Trump, Verurteilung

Trump will offenbar Verurteilung in New York aufheben lassen

02.07.2024 - 04:48:10

Das höchste US-Gericht hat zugunsten Donald Trumps entschieden. Schon kurze Zeit spÀter will der Ex-PrÀsident Profit daraus schlagen - und einen weiteren juristischen Sieg erringen.

  • Fragen zu seiner Kandidatur will der 81-JĂ€hrige nicht beantworten. - Foto: Jacquelyn Martin/AP

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  • Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Trump will die Aufhebung seiner Verurteilung (Archivbild). - Foto: Gerald Herbert/AP/dpa

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Fragen zu seiner Kandidatur will der 81-JĂ€hrige nicht beantworten. - Foto: Jacquelyn Martin/APDer frĂŒhere US-PrĂ€sident Trump will die Aufhebung seiner Verurteilung (Archivbild). - Foto: Gerald Herbert/AP/dpa

Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump bemĂŒht sich Berichten zufolge nach der jĂŒngsten Entscheidung des höchsten Gerichts zur ImmunitĂ€tsfrage um die Aufhebung seiner Verurteilung in New York. Nur wenige Stunden nach dem Beschluss des Supreme Courts hĂ€tten die AnwĂ€lte des Republikaners erste Schritte unternommen und sich mit einem Brief an den zustĂ€ndigen Richter in New York gewandt, berichteten der Sender CNN und die «New York Times» unter Verweis auf nicht namentlich genannte Quellen.

Demnach sollen die AnwĂ€lte den Richter auch gebeten haben, die fĂŒr den 11. Juli angesetzte StrafmaßverkĂŒndung zu verschieben. Trumps Team beruft sich dabei auf die jĂŒngste Entscheidung des Obersten US-Gerichts, wonach US-PrĂ€sidenten weitgehenden Schutz vor Strafverfolgung fĂŒr offizielle Handlungen im Amt genießen - ein «gefĂ€hrlicher PrĂ€zedenzfall», wie US-PrĂ€sident Joe Biden nach dem Richterspruch warnte.

Der Schritt von Trumps AnwĂ€lten war erwartbar und dĂŒrfte wohl aussichtslos sein, könnte wegen der folgenden juristischen Schritte aber zumindest die VerkĂŒndung des Strafmaßes hinauszögern.

Trump will Urteil des Supreme Court nutzen

Trump hatte am Montag einen bedeutsamen Erfolg vor dem höchsten US-Gericht verbucht: Der Supreme Court urteilte, dass er zwar keine vollstĂ€ndige ImmunitĂ€t fĂŒr die Handlungen wĂ€hrend seiner Zeit als PrĂ€sident genießt, aber der Schutz vor Strafverfolgung sehr weitgehend ist.

Mit ihrer Entscheidung verzögern die Richterinnen und Richter den Beginn des Wahlbetrugsprozesses gegen den 78-JĂ€hrigen in der US-Hauptstadt Washington weiter. Nun muss eine untere Instanz herausfinden, fĂŒr welche Handlungen Trumps ImmunitĂ€t gilt. Es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass der Prozess in Washington noch vor der PrĂ€sidentenwahl im November beginnen wird.

In einem anderen Strafverfahren in New York wurde Trump vor wenigen Wochen verurteilt. In dem Prozess um die Verschleierung von Schweigegeld-Zahlungen an eine Pornodarstellerin wurde er von den Geschworenen in allen 34 Anklagepunkten fĂŒr schuldig befunden. Es war das erste Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten, dass ein ehemaliger PrĂ€sident wegen einer Straftat verurteilt wurde. Trump könnte im Ă€rgsten Fall eine mehrjĂ€hrige Haftstrafe drohen.

Juristische Streitigkeiten dĂŒrften noch lange andauern

Der New Yorker Fall ist anders gelagert als etwa das Wahlbetrugsverfahren in Washington, bei dem es um Trumps Versuche geht, das Ergebnis der PrÀsidentenwahl 2020 zu kippen. Damals hatte Trump gegen den Demokraten Biden verloren, wollte seine Niederlage aber nicht akzeptieren. Diese Anklage betrifft seine Zeit als PrÀsident im Amt.

