Mike, Johnson

Mike Johnson neuer Vorsitzender des US-ReprÀsentantenhauses

25.10.2023 - 20:03:29

Chaos bei den Republikanern im ReprĂ€sentantenhaus legte das US-Parlament lahm. Erst der vierte Kandidat fĂŒr den Posten des Vorsitzenden setzt sich durch: ein Hardliner und Trump-Getreuer.

Nach einem wochenlangen parteiinternen Machtkampf ist der Republikaner Mike Johnson der neue Vorsitzende des US-ReprĂ€sentantenhauses. Der 51-JĂ€hrige wurde auf den mĂ€chtigen Posten gewĂ€hlt, wie nach der Abstimmung in der Parlamentskammer offiziell verkĂŒndet wurde.

Der Hardliner und UnterstĂŒtzer des frĂŒheren PrĂ€sidenten Donald Trump ist damit die neue Nummer drei der staatlichen Rangfolge nach dem US-PrĂ€sidenten und dessen Vize. Mit der Wahl Johnsons ist der US-Kongress nach mehr als drei Wochen des weitgehenden Stillstands wieder arbeitsfĂ€hig. Ob das Chaos im Parlament nun wirklich ein Ende hat, ist aber offen. Denn Johnson steht bereits die erste große BewĂ€hrungsprobe bevor.

Nachfolge fĂŒr McCarthy endlich geklĂ€rt

Der vorherige Vorsitzende der Parlamentskammer, Kevin McCarthy, war Anfang Oktober in einer historischen Abstimmung von dem mĂ€chtigen Posten abgewĂ€hlt worden. Johnson war nach McCarthys Abwahl bereits der vierte republikanische Kandidat fĂŒr den Vorsitz. Drei zuvor von den Republikanern nominierte Kandidaten hatten wegen fehlender UnterstĂŒtzung in den eigenen Reihen hingeworfen - zwei davon, bevor es ĂŒberhaupt zu einer Abstimmung im Plenum kam. Der Republikaner Jim Jordan wiederum hatte drei erfolglose WahlgĂ€nge in der Kammer ĂŒber sich ergehen lassen, bevor seine Fraktion ihn aus dem Rennen nahm.

Das völlige Durcheinander zeigte auf dramatische Weise die Zersplitterung der republikanischen Partei, die sich im internen Machtpoker wochenlang nicht auf einen neuen Vorsitzenden einigen konnte. Den Republikanern brachte das den Vorwurf ein, sie seien komplett dysfunktional und nicht zu politischer Arbeit in der Lage. Auch Mitglieder der republikanischen Fraktion Ă€ußerten sich in den vergangenen Tagen zunehmend frustriert und verĂ€rgert.

Die republikanische Fraktion hatte schließlich Johnson am spĂ€ten Dienstagabend hinter verschlossenen TĂŒren zum Kandidaten gekĂŒrt. Er erreichte im Plenum im ersten Anlauf die notwendige Mehrheit.

Die US-Republikaner haben in der Parlamentskammer nur eine dĂŒnne Mehrheit. Deshalb haben republikanische Abweichler bei Abstimmungen ein machtvolles Druckmittel in ihren HĂ€nden. Denn mit Stimmen der Demokraten von US-PrĂ€sident Joe Biden konnte ein republikanischer Kandidat nicht rechnen. Die Republikaner haben derzeit 221 Abgeordnete in der Parlamentskammer, die Demokraten 212. Bei der Abstimmung am Mittwoch waren nicht alle Abgeordneten der Parlamentskammer anwesend. Johnson benötigte 215 Stimmen fĂŒr eine absolute Mehrheit und erhielt schließlich 220.

AnhÀnger Trumps gewÀhlt

Johnson gehört zur religiösen Rechten seiner Fraktion. Der Jurist und frĂŒhere Radiomoderator aus dem Bundesstaat Louisiana zĂ€hlt zu Trumps loyalen AnhĂ€ngern. Er weigerte sich seinerzeit, Trumps Niederlage gegen Biden bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 anzuerkennen. Johnson ist Abtreibungsgegner, lehnt die gleichgeschlechtliche Ehe ab und hat sich in der Vergangenheit gegen US-Hilfen fĂŒr die Ukraine gestellt.

Trump unterstĂŒtzte Johnsons Kandidatur und lobte seinen Parteikollegen als schlau und großartigen Kongressabgeordneten, der von allen akzeptiert werde. Auch andere Republikaner vom rechten Rand der Partei Ă€ußerten sich erfreut ĂŒber die Personalie. Johnson hatte in der Nacht zu Mittwoch nach seiner Nominierung gesagt, seine Fraktion sei nun geeint. «Sie werden sehen, dass diese Fraktion wie eine gut geölte Maschine arbeiten wird», sagte er nach dem parteiinternen Drama der vergangenen Wochen. «Das sind wir dem amerikanischen Volk schuldig.»

Johnson muss sich nun direkt an die Arbeit machen, denn bis Mitte November muss der Kongress einen neuen Haushalt verabschieden. Sonst droht ein vorĂŒbergehender Stillstand der RegierungsgeschĂ€fte - ein «Shutdown». Dann lĂ€uft nĂ€mlich ein Übergangshaushalt aus. Dieser enthĂ€lt keine Hilfen fĂŒr die von Russland angegriffene Ukraine.

Biden hatte vergangene Woche ein mehr als 100 Milliarden US-Dollar (rund 94,5 Milliarden Euro) schweres Hilfspaket beim Kongress beantragt, das UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine und Israel enthĂ€lt. Es ist mehr als fraglich, dass der Kongress die Milliardensummen genehmigen wird. Eine wachsende Zahl von Republikanern sieht die Hilfe fĂŒr Kiew zunehmend kritisch oder lehnt sie gar völlig ab.

@ dpa.de