Klingbeil besteht auf ernsthafte Verhandlungen im US-Zollstreit
25.05.2025 - 00:00:00An die US-Seite sendete Klingbeil ein Zeichen des europĂ€ischen Zusammenhalts: "Wir sind als EuropĂ€er geschlossen und entschlossen, unsere Interessen zu vertreten." Die deutsche Automobil-Wirtschaft, die von einem Handelskrieg besonders betroffen wĂ€re, trĂ€gt diese Verhandlungslinie mit. Hildegard MĂŒller, PrĂ€sidentin des deutschen Automobilverbandes, sagte der "Bild" dazu: "Es muss weiter versucht werden, eine Eskalation zu vermeiden. Alle KrĂ€fte mĂŒssen verwendet werden, um eine politische Einigung zu finden. Gleichzeitig muss die EU bereit sein, die Interessen unseres Kontinents zu wahren und selbstbewusst zu agieren." Der SPD-Chef verspricht den BĂŒrgern stabile BeitrĂ€ge bei den Sozialversicherungen. "Steigende SozialversicherungsbeitrĂ€ge sind ein Problem. FĂŒr die Arbeitnehmer, weil sie weniger Geld in der Tasche haben, fĂŒr Unternehmen, weil sie höhere Lohnkosten haben. Deshalb mĂŒssen wir die BeitrĂ€ge stabilisieren", sagte Klingbeil der "Bild am Sonntag". Vor allem bei den Kranken- und Pflegekassen droht im Januar ein Beitragssprung, der kurzfristig nur mit höheren ZuschĂŒssen aus dem Haushalt gegenfinanziert werden kann. Allerdings ist das fĂŒr Klingbeil keine Dauerlösung: "Der Finanzminister kann nicht dauernd angerufen und nach mehr Geld gefragt werden. Wir brauchen Strukturreformen, um die BeitrĂ€ge dauerhaft stabil zu halten. Allerdings erwarte ich von allen Verantwortlichen mehr Fantasie als LeistungskĂŒrzungen fĂŒr die Arbeitnehmer." Bei der Haushaltsaufstellung 2025 ermahnte Klingbeil seine Kollegen zum Sparen. Beim Personal muss jedes Ministerium nach den Vorgaben des Finanzministers 0,5 Prozent und bei den Sachkosten zwei Prozent einsparen. "Ich habe Wert darauf gelegt, dass jetzt alle Minister sofort damit anfangen. Und die KĂŒrzungen nicht aufs nĂ€chste Jahr verschoben werden", so Klingbeil. Seine oberste PrioritĂ€t bei der Aufstellung der Haushalte fĂŒr dieses und das kommende Jahr: "Dass Deutschland auf Wachstumskurs kommt, wir ArbeitsplĂ€tze sichern. DafĂŒr senken wir die Energiepreise, kurbeln Investitionen mit Super-Abschreibungen an." Von Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD, von 2017 bis 2021 selbst Bundesfinanzminister) bekam Klingbeil fĂŒr sein neues Amt den Rat, er mĂŒsse lernen, Nein sagen zu können. "Kann ich", so Klingbeil. "Und ich lerne gerade, noch besser darin zu werden." FĂŒr die geplante Steuerreform der schwarz-roten Koalition schloss Klingbeil eine Entlastung von Top-Verdienern aus: "Ich finde es falsch, wenn Leute wie ich stĂ€rker entlastet werden als die Kassiererin im Supermarkt. Leute, die so viel verdienen wie ich, brauchen keine Entlastungen vom Staat. Mir geht es um die hart arbeitenden Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen." Der Finanzminister, der gleichzeitig auch SPD-Chef ist, will seine Partei neu aufstellen: Die 16,4 Prozent bei der Wahl "waren ein Zeichen an uns, dass einiges anders werden muss. Die Menschen hatten das GefĂŒhl, dass wir uns zu viel ums BĂŒrgergeld und zu wenig um Menschen in Arbeit gekĂŒmmert haben".


