Umstrittener, PrÀsident

Umstrittener PrÀsident El Salvadors bei Wahl vorne

05.02.2024 - 14:01:23

Das kleinste Land Mittelamerikas galt lange als einer der gefĂ€hrlichsten Orte der Welt. Dann griff Staatschef Bukele gegen die Banden durch - auf Kosten der BĂŒrgerrechte. Die WĂ€hler belohnen ihn.

  • Jubel vor dem PrĂ€sidentenpalast. - Foto: Moises Castillo/AP/dpa

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  • Nayib Bukele und seine Frau Gabriela Rodriguez lassen sich auf dem Balkon des PrĂ€sidentenpalastes feiern. - Foto: Moises Castillo/AP/dpa

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Jubel vor dem PrÀsidentenpalast. - Foto: Moises Castillo/AP/dpaNayib Bukele und seine Frau Gabriela Rodriguez lassen sich auf dem Balkon des PrÀsidentenpalastes feiern. - Foto: Moises Castillo/AP/dpa

El Salvadors umstrittener PrĂ€sident Nayib Bukele steht vor einem klaren Sieg bei der PrĂ€sidenten- und Parlamentswahl in dem mittelamerikanischen Land - obwohl ihm eine zweite Amtszeit gemĂ€ĂŸ Verfassung gar nicht gestattet wĂ€re.

Nach AuszĂ€hlung von 70 Prozent der Stimmenzettel kommt der konservative Staatschef auf einen Stimmenanteil von 83 Prozent, wie das Oberste Wahlgericht mitteilte. Bukele ist fĂŒr sein hartes Vorgehen gegen die KriminalitĂ€t und seinen autoritĂ€ren Kurs bekannt.

Noch wÀhrend die Stimmen ausgezÀhlt wurden, hatte sich der 42-JÀhrige zum Sieger der Wahlen vom Sonntag erklÀrt. Seine Partei Nuevas Ideas (Neue Ideen) habe zudem mindestens 58 der 60 Sitze im Parlament errungen, schrieb er auf der Online-Plattform X, vormals Twitter. «Es wÀre das erste Mal, dass es in einem vollstÀndig demokratischen System nur eine Partei gibt», sagte Bukele vor seinen AnhÀngern. «Die gesamte Opposition wurde pulverisiert.»

«El Salvador war die Mordhauptstadt der Welt»

Tausende jubelnde AnhĂ€nger versammelten sich zum Feiern vor dem Nationalpalast in der Hauptstadt San Salvador. Zur Stimmabgabe waren rund 6,2 Millionen BĂŒrger aufgerufen gewesen, darunter 741.000 Salvadorianer im Ausland. «Hier gibt es keine Spaltung. Die Salvadorianer haben in voller Freiheit und Demokratie dafĂŒr gestimmt, den bisherigen Weg weiterzuverfolgen», sagte Bukele. «Ihr habt gesehen, wie El Salvador von einem der gefĂ€hrlichsten zu einem der sichersten LĂ€nder wurde. Jetzt werdet ihr sehen, was wir in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren machen werden.»

In einer Pressekonferenz wies Bukele am Sonntag den Vorwurf zurĂŒck, er regiere sein Land autokratisch und lasse unschuldige Menschen massenhaft inhaftieren. «El Salvador war die Mordhauptstadt der Welt», sagte der frĂŒhere Werbefachmann. Jetzt sei es das sicherste Land des amerikanischen Kontinents. Das Wahlergebnis werde den Willen der Salvadorianer deutlich zum Ausdruck bringen.

Eigentlich untersagt die Verfassung El Salvadors die direkte Wiederwahl des PrĂ€sidenten. Regierungstreue Verfassungsrichter ließen aber eine Kandidatur Bukeles fĂŒr eine zweite, fĂŒnfjĂ€hrige Amtszeit zu. Um das Verbot zu umgehen, ließ sich der Staatschef am 1. Dezember fĂŒr sechs Monate beurlauben - bis zum Tag der geplanten AmtseinfĂŒhrung am 1. Juni. Eine loyale Beamtin ĂŒbernahm wĂ€hrenddessen formell das politische TagesgeschĂ€ft, Bukeles Einfluss blieb dadurch faktisch unbeschnitten.

Mehr als 75.000 mutmaßliche Bandenmitglieder festgenommen

Der frĂŒhere BĂŒrgermeister der Hauptstadt San Salvador ist seit 2019 PrĂ€sident und hat unter anderem die DigitalwĂ€hrung Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel in El Salvador eingefĂŒhrt. Im Kampf gegen die kriminellen Banden im Land, die sogenannten Maras, ließ er im MĂ€rz 2022 den Ausnahmezustand erklĂ€ren. Dadurch wurden Grundrechte wie die Versammlungsfreiheit eingeschrĂ€nkt. Mehr als 75.000 mutmaßliche Bandenmitglieder wurden seither festgenommen. Kritiker warnen vor einer weiteren SchwĂ€chung der Gewaltenteilung und demokratischen Kontrolle unter Bukeles Ägide im kleinsten Land Mittelamerikas.

Die Bundesregierung rief Bukele zur Wahrung der BĂŒrgerrechte auf. Auch bei einem entschlossenen Kampf gegen die KriminalitĂ€t mĂŒssten Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit beachtet werden, sagte eine Sprecherin des AuswĂ€rtigen Amtes am Montag in Berlin.

@ dpa.de