Donald Trump, Georgia

Trump will sich Donnerstag im GefÀngnis melden

22.08.2023 - 16:48:15

Dass sich ein Ex-US-PrĂ€sident in einem Strafverfahren verantworten muss, gab es noch nie. FĂŒr den Republikaner Trump sind es gleich vier. In Atlanta steht nun der nĂ€chste aufsehenerregende Auftritt an.

Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump will sich nach der Anklage im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug im Bundesstaat Georgia im BezirksgefĂ€ngnis in Atlanta den Behörden stellen. Trump schrieb auf der von ihm mitbegrĂŒndeten Plattform Truth Social, er werde am Donnerstag nach Atlanta reisen, um sich dort von einer «radikal linken» StaatsanwĂ€ltin festnehmen zu lassen. Nach der Veröffentlichung der Anklage gegen ihn muss der PrĂ€sidentschaftsbewerber Trump in Georgia - anders als bei vorherigen Anklagen - zur Registrierung im GefĂ€ngnis vorstellig werden und nicht vor Gericht.

In dem Fall in Atlanta setzte das Gericht fĂŒr Trump eine Kaution in Höhe von 200.000 US-Dollar (rund 184.000 Euro) fest, damit er auf freiem Fuß bleiben kann. In den vier laufenden Strafverfahren gegen ihn ist es das erste Mal, dass eine solche Geldauflage bekannt wurde.

Ein Geschworenengremium in Atlanta hatte entschieden, dass sich Trump vor Gericht verantworten soll wegen seiner Versuche, den Ausgang der PrÀsidentenwahl 2020 in Georgia zu beeinflussen. Die zustÀndige StaatsanwÀltin Fani Willis hatte Trump und 18 weiteren Beschuldigten eine Frist bis zu diesem Freitag gesetzt, um bei den Behörden in Atlanta vorstellig zu werden. Es drohen lange Haftstrafen.

Georgia bei der Wahl 2020 ganz knapp verloren

In der fast hundert Seiten langen Anklageschrift wird Trump und mehreren Komplizen unter anderem vorgeworfen, öffentliche AmtstrĂ€ger gedrĂ€ngt zu haben, ihren Amtseid zu verletzen, um den Wahlausgang in Georgia nachtrĂ€glich zu kippen. Trump hatte den Bundesstaat bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 ganz knapp verloren. Besonders heikel in der Anklage ist ein Straftatbestand aus dem sogenannten Rico-Gesetz. Der ermöglicht es, gegen mehrere Angeklagte gleichzeitig als Teil einer kriminellen Vereinigung vorzugehen. Das Gesetz wurde ursprĂŒnglich erlassen, um gegen Schutzgelderpressung der Mafia vorzugehen.

Rund um das BezirksgefĂ€ngnis in Atlanta wurden die Sicherheitsvorkehrungen bereits verstĂ€rkt. Am Dienstag wurden dort bereits die ersten der insgesamt 19 Angeklagten vorstellig, darunter auch Trumps frĂŒherer Anwalt John Eastman. Er gilt als einer der wichtigsten Köpfe hinter dem versuchten Wahlbetrug, fĂŒr ihn war eine Kautionssumme von 100.000 Dollar festgesetzt worden. «Meine AnwĂ€lte und ich werden jeden einzelnen Aspekt dieser Anklage energisch bekĂ€mpfen», hieß es in einer Mitteilung von Eastman.

Bei einem solchen Termin werden ĂŒblicherweise etwa die Personalien der Betroffenen aufgenommen und Polizeifotos gemacht. Es kann sich dabei formal um eine Festnahme handeln. Bei den bisherigen Anklagen gegen Trump in New York, Washington und Miami wurde dieses Prozedere in den zustĂ€ndigen Gerichten kurz vor der Anklageverlesung durchgefĂŒhrt. Auf Polizeifotos wurde damals verzichtet. Ob Trump auch in Atlanta um Polizeifotos herumkommen wird, ist noch unklar.

Aus Gerichtsunterlagen, die am Montag veröffentlicht wurden, geht auch hervor, dass sich Trump zu Einzelheiten des Falls - außer ĂŒber AnwĂ€lte - nicht mit den 18 anderen Beschuldigten austauschen darf. Verboten sind ihm ebenso EinschĂŒchterungen möglicher Zeugen und Behinderungen der juristischen Arbeit. StaatsanwĂ€ltin Willis schlug in dem Fall eine Anklageverlesung in der Woche vom 5. September und einen Prozessbeginn im MĂ€rz kommendes Jahr vor. Es ist aber sehr gut möglich, dass sich dieser Termin noch verzögern wird.

Niederlage bis heute nicht eingestanden

Trump ist bereits auf Bundesebene in Washington wegen seines Feldzuges gegen die eigene Niederlage bei der Wahl 2020 angeklagt worden. Bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 hatte er gegen seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden verloren. Diese Niederlage gesteht Trump bis heute aber nicht ein, sondern verbreitet die LĂŒge, durch Wahlbetrug um den Sieg gebracht worden zu sein.

Außerdem wurden in New York und Miami Anklagen gegen Trump erhoben. Der New Yorker Fall steht im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar. Der Fall in Miami dreht sich um die Aufbewahrung von streng geheimen Regierungsunterlagen in einem Privatanwesen Trumps. Der 77-JĂ€hrige weist alle VorwĂŒrfe zurĂŒck und spricht von einer politisch motivierten «Hexenjagd», die ihn nur davon abhalten solle, ein weiteres Mal ins Weiße Haus einzuziehen. Der einstige Immobilienmogul ist der erste Ex-PrĂ€sident in der US-Geschichte, der sich wegen mutmaßlicher Straftaten vor Gericht verantworten muss.

Trump versucht, den Beginn der Gerichtsverfahren so weit wie möglich hinauszuzögern - auch mit Blick auf den Wahlkampf: Er will bei der PrĂ€sidentschaftswahl 2024 fĂŒr die Republikaner noch einmal antreten. In den USA gibt es keine Regelung, die ihm dies im Fall einer Verurteilung verwehren wĂŒrde - auch nicht den Einzug ins Weiße Haus.

@ dpa.de