Putsch in Gabun: MilitĂ€r erklĂ€rt MachtĂŒbernahme
30.08.2023 - 16:03:32Wenige Tage nach der Wahl in Gabun hat das MilitĂ€r nach eigenen Angaben die Macht an sich gerissen. Die Abstimmung, die PrĂ€sident Ali Bongo Ondimba im Amt bestĂ€tigt hatte, sei gefĂ€lscht, sagte eine Gruppe von Offizieren am Mittwochmorgen im Fernsehen des zentralafrikanischen Landes an der AtlantikkĂŒste.
Die Wahlergebnisse wurden annulliert und die Grenzen geschlossen. Und staatliche Institutionen seien ab sofort aufgelöst, hieĂ es weiter von der Gruppe, die sich Ausschuss fĂŒr Ăbergang und Wiederherstellung von Institutionen (CTRI) nennt. Man habe beschlossen, dem «derzeitigen Regime ein Ende zu setzen», sagte einer der Offiziere.
PrÀsident unter Hausarrest
Der PrÀsident wurde nach Angaben der Putschisten unter Hausarrest gestellt. Bongo werde Hochverrat vorgeworfen, teilte die Gruppe im Staatsfernsehen mit. Weitere Regierungsmitglieder sowie Bongos Sohn, Nouredine Bongo, seien festgenommen worden, hieà es.
Der mehr als 50 Jahren autokratisch regierenden Bongo-Familie wird seit langem Korruption vorgeworfen. Sie gilt Berichten zufolge als eine der reichsten Familien der Welt, besitzt eine private Flugzeugflotte, etliche Luxusautos und soll gemÀà der Nichtregierungsorganisation Transparency International Dutzende Residenzen in Frankreich im Wert von vielen Millionen Euro besitzen.
Guterres verurteilt Entwicklung
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres hat den Putschverurteilt. Der Chef der Vereinten Nationen verfolge die Entwicklung sehr genau und nehme die BerichteÂ ĂŒber schwerwiegende VerstöĂe gegen die Grundfreiheiten mit groĂer Besorgnis zur Kenntnis, teilen die UN mit. Alle beteiligten Akteure mĂŒssten ZurĂŒckhaltung ĂŒben und Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte wahren.
Auf die Frage, ob Teile Afrikas vernachlĂ€ssigt wĂŒrden und es deshalb vermehrt zu Umsturzversuchen zuletzt auch in der Sahelzone komme, sagte Guterres' Sprecher Stephane Dujarric: «Wenn man sich die Sahelzone anschaut â ob dort weniger, nicht genĂŒgend Engagement und Investitionen seitens der internationalen Gemeinschaft stattgefunden haben â, denke ich, dass die Antwort wahrscheinlich "Ja" lautet.»
Auch bei frĂŒherer Wahl Manipulation vermutet
Wenige Stunden vor der ErklĂ€rung der MilitĂ€rs hatte die Wahlbehörde den 64-jĂ€hrigen Bongo zum Sieger der Wahl erklĂ€rt - mit 64,27 Prozent der Stimmen. Sein gröĂter Herausforderer, Albert Ondo Ossa, erhielt demnach 30,77 Prozent. Nun hĂ€tte die dritte Amtszeit Bongos begonnen. Er hatte das PrĂ€sidentenamt 2009 von seinem Vater Omar Bongo ĂŒbernommen, der von 1967 bis zu seinem Tod regiert hatte. Eine erste Wiederwahl 2016 hatte Bongo nur mit einem Vorsprung von gut 5000 Stimmen gewonnen. Ihm wurde auch damals Manipulation vorgeworfen. In der Folge kam es zu schweren Ausschreitungen.
Die Bevölkerung des Opec-Mitgliedsstaats Gabun, etwa 2,3 Millionen Menschen, lebt trotz Ăl-Reichtums groĂteils in Armut. Das Land liegt direkt am Ăquator, grenzt im Norden an Kamerun und hat etwa drei Viertel der GröĂe Deutschlands.
Um den Reichtum Bongos gab es immer wieder Skandale. Nach Angaben von Transparency International gehört Gabun zu den korruptesten LĂ€ndern der Welt. 2008 verklagte die Gruppe Bongo aufgrund von Veruntreuung staatlicher Ăleinnahmen durch Privatkonten in Frankreich. Die Ermittlungen endeten jedoch ohne Ergebnis.
Menschen feiern Ende des Bongo-Regimes
Nach der VerkĂŒndung des Putsches waren am Mittwochmorgen in der Hauptstadt Libreville SchĂŒsse zu hören, berichtete der französische Sender RFI. In der westlichen Stadt Port Gentile strömten Augenzeugenberichten zufolge Tausende Einwohner auf die StraĂen, um das Ende des Bongo-Regimes zu feiern.
Die Abstimmung vom 26. August hatte in der ehemaligen französischen Kolonie fĂŒr Kritik gesorgt. WĂ€hrend der AuszĂ€hlung hatte die Regierung am Wochenende den Internetzugang gesperrt, eine Ausgangssperre von 19.00 bis 6.00 Uhr verhĂ€ngt und mehreren französischen Rundfunksendern die Ausstrahlung verboten. Die Wahl war zudem durch das Fehlen internationaler Beobachter geprĂ€gt. Anfragen auslĂ€ndischer Journalisten auf Akkreditierung wurden systematisch abgelehnt.
Der EU-AuĂenbeauftragte Josep Borrell Ă€uĂerte sich am Rande eines EU-Verteidigungsministertreffens im spanischen Toledo besorgt ĂŒber die Berichte aus Gabun. Wenn sich die Informationen bestĂ€tigen sollten, handele es sich um einen weiteren MilitĂ€rputsch, der die InstabilitĂ€t in der Region noch einmal erhöhen werde, sagte er.
Erst vor knapp einem Monat hatte die PrĂ€sidentengarde im Niger den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum abgesetzt. Zuvor hatte in der Sahelzone auch in Mali und Burkina Faso das MilitĂ€r die Macht ĂŒbernommen.
In Gabun war 2019 ein MilitĂ€rputsch gescheitert. Mehrere bewaffnete Soldaten hatten damals den staatlichen Radiosender besetzt und die Einwohner zum Aufstand aufgerufen. SicherheitskrĂ€fte nahmen den Chef der Putschisten aber binnen kurzer Zeit fest und beendeten den Versuch einer MachtĂŒbernahme.





