Brasiliens Oberstes Gericht neigt zu Verurteilung Bolsonaros
11.09.2025 - 21:10:30In Brasilien deutet sich eine Verurteilung des Ex-PrĂ€sidenten Jair Bolsonaro wegen eines versuchten Staatsstreichs an. Drei der fĂŒnf Richter des Obersten Bundesgerichts (STF) stimmten bei Beratungen bereits fĂŒr einen Schuldspruch, wie die Live-TV-Ăbertragung zeigte. Sie hĂ€tten damit eine Mehrheit im Gericht. Die Richter können ihre Entscheidung bis zur erwarteten UrteilsverkĂŒndung an diesem Freitag jedoch noch Ă€ndern.
Sollte es bei einer Mehrheit bleiben, wĂ€re Bolsonaro der erste PrĂ€sident Brasiliens, der nach seiner Amtszeit wegen versuchten Staatsstreichs verurteilt wird. Dem 70-JĂ€hrigen drohen bis zu 43 Jahre Haft. Aufgrund seines Alters und gesundheitlicher Probleme nach einem Attentat kĂ€me auch ein Hausarrest in Betracht. Bolsonaro steht bereits seit Anfang August wegen VerstöĂen gegen Auflagen unter Hausarrest und wird wegen Fluchtgefahr ĂŒberwacht.
Anklage: Bolsonaro plante Putschversuch gegen die Regierung
Bolsonaro soll nach seiner Wahlniederlage gemeinsam mit MilitĂ€rs und VerbĂŒndeten einen Putschversuch gegen die Regierung seines linken Nachfolgers Luiz InĂĄcio Lula da Silva geplant haben. Nach Ăberzeugung der Anklage habe er geplant, einen Ausnahmezustand zu verhĂ€ngen und Neuwahlen anzusetzen - allerdings habe er die UnterstĂŒtzung der MilitĂ€rfĂŒhrung nicht gewinnen können.Â
Am 8. Januar 2023 hatten AnhĂ€nger Bolsonaros kurz nach Amtsantritt Lulas den Kongress, das Oberste Gericht und den PrĂ€sidentenpalast gestĂŒrmt. Zudem soll Bolsonaro von MordplĂ€nen gegen Lula, VizeprĂ€sident Geraldo Alckmin und Richter Alexandre de Moraes gewusst haben.
Der Prozess wird vor dem Obersten Gericht gefĂŒhrt - es gibt keine höhere Instanz. Innerhalb des STF sind jedoch begrenzte Rechtsmittel möglich, etwa bei formalen Unklarheiten oder nicht einstimmigen Urteilen. Bei mindestens zwei abweichenden Stimmen könnte eine ĂberprĂŒfung einzelner Streitpunkte noch einmal im Plenum beantragt werden.
Mitangeklagte aus MilitÀr und Regierung
Die Verteidigung wies wĂ€hrend des Verfahrens sĂ€mtliche VorwĂŒrfe zurĂŒck und argumentierte, dass keine stichhaltigen Beweise fĂŒr eine Beteiligung Bolsonaros an einem Umsturzplan vorlĂ€gen. Zudem sprachen seine AnwĂ€lte von einem «politischen Prozess», in dem ihr Mandant keine faire Chance gehabt habe. Sie verwiesen dabei auf den Obersten Richter de Moraes, der sowohl eine zentrale Rolle in den Ermittlungen gespielt habe als auch selbst als mutmaĂliches Ziel der PutschplĂ€ne genannt werde. FĂŒr Bolsonaros AnhĂ€nger sei damit eine «Vorverurteilung» durch das Gericht unvermeidlich gewesen.
Neben Bolsonaro sollen auch frĂŒhere Kabinettsmitglieder und hochrangige MilitĂ€rs verurteilt werden, darunter Ex-Verteidigungsminister Paulo SĂ©rgio Nogueira, der frĂŒhere Marinechef Almir Garnier und Bolsonaros damaliger Sicherheitsberater Augusto Heleno. Ihnen werden bis zu fĂŒnf Straftaten zur Last gelegt - unter anderem versuchter Staatsstreich, Beteiligung an einer bewaffneten kriminellen Vereinigung und BeschĂ€digung denkmalgeschĂŒtzter GĂŒter.









