Wahlzettel-Streit, Trump

Wahlzettel-Streit: Trump wendet sich an Oberstes US-Gericht

04.01.2024 - 04:31:45

Darf Donald Trump nach dem Sturm auf das Kapitol erneut als PrÀsident antreten? Diese Frage beschÀftigt nun die Gerichte in den USA - und Trump selbst fordert eine Entscheidung von ganz oben.

Der ehemalige US-PrĂ€sident Donald Trump will erneut ins Weiße Haus einziehen - und einen Streit ĂŒber seine Teilnahme an den anstehenden Vorwahlen vor dem Obersten US-Gerichtshof austragen. Wie sein Wahlkampfteam mitteilte, wandte er sich an den Supreme Court in Washington, um eine Entscheidung im Bundesstaat Colorado zu kippen, wonach er sich fĂŒr die dortige Vorwahl disqualifiziert habe.

KlĂ€ger versuchen derzeit in diversen Bundesstaaten, Trumps Namen auf Grundlage seines Verhaltens am 6. Januar 2021 von Wahlzetteln fĂŒr die PrĂ€sidentschaftsvorwahlen streichen zu lassen. Damals hatten Trumps AnhĂ€nger gewaltsam das Kapitol in Washington gestĂŒrmt - aufgewiegelt durch eine Rede des frisch abgewĂ€hlten US-PrĂ€sidenten, der ohne Beweise behauptete, ihm sei der Sieg gegen Herausforderer Joe Biden durch massiven Betrug gestohlen worden. FĂŒnf Menschen kamen ums Leben, die Bilder der Krawalle brannten sich ins kollektive GedĂ€chtnis der USA.

Das sagen die KlÀger

Wer als PrĂ€sidentschaftskandidat fĂŒr die Republikaner oder die Demokraten antreten will, muss sich zunĂ€chst in parteiinternen Vorwahlen durchsetzen. Um Trump von diesen Vorwahl-Rennen zu disqualifizieren, argumentieren seine Gegner mit dem sogenannten Aufstandsverbot im 14. Verfassungszusatz. Demnach darf niemand ein höheres Amt im Staat bekleiden, der sich zuvor als AmtstrĂ€ger an einem Aufstand gegen den Staat beteiligt hat. Zwar werden in der Passage einige Beispiele fĂŒr solche höheren Ämter genannt, nicht explizit aufgefĂŒhrt ist aber das Amt des PrĂ€sidenten.

In Bundesstaaten wie Michigan und Minnesota scheiterten die Versuche der KlĂ€ger, Trump zu disqualifizieren. In anderen Bundesstaaten stehen Entscheidungen noch aus. In Maine und Colorado fielen indes BeschlĂŒsse gegen Trump. Die beiden Entscheidungen waren in Erwartung von Trumps Einspruch allerdings vorerst ausgesetzt worden. Man ging davon aus, dass die heikle politische Frage am Ende vor dem Obersten Gerichtshof der USA landen dĂŒrfte. Am Mittwoch teilte Trumps Wahlkampfteam dann mit, diesen Schritt tatsĂ€chlich gegangen zu sein.

Das sagt Trumps Team

Trumps Team will mit dem Antrag an das Oberste US-Gericht die Entscheidung des höchsten Gerichtes in Colorado kippen. Es handele sich um einen «unamerikanischen, verfassungswidrigen Akt der Wahleinmischung», hieß es in der Mitteilung. Das Gericht hatte im Dezember geurteilt, dass Trump nicht fĂŒr das PrĂ€sidentenamt geeignet sei und daher nicht an der Vorwahl des Bundesstaates teilnehmen könne. Gegen eine Ă€hnliche Entscheidung der obersten Wahlaufseherin in Maine hatte Trump davor ebenfalls Einspruch eingelegt, allerdings zunĂ€chst in einer unteren Instanz.

Vor dem Supreme Court argumentieren Trumps AnwĂ€lte laut US-Medien nun, das Gericht in Colorado habe seine Befugnisse ĂŒberschritten - die Frage nach der Tauglichkeit eines PrĂ€sidenten sei eine Angelegenheit fĂŒr den US-Kongress und nicht fĂŒr staatliche Gerichte. Der Verfassungszusatz, auf den sich die KlĂ€ger berufen, sei im Falle Trumps nicht anwendbar. Neben dem Ex-PrĂ€sidenten hat auch die Organisation American Center for Law and Justice im Namen der republikanischen Partei in Colorado Berufung gegen die dortige Gerichtsentscheidung eingelegt.

Das sagen Beobachter

Der Supreme Court könnte die Frage theoretisch abweisen. Rechtsexperten rechnen aber damit, dass sich die Richterinnen und Richter der Sache annehmen, um juristisches Chaos im Wahljahr zu vermeiden. Trump hatte wÀhrend seiner Amtszeit die Mehrheit im Gericht deutlich nach rechts verschoben: auf sechs der neun Sitze. Dennoch entschied das Oberste Gericht nicht immer in seinem Sinne.

«Ich fordere das Gericht auf, diesen Fall so schnell wie möglich zu prĂŒfen», kommentierte Colorados Ministerin fĂŒr Äußere Angelegenheiten, Jena Griswold, bei X (vormals Twitter). Ähnlich Ă€ußerten sich Trump nahe stehende Politiker. «Der Oberste Gerichtshof sollte sich sofort mit diesem Fall befassen und die lĂ€cherliche Entscheidung des Gerichts in Colorado aufheben», schrieb zum Beispiel der republikanische Senator von Missouri, Josh Hawley, bei X.

Schon jetzt wird der Fall in den USA mit der historischen Verhandlung ĂŒber die PrĂ€sidentschaftswahl 2000 verglichen. Damals ging es um die Frage, ob die Stimmen im entscheidenden Bundesstaat Florida neu ausgezĂ€hlt werden sollten. Der Supreme Court erklĂ€rte die Wahl fĂŒr beendet und machte damit den Republikaner George W. Bush zum PrĂ€sidenten, der Demokrat Al Gore hatte das Nachsehen.

Das sagt die Uhr

Die Zeit drÀngt. Am 15. Januar beginnen die Vorwahlen der Republikaner mit der ersten Abstimmung im Bundesstaat Iowa. Die republikanischen Vorwahlen in Colorado und Maine stehen am 5. MÀrz an, dem sogenannten Super Tuesday, wenn in einer ganzen Reihe von US-Bundesstaaten abgestimmt wird. Die Wahlzettel allerdings werden mit einigem Vorlauf gedruckt.

Trump will im November wieder fĂŒr die Republikaner antreten, und in Umfragen liegt er im Feld der republikanischen Bewerber bislang mit großem Abstand vorne. FĂŒr die Demokraten will Biden fĂŒr eine zweite Amtszeit ins Rennen gehen. Er hat dabei keine ernstzunehmende interne Konkurrenz.

Neben der juristischen Auseinandersetzung ĂŒber seine Teilnahme an den Vorwahlen stehen Trump in den kommenden Monaten auch mehrere große Gerichtsverfahren wegen diverser strafrechtlicher VorwĂŒrfe bevor - unter anderem wegen des Kapitol-Sturms und seiner Versuche, den Ausgang der PrĂ€sidentenwahl 2020 nachtrĂ€glich umzukehren.

@ dpa.de