Weltstrafgericht: GrÀuel in Darfur nehmen zu
11.06.2024 - 14:03:30Der ChefanklĂ€ger des Internationalen Strafgerichtshofes, Karim Khan, hat deutliche Hinweise auf GrĂ€ueltaten in der Region Darfur im Krisenstaat Sudan. In einem dringenden Aufruf fordert Khan in Den Haag internationale Organisationen, Partner und nationale Behörden dazu auf, Beweise und Informationen zu sammeln und ihm zu ĂŒbergeben.
TĂ€glich erreichten seine Ermittler Informationen aus Darfur, die auf «einen organisierten, systematischen und schweren Angriff auf die MenschenwĂŒrde» deuteten.
Der Strafgerichtshof mit Sitz in Den Haag ermittelt bereits seit 2005 zu Völkermord in Darfur. Es war vom UN-Sicherheitsrat damit beauftragt worden. Das Gericht erlieà 2009 auch einen internationalen Haftbefehl gegen den damaligen PrÀsidenten Sudans Omar al-Bashir wegen des Verdachts auf Völkermord. Ein Schwerpunkt der Ermittlungen ist ein Massaker in West Darfur 2023
Massive und weit verbreitete Vergewaltigungen
Khan nannte nun stĂ€ndige Angriffe auf die Zivilbevölkerung und vor allem auf FlĂŒchtlingslager, massive und weit verbreitete Vergewaltigungen und andere Arten sexueller Gewalt, Bombenangriffe auf Wohngebiete, PlĂŒnderungen und Angriffe auf KrankenhĂ€user. Die Krise verschlimmere sich, das Leiden nehme zu, sagte der ChefanklĂ€ger. «Und wir können nicht sagen, dass es keine Warnung gab.» UN-Experten wĂŒrden bereits von einem erneuten Völkermord sprechen.
Hintergrund der neuen Gewaltwelle ist der blutige Machtkampf zwischen dem sudanesischen faktischen Machthaber Abdel Fattah al-Burhan und seinem frĂŒheren Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo. Er fĂŒhrte nach UN-Angaben zur Flucht von fast zehn Millionen Menschen. Die Hauptstadt Khartum ist in groĂen Teilen zerstört, derzeit finden vor allem in der Provinz Nord Darfur heftige KĂ€mpfe statt.
Khan sagte: «Es ist empörend, dass wir es zulassen, dass sich die Geschichte in Darfur wiederholt. Wir können, und wir dĂŒrfen nicht zulassen, dass Darfur erneut zum vergessenen GrĂ€uel der Welt wird.» Der ChefanklĂ€ger rief insbesondere dazu auf, Fotos, Videos und Tonaufnahmen zu sammeln und Kontakte zu Zeugen zu vermitteln.


