Merz und Steinmeier starten getrennte Asienreisen
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 12:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWSStationen und Aufgaben der Delegationen
- Steinmeier reiste am Morgen zu einem viertÀgigen Staatsbesuch nach China.
- Merz startete fĂŒnf Stunden spĂ€ter seine bisher lĂ€ngste Auslandsreise als Kanzler.
- Der Kanzler wird von 30 Top-Managern begleitet und besucht Singapur, Japan und SĂŒdkorea.
Deutschland setzt auf zwei Asienreisen
BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier ist zu einem viertĂ€gigen Staatsbesuch nach China aufgebrochen, wĂ€hrend Bundeskanzler Friedrich Merz seine bisher lĂ€ngste Auslandsreise als Kanzler begonnen hat. Merz besucht zunĂ€chst Singapur und reist anschlieĂend nach Japan und SĂŒdkorea.
Getrennte Reisen, abgestimmte Politik
Die Reisen fĂŒhren zu unterschiedlichen Partnern. Steinmeier besucht mit China Deutschlands wichtigsten Wirtschaftspartner in Asien, der zugleich als Wettbewerber und Systemrivale gilt.
Merz reist dagegen zu politisch gleichgesinnten Partnern. Japan ist ĂŒber die G7 eng mit Deutschland verbunden; in Singapur, Japan und SĂŒdkorea stehen politische GesprĂ€che, Wirtschaftskonferenzen und Vereinbarungen zu KĂŒnstlicher Intelligenz, Infrastruktur und kritischen Rohstoffen auf dem Programm.
Merz wirbt fĂŒr weniger AbhĂ€ngigkeit
Die Bundesregierung versteht die Reise als Beitrag zur Diversifizierung wirtschaftlicher Beziehungen. Merz wird von 30 Top-Managern begleitet, darunter die Chefs von Siemens, Telekom und Henkel sowie Vertreter von Airbus Defense and Space und Quantum-Systems.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sicherheitspolitik. Von Seoul aus will Merz die demilitarisierte Zone an der Grenze zu Nordkorea besuchen. Zudem zĂ€hlt Japan zu den UnterstĂŒtzern der Ukraine und verfĂŒgt ĂŒber Patriot-Systeme, die fĂŒr die Luftverteidigung wichtig sind.
Steinmeier fĂŒhrt Dialog mit Peking
Steinmeier will in China fĂŒr ausgewogene Wirtschafts- und Handelsbeziehungen werben. Bei einer Grundsatzrede an der UniversitĂ€t Peking und einem GesprĂ€ch mit PrĂ€sident Xi Jinping soll es auch um Chinas kĂŒnftige Rolle in den internationalen Beziehungen gehen.
Der BundesprĂ€sident nimmt keine Wirtschaftsdelegation mit, wird aber vom PrĂ€sidenten des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Peter Leibinger, und vom PrĂ€sidenten des Bundesverbands GroĂhandel, AuĂenhandel und Dienstleistungen, Dirk Jandura, begleitet. Zudem reist die VizeprĂ€sidentin des Europaparlaments, Katarina Barley, mit.
Abstimmung mit Bundesregierung und EU
Nach Angaben des BundesprĂ€sidialamts sind beide Reisen eng miteinander abgestimmt. Ein direkter Zusammenhang bestehe jedoch nicht; Merzâ Reise sei als eigenstĂ€ndiges Vorhaben angelegt.
Steinmeier hat sich den Angaben zufolge auĂerdem mit EU-Handelskommissar Maros Sefcovic abgestimmt. Beide Reisen sollen am spĂ€ten Freitagabend beziehungsweise kurz danach in Berlin enden.
Die parallelen Reisen fallen in eine Phase, in der Deutschland seine Beziehungen zu China neu austariert. Peking bleibt fĂŒr die deutsche Wirtschaft ein zentraler Absatzmarkt und Lieferant, zugleich versucht die Bundesregierung, Risiken durch einseitige AbhĂ€ngigkeiten zu begrenzen. Dazu zĂ€hlen insbesondere kritische Rohstoffe, Technologie und industrielle Vorprodukte.
China bleibt Partner und Rivale
Steinmeiers Besuch steht fĂŒr den direkten politischen Dialog mit der chinesischen FĂŒhrung. Im Mittelpunkt stehen faire Handelsbeziehungen, wirtschaftliche Ungleichgewichte und Chinas Rolle in der internationalen Ordnung. Die Reise ist damit auf die grundsĂ€tzlichen Beziehungen zwischen Deutschland, Europa und China ausgerichtet.
Merz setzt dagegen auf die Vertiefung von Partnerschaften mit Staaten, die Deutschland politisch und sicherheitspolitisch nĂ€herstehen. Singapur, Japan und SĂŒdkorea verbinden wirtschaftliche LeistungsfĂ€higkeit mit einer engeren Zusammenarbeit demokratischer und regelorientierter Staaten im Indopazifik. Die geplanten Vereinbarungen zu KĂŒnstlicher Intelligenz, Infrastruktur und kritischen Rohstoffen sollen diese Verbindungen praktisch unterfĂŒttern.
Wirtschaft und Sicherheit verknĂŒpft
Die Reiseagenda zeigt, dass Wirtschafts- und Sicherheitspolitik zunehmend zusammengehören. Lieferketten, digitale Infrastruktur und Rohstoffzugang haben ebenso strategische Bedeutung wie Verteidigungskooperation und die StabilitÀt in Ostasien. Der Besuch der demilitarisierten Zone an der Grenze zu Nordkorea unterstreicht diesen sicherheitspolitischen Schwerpunkt.
FĂŒr Unternehmen bedeutet die Diversifizierung zusĂ€tzliche Chancen, aber auch höhere Anforderungen an internationale Partnerschaften. FĂŒr die politische FĂŒhrung bleibt die Balance schwierig: Eine Verringerung von AbhĂ€ngigkeiten soll die Beziehungen zu China nicht in eine Abkopplung ĂŒberfĂŒhren. Die abgestimmten, aber getrennten Reisen machen deshalb unterschiedliche Instrumente deutscher AuĂenpolitik sichtbar.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: âReise nach Asien: Merz und Steinmeier fliegen getrenntâ (26.10.2026)
Der Beitrag bestÀtigt die getrennten Reisen und stellt den zeitlichen Ablauf heraus. Einen anderen Akzent setzt er auf die diplomatische ParallelitÀt der Aufenthalte in Asien.
tagesschau: âMerz und Steinmeier reisen nach Asienâ (26.10.2026)
Der Artikel bestĂ€tigt Merzâ Stationen Singapur, Japan und SĂŒdkorea und ordnet sie als Versuch ein, Partnerschaften auszubauen und die AbhĂ€ngigkeit von China zu reduzieren. Offen bleibt, wie schnell daraus konkrete wirtschaftliche Ergebnisse entstehen.
Ăbereinstimmend steht die getrennte Reisediplomatie im Mittelpunkt. Unterschiede zeigen sich vor allem bei der Gewichtung: WĂ€hrend Merzâ Reise stĂ€rker wirtschaftliche und sicherheitspolitische Partnerschaften betont, rĂŒckt Steinmeiers Besuch den direkten Dialog mit China in den Vordergrund.
