PrÀsidentin, Geschichte

Erste PrÀsidentin in der Geschichte Mexikos gewÀhlt

03.06.2024 - 11:24:26 | dpa.de

Claudia Sheinbaum wird die erste PrĂ€sidentin der zwölftgrĂ¶ĂŸten Volkswirtschaft der Welt. An Herausforderungen mangelt es nicht. Mit Drogenkartellen, Migration und Schulden wird sie umgehen mĂŒssen.

Die linke Regierungskandidatin Claudia Sheinbaum galt als Favoritin bei der PrÀsidentenwahl in Mexiko. Laut vorlÀufigen Teilergebnissen erhielt sie die meisten Stimmen. - Foto: Eduardo Verdugo/AP
Die linke Regierungskandidatin Claudia Sheinbaum galt als Favoritin bei der PrÀsidentenwahl in Mexiko. Laut vorlÀufigen Teilergebnissen erhielt sie die meisten Stimmen. - Foto: Eduardo Verdugo/AP

Mit Feuerwerk und Mariachi-Musik hat die Linkspolitikerin Claudia Sheinbaum ihren deutlichen Wahlsieg bei der PrÀsidentenwahl in Mexiko gefeiert. «In der 200-jÀhrigen Geschichte unserer Republik werde ich die erste PrÀsidentin sein», sagte sie am Sonntagabend (Ortszeit). Tausende AnhÀnger der Regierungskandidatin versammelten sich mit mexikanischen Fahnen auf dem Zócalo-Platz im Herzen der Hauptstadt Mexiko-Stadt und skandierten «PrÀsidentin, PrÀsidentin».

Sie werde sich fĂŒr alle einsetzen, vor allem aber zum Wohle der Armen, kĂŒndigte Sheinbaum an. «Ich werde Mexiko auf den Weg des Friedens, der Sicherheit, der Freiheit und der Gerechtigkeit fĂŒhren. Ich verspreche euch, ich werde mit Demut und Verantwortungsbewusstsein regieren.» Die 61 Jahre alte Ex-BĂŒrgermeisterin von Mexiko-Stadt erhielt laut vorlĂ€ufigen Teilergebnissen rund 58 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt mitteilte. Sie wird ihre sechsjĂ€hrige Amtszeit am 1. Oktober antreten.

Ihre beiden Rivalen von der Opposition rĂ€umten ihre Niederlage ein und gratulierten Sheinbaum zum Sieg. XĂłchitl GĂĄlvez, Kandidatin der drei grĂ¶ĂŸten Oppositionsparteien, landete den vorlĂ€ufigen Teilergebnissen zufolge mit 28 Prozent auf dem zweiten Platz. Jorge Álvarez von der kleineren Mitte-Links-Partei Movimiento Ciudadano kam auf gut zehn Prozent. Das amtliche Endergebnis soll ab Mittwoch vorliegen. Die Regierungspartei Morena, der Sheinbaum angehört, hat den Hochrechnungen zufolge auch bei den Parlaments- und Regionalwahlen gut abgeschnitten.

Die Regierungen der mittelamerikanischen LĂ€nder Guatemala, Honduras und Costa Rica gratulierten Sheinbaum zu ihrem Wahlsieg. Auch aus Deutschland trafen GlĂŒckwĂŒnsche ein. «Wir freuen uns darauf, die Beziehungen in allen Bereichen auszubauen und freuen uns darauf, das mit der neuen mexikanischen Regierung gemeinsam zu gestalten», sagte ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amtes.

Sheinbaum will Sozialpolitik weiter ausbauen

«Mit all meiner Zuneigung und meinem Respekt gratuliere ich Claudia Sheinbaum», sagte ihr politischer Ziehvater, der amtierende linkspopulistische Staatschef Andrés Manuel López Obrador, in einer Videobotschaft.

Sheinbaum plant, die Politik von LĂłpez Obrador fortzusetzen. Sie spricht allerdings von «KontinuitĂ€t mit eigener Handschrift». Trotz der ungebremsten Gewalt der Drogenkartelle genießt LĂłpez Obrador hohe Zustimmungswerte. Nach sechs Jahren Amtszeit durfte er aber nicht erneut antreten.

Sheinbaum möchte LĂłpez Obradors Sozialpolitik mit staatlichen Hilfen fĂŒr junge und alte Menschen beibehalten und noch ausbauen. Im Kampf gegen die gravierende DrogenkriminalitĂ€t will sie weiterhin den StreitkrĂ€ften das Kommando ĂŒberlassen, aber neue Akzente setzen. Im Energiebereich möchte sie im Gegensatz zu LĂłpez Obrador die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien fördern.

Mehr als 20.000 Posten wurden neu vergeben

Es war der grĂ¶ĂŸte Wahltag in der Geschichte der mit 130 Millionen Einwohnern zweitgrĂ¶ĂŸten Volkswirtschaft Lateinamerikas. Mehr als 20.000 Posten wurden neu besetzt. Neben dem PrĂ€sidentenamt standen alle 500 Sitze im Abgeordnetenhaus und die 128 Mandate im Senat zur Abstimmung.

Zudem entschieden die Mexikanerinnen und Mexikaner ĂŒber die Gouverneursposten in acht der 31 Bundesstaaten und im Hauptstadtdistrikt. Fast 100 Millionen BĂŒrger waren wahlberechtigt. Nach den ersten Prognosen konnte die Regierungspartei Morena unter anderem den wichtigen Hauptstadtdistrikt behalten. Der Wahlkampf war von Gewalt ĂŒberschattet: Laut der Beratungsfirma Integralia wurden seit September mindestens 34 Kandidaten getötet.

Eine Technokratin mit großen Herausforderungen

Im Gegensatz zu dem charismatischen LĂłpez Obrador gilt die kĂŒnftige PrĂ€sidentin als Technokratin. LĂłpez Obrador berief sie 2000 als Umweltministerin in das Hauptstadtkabinett, als er zum Regierungschef von Mexiko-Stadt gewĂ€hlt wurde. Sheinbaum wurde spĂ€ter BĂŒrgermeisterin eines Hauptstadtbezirks und ab Dezember 2018 Regierungschefin der Hauptstadt. Sie legte das Amt nieder, um sich fĂŒr das PrĂ€sidentenamt zu bewerben.

Sheinbaum ist studierte Physikerin und promovierte in Energietechnik. Sie beteiligte sich an zwei Sachstandsberichten des Weltklimarats (IPCC), der 2007 fĂŒr seine BemĂŒhungen gegen den Klimawandel den Friedensnobelpreis erhielt. Ihre Eltern waren beide linksgerichtete Wissenschaftler jĂŒdischer Abstammung mit Wurzeln in Litauen und Bulgarien, sie bekennt sich aber zu keiner Religion.

Zu den Herausforderungen der kĂŒnftigen PrĂ€sidentin zĂ€hlen die Gewalt der Drogenkartelle, die hohe Verschuldung der staatlichen Ölkonzerns Pemex und die Beziehungen zu den USA in Fragen Migration, Drogen und Handel. Die Armut ist nach Angaben der Regierung in den vergangenen Jahren zwar durch eine Vielzahl von Sozialprogrammen und die Erhöhung des Mindestlohns zurĂŒckgegangen. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung gilt allerdings noch als arm.

Mexiko ist die zwölftgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft der Welt. Zahlreiche auslĂ€ndische Unternehmen produzieren ihre Waren in Mexiko, um sie weitgehend zollfrei in den US-Markt zu exportieren. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist trotz der schlechten Sicherheitslage positiv.

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