Das Verfahren in New York drehte sich in erster Linie um Trumps Handlungen als PrÀsidentschaftskandidat vor der Wahl 2016. Trump war mit der Argumentation, dass der Fall seine PrÀsidentschaft betreffe, bereits in der Vergangenheit gescheitert. 

Allerdings könnten Trumps AnwĂ€lte argumentieren, dass die Anklage sich in dem Fall auch auf Beweise gestĂŒtzt hat, die aus Trumps Zeit im Weißen Haus stammen. Denn der Supreme Court hat nun entschieden, dass Amtshandlungen von US-PrĂ€sidenten nicht nur vor Strafverfolgung geschĂŒtzt sind. Sie dĂŒrfen auch nicht als Beweise in Strafverfahren angefĂŒhrt werden. SpĂ€testens in einem Berufungsverfahren dĂŒrfte das Thema werden. Trump hatte bereits angekĂŒndigt, nach der StrafmaßverkĂŒndung gegen das Urteil vorzugehen. 

Biden zu ImmunitÀtsurteil: «GefÀhrlicher PrÀzedenzfall»

US-PrĂ€sident Biden kritisierte das ImmunitĂ€tsurteil des Supreme Court und warnte vor schwerwiegenden Folgen. «Die heutige Entscheidung bedeutet mit ziemlicher Sicherheit, dass es praktisch keine Grenzen fĂŒr das Handeln eines PrĂ€sidenten gibt», sagte der Demokrat bei einer kurzfristig anberaumten Ansprache im Weißen Haus. Jeder PrĂ€sident, einschließlich Trump, werde nun die Freiheit haben, das Gesetz zu ignorieren, warnte der 81-JĂ€hrige. Er will bei der PrĂ€sidentenwahl im November gegen Trump antreten. 

Der Supreme Court habe mit seiner Entscheidung ein «grundlegend neues Prinzip» geschaffen: Die Macht des PrĂ€sidentenamtes werde kĂŒnftig nicht mehr durch Gesetze eingeschrĂ€nkt, auch nicht durch das Oberste Gericht, warnte Biden. «Die einzigen Grenzen werden vom PrĂ€sidenten selbst gesetzt.» Die Menschen in den USA hĂ€tten ein Recht darauf, vor den nahenden PrĂ€sidentenwahlen im November eine Antwort der Gerichte zur Rolle Trumps beim Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 zu erhalten. Diese Antwort werde es nach dem Urteil wohl aber nicht mehr geben. 

Biden, der sich nach einem desaströsen Auftritt bei der TV-Debatte in der vergangenen Woche in einer kritischen Phase seines Wahlkampfs befindet, nutzte die Gelegenheit und rief die Menschen zum WÀhlen auf. Fragen zu seiner Kandidatur beantwortete er nicht.

Liberale Richterinnen Ă€ußern fundamentale Bedenken

Das Urteil des Supreme Courts war mit sechs zu drei Stimmen ausgefallen. Die drei als liberal geltenden Richterinnen hatten sich nicht der rechtskonservativen Mehrheit des Supreme Courts angeschlossen, die Trump durch Personalentscheidungen wĂ€hrend seiner Zeit als PrĂ€sident zementiert hatte. In der von Richterin Sonia Sotomayor verfassten abweichenden Meinung Ă€ußerten die Juristinnen ihre «Angst um unsere Demokratie». 

Sotomayor skizzierte denkbare Situationen, in denen der Schutz des PrĂ€sidenten vor Strafverfolgung kĂŒnftig Anwendung finden könnte - als Beispiel nannte sie einen von ihm in Auftrag gegeben Mordanschlag auf einen Rivalen, einen MilitĂ€rputsch des abgewĂ€hlten PrĂ€sidenten oder den Nachweis von Bestechlichkeit.

«Selbst, wenn diese Albtraumszenarien nie eintreten sollten, und ich bete, dass sie es nie tun, ist der Schaden bereits angerichtet», schrieb Sotomayor. «Bei jeder AusĂŒbung seiner Amtsgewalt ist der PrĂ€sident jetzt ein König, der ĂŒber dem Gesetz steht.» Die langfristigen Folgen der Entscheidung seien erheblich. Das Gericht schaffe damit «effektiv eine rechtsfreie Zone um den PrĂ€sidenten und rĂŒttelt am Status quo, der seit der GrĂŒndung der Nation existiert».

@ dpa.de