Pandemievertrag, WHO

Pandemievertrag: So will die WHO besser vor Krisen schĂŒtzen

20.05.2025 - 13:26:44

Chaotische ZustÀnde wie bei der Corona-Pandemie sollen sich nicht wiederholen. Mehr als 190 LÀnder haben jetzt einen Pandemievertrag verabschiedet. Wichtige Details sind aber noch offen.

Die Weltgemeinschaft will Panik und Chaos wie wĂ€hrend der Corona-Pandemie im Fall einer neuen großen Gesundheitsnotlage verhindern. Dazu haben die Mitglieder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf einen Pandemievertrag verabschiedet. Eine neue Pandemie ist nur eine Frage der Zeit, warnt WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus: «Die nĂ€chste Pandemie ist keine Frage des „ob", sondern des „wann"». Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was wird mit dem Vertrag anders?

PrĂ€vention: LĂ€nder verpflichten sich, ihre Gesundheitssysteme und die Überwachung des Tierreichs so zu stĂ€rken, dass KrankheitsausbrĂŒche schnell entdeckt und möglichst im Keim erstickt werden.

Lieferketten: Alle LĂ€nder sollen Zugriff auf Schutzmaterial, Medikamente und Impfstoff haben. Gesundheitspersonal soll weltweit zuerst versorgt werden.

Technologietransfer: Pharmafirmen sollen ihr Know-how teilen, damit auch in anderen LÀndern Medikamente und Impfstoffe produziert werden können.

Forschung und Entwicklung: DNA-Sequenzen von Pathogenen - also etwa Viren, Bakterien oder anderen Mikroorganismen - sollen fĂŒr die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen frei zur VerfĂŒgung gestellt werden. Im Gegenzug sollen Impfstofffirmen der WHO zehn Prozent ihrer Produktion zur Verteilung in Ă€rmeren LĂ€ndern spenden und weitere zehn Prozent zu gĂŒnstigen Preisen abgeben - das sogenannte Pabs-System. 

Sind alle Erwartungen erfĂŒllt worden? 

Unterm Strich ja – aber in den gut dreijĂ€hrigen Verhandlungen waren zahlreiche Kompromisse nötig. EuropĂ€er wollten zum Beispiel stĂ€rkere Auflagen bei der PrĂ€vention: Regierungen sollen das Krankheitsgeschehen in der Tierwelt enger ĂŒberwachen, weil Erreger von dort sich an Menschen anpassen können. Ärmere LĂ€nder verwiesen auf die hohen Kosten. Die afrikanischen LĂ€nder wiederum hĂ€tten gerne strengere Auflagen im Pabs-System und beim Technologietransfer gesehen sowie klare Finanzierungshilfen zur StĂ€rkung der Gesundheitssysteme.

Warum warnen Populisten vor dem Vertrag? 

Verschwörungstheoretiker behaupten vor allem in sozialen Netzwerken, die WHO könne nun bei der nĂ€chsten Pandemie Zwangsmaßnahmen anordnen. Auch die konservative Schweizer Wochenzeitung «Weltwoche» haut in diese Kerbe: «Die WHO wĂŒrde mit dem neuen Vertragswerk faktisch zur mĂ€chtigsten Behörde der Welt, zu einer Behörde, die ĂŒber den Ausnahmezustand entscheidet», schreibt sie.

Das ist falsch. In Artikel 22 des Pandemievertrags steht ausdrĂŒcklich, dass weder die WHO noch ihr Generaldirektor innerstaatliche Maßnahmen anordnen, ReisebeschrĂ€nkungen verhĂ€ngen, Impfungen erzwingen oder Lockdowns anordnen können. Der Vertrag gilt nur in LĂ€ndern, die ihn ratifizieren. In dem Vertrag sind keine Strafmaßnahmen vorgesehen, wenn ein Land seinen Verpflichtungen nicht nachkommt.

Wie geht es weiter?

Die ModalitĂ€ten des Pabs-Systems wurden in einen Anhang ausgelagert, der noch ausgehandelt werden muss. Das dĂŒrfte ein weiteres Jahr dauern. Dann erst kann der Vertrag den Regierungen zur Ratifizierung vorgelegt werden. Er tritt erst in Kraft, wenn 60 LĂ€nder ihn ratifiziert haben. Die WHO hat derzeit noch 194 Mitgliedsstaaten, die USA und Argentinien haben jedoch ihren Austritt angekĂŒndigt. 

Was lief bei der Corona-Pandemie schief? 

Als sich 2020 das Coronavirus Sars-Cov-2 von China aus in der ganzen Welt verbreitete, reagierten viele LĂ€nder mit Panik. Masken und Schutzmaterial waren knapp. Regierungen machten sich gegenseitig Bestellungen streitig, viele verhĂ€ngten Ausfuhrsperren fĂŒr solches Material, auch Deutschland. Als endlich Impfstoff da war, horteten LĂ€nder die Impfdosen, die USA und Indien stoppten sĂ€mtliche Ausfuhren. Und wĂ€hrend in reichen LĂ€ndern schon die dritte Impfung verabreicht wurde, warteten Menschen in Ă€rmeren LĂ€ndern noch auf die erste Lieferung. 

Die Folgen: schÀtzungsweise 36 Millionen Tote weltweit - durch eine Infektion oder weil sie wegen anderer Krankheiten in der Pandemie nicht behandelt werden konnten. Die Wirtschaft brach weltweit ein, Millionen von Kleinunternehmen gingen pleite.

@ dpa.de