US-Zeitung, Putin

US-Zeitung: Putin beauftragte Nawalnys Tod nicht direkt

27.04.2024 - 13:46:52

Das Team und die Familie des in Haft gestorbenen Kreml-Gegners werfen Putin vor, den Oppositionellen getötet zu haben. FĂŒr eine direkte Anordnung soll es laut einem US-Medienbericht jedoch keine Hinweise geben.

US-Geheimdienste gehen laut einem Bericht des «Wall Street Journals» davon aus, dass Russlands PrÀsident Wladimir Putin den Tod des Kreml-Gegners Alexej Nawalny nicht direkt angeordnet hat. Dies entbinde Putin zwar nicht von seiner Verantwortung, vertiefe aber das RÀtsel um den Tod des im Februar in einem Straflager gestorbenen Dissidenten, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Geheimdienstquellen.

Zuvor hatte Nawalnys Team im Exil im Ausland unter anderem behauptet, Putin habe Nawalny töten lassen, um einen geplanten Austausch des Gefangenen mit im Westen inhaftierten Russen zu verhindern.

Die EinschĂ€tzung der US-Geheimdienste bestreite nicht die Schuld Putins an Nawalnys Tod, besage aber, dass er ihn zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht angeordnet habe, schrieb die Zeitung. Dieser Meinung seien etwa die CIA, das BĂŒro der US-Geheimdienstkoordinatorin und die Nachrichtendienstabteilung des US-Außenministeriums. Einige europĂ€ische Nachrichtendienste seien ĂŒber die US-EinschĂ€tzung informiert worden.

Nawalny-Vertrauter weist Bericht als naiv zurĂŒck

Der russische Oppositionelle und enge Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow, der im MĂ€rz im litauischen Exil angegriffen und verletzt worden war, wies die EinschĂ€tzung der US-Geheimdienste im «Wall Street Journal» als naiv zurĂŒck. «Die Vorstellung, dass Putin nicht informiert gewesen ist und die Tötung Nawalnys nicht gutgeheißen hat, ist lĂ€cherlich.»

Der Kreml hĂ€lt den Bericht der Zeitung nach eigenen Angaben fĂŒr inhaltsleere LektĂŒre, um das weltweite Lesepublikum am Samstag bei Laune zu halten. «Ich wĂŒrde nicht sagen, dass es sich um Material hoher QualitĂ€t handelt», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Der Kreml hatte immer wieder zurĂŒckgewiesen, etwas mit Nawalnys Tod zu tun zu haben.

Bericht: Biden und Scholz sprachen ĂŒber Gefangenenaustausch

Gleichwohl hatte Putin erklĂ€rt, dass er nichts gegen einen Austausch Nawalnys gehabt hĂ€tte. Dem Zeitungsbericht zufolge sollen US-PrĂ€sident Joe Biden und Kanzler Olaf Scholz eine Woche vor Nawalnys Tod ĂŒber einen Vorschlag fĂŒr einen Gefangenenaustausch gesprochen haben. Moskau hatte vor allem Interesse daran, einen in Deutschland inhaftierten Russen wegen des Mordes an einem Georgier im Berliner Tiergarten freizubekommen.

Nawalny starb am 16. Februar nach Behördenangaben im Straflager mit dem inoffiziellen Namen «Polarwolf» in der sibirischen Arktisregion Jamal. Die UmstĂ€nde seines Todes sind nicht geklĂ€rt. Der durch einen Giftanschlag 2020 und wiederholte Einzelhaft im Lager geschwĂ€chte Politiker soll bei einem Rundgang auf dem eisigen GefĂ€ngnishof zusammengebrochen und trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben sein. Nach Angaben von Nawalnys Team ist im Totenschein von «natĂŒrlichen» Ursachen die Rede. Nawalnys Angehörige sprechen von Mord.

@ dpa.de