Royals zelebrieren deutsch-britische Freundschaft
03.12.2025 - 16:47:01 | dpa.deKutschfahrt, Reiterstaffel, SalutschĂŒsse: Erstmals seit 27 Jahren ist mit Frank-Walter Steinmeier ein deutscher BundesprĂ€sident mit vollem Zeremoniell in GroĂbritannien zum Staatsbesuch empfangen worden. Zum Auftakt ihrer dreitĂ€gigen Visite im Vereinigten Königreich wurden Steinmeier und seine Frau Elke BĂŒdenbender von König Charles III. und Königin Camilla mit militĂ€rischen Ehren und royalem Pomp begrĂŒĂt.Â
Der Besuch gilt als Ausdruck eines ZusammenrĂŒckens der beiden VerbĂŒndeten nach dem Brexit. Hintergrund sind nicht zuletzt die angespannte geopolitische Lage mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine und einem wankelmĂŒtigen US-PrĂ€sidenten Donald Trump im WeiĂen Haus, aber auch die schwĂ€chelnde Wirtschaft in beiden LĂ€ndern. Als letzter BundesprĂ€sident hatte Roman Herzog 1998 dem Vereinigten Königreich einen Staatsbesuch abgestattet.
Vor dem Empfang auf Schloss Windsor waren die Besucher bei strahlendem Sonnenschein in einer Kutschprozession durch die kleine Stadt westlich von London gereist. Hunderte Schaulustige sĂ€umten die StraĂen, als König Charles und Steinmeier in der «Irish State Coach», begleitet von berittenen Gardesoldaten, vorbeifuhren. Die deutsche First Lady und die britische Königin sowie Prinz William und Prinzessin Kate saĂen in weiteren Kutschen. Das Thronfolgerpaar hatte die Besucher bereits am Flughafen London Heathrow abgeholt.Â
Beim Staatsbankett auf Schloss Windsor am Abend forderte Steinmeier, die Beziehungen zwischen den beiden LĂ€ndern weiter zu intensivieren. Der Brexit sei ein tiefer Einschnitt gewesen, sagte der BundesprĂ€sident und fĂŒgte hinzu: «Aber im Ergebnis haben wir nicht zugelassen, dass diese Entscheidung unsere Freundschaft beschĂ€digt.» König Charles betonte in seiner mit viel britischem Charme und Humor vorgetragenen Tischrede, die beiden LĂ€nder seien «im festen Glauben an die Demokratie, den Frieden und den Rechtsstaat» vereint und sollten der Zukunft gemeinsam entgegentreten.
Zu den GÀsten im Schatten eines gigantischen Weihnachtsbaums gehörten unter anderem das Model Claudia Schiffer, der Komponist Hans Zimmer, Gruffalo-Zeichner Axel Scheffler und TV-Star Motsi Mabuse.
Steinmeier: Neues Kapitel in Beziehungen aufgeschlagen
Nach dem Empfang durch die Royals reiste Steinmeier aber zunĂ€chst zu einem Treffen mit Premierminister Keir Starmer in den Londoner Regierungssitz 10 Downing Street weiter.Â
«Wir sind zwei LĂ€nder, die Ă€hnlich denken und Ă€hnlich handeln bei Themen wie Migration, Wirtschaftswachstum und Handel (...)», sagte Starmer bei einem kurzen Austausch mit Steinmeier vor laufenden Kameras. Die Beziehung beider LĂ€nder sei in jeglicher Hinsicht eng. Das gelte auf menschlicher Ebene wie auch im Hinblick auf Verteidigung und Sicherheit sowie hinsichtlich der Wirtschaft und der UnterstĂŒtzung der Ukraine, so Starmer weiter.Â
Steinmeier betonte, man habe inzwischen gelernt, mit den Schwierigkeiten durch den Brexit umzugehen und ein neues Kapitel aufgeschlagen. Er fĂŒgte hinzu: «Wir haben eine neue Sicherheitssituation in Europa, wenn nicht in der ganzen Welt. Daher gibt es einen Bedarf fĂŒr engere Zusammenarbeit.» Man spreche aber auch ĂŒber eine engere wirtschaftliche Kooperation.
Erleichterung fĂŒr Klassenfahrten nach GroĂbritannien
Mit der Unterzeichnung des Kensington-Abkommens im Juli beim Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vereinbarten beide Seiten eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft, Migration, Forschung und kultureller Austausch. Zur engeren Verteidigungskooperation hatten beide LĂ€nder zuvor schon das sogenannte Trinity-House-Abkommen geschlossen.
Auf deutscher Seite besteht vor allem der Wunsch, dass junge Menschen wieder einfacher nach GroĂbritannien reisen und dort arbeiten können. Einen ersten Erfolg konnte sie mit der Erleichterung fĂŒr Klassenfahrten verbuchen. Diese können seit einigen Wochen wieder ohne Visumspflicht fĂŒr SchĂŒlerinnen und SchĂŒler ohne deutschen Pass durchgefĂŒhrt werden. Auch Reisepass und Einreisegenehmigung fĂŒr deutsche Kinder sind nicht mehr notwendig. Der Wegfall vereinfachter Einreisebestimmungen durch den Brexit hatte Klassenfahrten zuvor erheblich erschwert.Â
Herzliches VerhÀltnis verbindet Charles und Steinmeier
Der britische König hat ĂŒber seinen verstorbenen Vater, Prinz Philip, familiĂ€re Verbindungen nach Deutschland und spricht auch Deutsch, wie er bei Ansprachen immer wieder unter Beweis gestellt hat. Charles und Steinmeier sind sich in den vergangenen Jahren immer wieder begegnet. Zwischen beiden StaatsoberhĂ€uptern habe sich «ein gutes und herzliches VerhĂ€ltnis entwickelt», heiĂt es im BundesprĂ€sidialamt. Das dĂŒrfte nicht bei jedem Staatsgast, den König Charles empfangen hat, der Fall gewesen sein.Â
Steinmeier und Trump - feine Unterschiede im Besuchsprogramm
Zuletzt war US-PrĂ€sident Donald Trump zu seiner bereits zweiten Staatsvisite auf Schloss Windsor zu Gast. Auch sein Programm enthielt eine Kutschfahrt. Anders als bei Steinmeier wurde sie jedoch in den privaten Teil des weitlĂ€ufigen Parks um Schloss Windsor verlegt - wohl um Störungen durch Proteste vorzubeugen. Der US-PrĂ€sident wurde auch nicht zu einer Rede vor dem Parlament eingeladen. Offizielle BegrĂŒndung war, dass sein Besuch im September wĂ€hrend einer Sitzungspause stattfand.Â
Steinmeier hingegen wird an seinem zweiten Besuchstag im Parlament erwartet. Am dritten Tag reisen Steinmeier und BĂŒdenbender nach Coventry. Die deutsche Luftwaffe hatte die nahe Birmingham in den Midlands gelegene Industriestadt im Zweiten Weltkrieg mehrfach mit schweren Bombenangriffen ĂŒberzogen.
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