 45 Prozent. Lula von der Arbeiterpartei PT bewirbt sich um eine vierte Amtszeit und setzt auf Sozialprogramme, staatliche Investitionen und die Fortsetzung seines Regierungskurses.
Kandidaten werben mit unterschiedlichen Kursen
Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei PL wirbt mit konservativen Positionen und einem härteren Vorgehen gegen Kriminalität. Der Ausgang entscheidet damit auch über die politische Ausrichtung des größten Landes Lateinamerikas.
Oberstes Gericht verlängert Wahlzeit
Der Richter Cristiano Zanin vom Obersten Gerichtshof STF hatte die Stimmabgabe wegen gemeldeter Probleme mit dem öffentlichen Nahverkehr landesweit um zwei Stunden bis 19.00 Uhr Ortszeit verlängert. Die bereits begonnene Auszählung wurde nach der Entscheidung zunächst unterbrochen.
Lulas Wahlbündnis hatte die Verlängerung beantragt und auf Schwierigkeiten mit Busverbindungen und öffentlichen Verkehrsmitteln in mehreren Bundesstaaten verwiesen. Auch Bolsonaros Wahlkampfteam forderte mehr Zeit in Teilen von Minas Gerais und Rio Grande do Sul, wo heftige Regenfälle, Überschwemmungen und Stromausfälle den Wahlablauf beeinträchtigt haben sollen.
Streit um Busse in Salvador
Für Aufsehen sorgte ein Streit um den öffentlichen Nahverkehr in Salvador im Bundesstaat Bahia. Dort durften mindestens 75 Busse zunächst ihre Depots nicht verlassen.
Das regionale Wahlgericht ordnete die Festnahme des städtischen Mobilitätssekretärs Pablo Souza wegen eines mutmaßlichen Wahlvergehens an. Die Stadtverwaltung erklärte, es habe Streit um Aufkleber mit der Nummer von Lulas Arbeiterpartei PT auf den Bussen gegeben.
Die Stichwahl entscheidet über den politischen Kurs Brasiliens, der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas. Präsident und Regierung bestimmen nicht nur die Sozial- und Wirtschaftspolitik, sondern prägen auch den Umgang mit dem Amazonas, der Kriminalitätsbekämpfung und den internationalen Beziehungen.
Das knappe Ergebnis der ersten Runde verschärfte den Wettbewerb zwischen Lula und Flávio Bolsonaro. Lula steht für Sozialprogramme, staatliche Investitionen und eine Fortsetzung seines Regierungskurses. Bolsonaro verbindet konservative Positionen mit einem härteren Vorgehen gegen Kriminalität und tritt zugleich als politischer Erbe seines Vaters Jair Bolsonaro auf.
Verlängerung verändert den Ablauf
Die landesweite Verlängerung der Öffnungszeit sollte sicherstellen, dass Behinderungen im öffentlichen Verkehr die Teilnahme nicht begrenzen. Dass beide Lager zusätzliche Zeit zumindest teilweise unterstützten, zeigt die Bedeutung eines möglichst vollständigen Wahlgangs in einem Rennen, in dem wenige Stimmen über das Ergebnis entscheiden können.
Für die Bevölkerung ist die Entscheidung unmittelbar relevant: Sie betrifft Sozialleistungen, öffentliche Investitionen, Sicherheits- und Umweltpolitik sowie Brasiliens außenpolitische Ausrichtung. Nach Schließung der Wahllokale richtet sich der Blick auf die Auszählung und darauf, ob der unterbrochene Ablauf ohne weitere Verzögerungen fortgesetzt wird.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag bestätige die zweistündige Verlängerung durch das Oberste Gericht und ordne sie mit Problemen im öffentlichen Nahverkehr ein. Anders als die dpa-Meldung liege der Schwerpunkt stärker auf der grundsätzlichen politischen Bedeutung der Wahl für Brasilien.
Stern: „Enges Rennen mit Verlängerung: Spannende Stichwahl um Präsidentenamt in Brasilien“ (25.10.2026)
Der Beitrag berichte ebenfalls über die Verlängerung und stelle zusätzliche Angaben zu Verkehrsproblemen, Regenfällen und den politischen Positionen der Kandidaten heraus. Übereinstimmung bestehe beim engen Ausgang und beim erwarteten Beginn der Ergebnisverkündung; offen bleibe zu diesem Zeitpunkt der Wahlausgang.
Beide Beiträge bestätigten den verlängerten Wahlgang und das knappe Rennen. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung von Verfahrensfragen, regionalen Verkehrsproblemen und den politischen Folgen.
