USA, Regierung

Klage, Verbotszone: Widerstand in Chicago gegen Trump wÀchst

06.10.2025 - 19:47:00 | dpa.de

Demokratische StĂ€dte wehren sich: Sie rufen Gerichte um Hilfe, um von Trump angeordnete SoldateneinsĂ€tze auf ihren Straßen zu unterbinden. Die Stimmung kocht weiter hoch.

  • Die Stadt Chicago und der Bundesstaat Illinois klagen gegen die US-Regierung. (Archivbild) - Foto: Ashlee Rezin/Chicago Sun-Times/AP/dpa
    Die Stadt Chicago und der Bundesstaat Illinois klagen gegen die US-Regierung. (Archivbild) - Foto: Ashlee Rezin/Chicago Sun-Times/AP/dpa
  • Es gibt Proteste gegen die Einwanderungsbehörde ICE in Portland.  - Foto: Ethan Swope/AP/dpa
    Es gibt Proteste gegen die Einwanderungsbehörde ICE in Portland. - Foto: Ethan Swope/AP/dpa
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Der Widerstand in demokratisch regierten GroßstĂ€dten gegen die Trump-Regierung und ihr Vorgehen gegen Migranten wĂ€chst. Nach Portland klagt auch die Millionenstadt Chicago dagegen, dass US-PrĂ€sident Donald Trump die Nationalgarde in den StĂ€dten einsetzen will, um dort gegen angeblich ausufernde KriminalitĂ€t und Proteste gegen Razzien der Migrationsbehörde ICE vorzugehen. Seit Monaten herrscht Streit zwischen der Regierung in Washington und einigen Bundesstaaten und StĂ€dten, in denen sie die Nationalgarde eingesetzt oder ein solches Vorgehen angekĂŒndigt hat. Die Bundesstaaten sehen sich in ihrer SouverĂ€nitĂ€t verletzt. 

Die jĂŒngste Klage

Die jĂŒngste Klage strengen der US-Bundesstaat Illinois und die Stadt Chicago an. Es sei rechtswidrig, dass Trump und seine Regierung Nationalgardisten unter Bundeskontrolle stellten, um in der Stadt gegen angeblich ausufernde KriminalitĂ€t vorzugehen, hieß es in der Klage. 

Der Streit um einen Einsatz der Nationalgarde in Chicago, wo seit Wochen Menschen gegen Razzien der Einwanderungsbehörde ICE protestieren, war am Wochenende weiter hochgekocht: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ordnete an, etwa 300 Nationalgardisten aus Illinois unter Bundeskontrolle zu stellen, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Sie sollten demnach Bundesbeamte, etwa von ICE, und Bundeseigentum schĂŒtzen. 

Illinois' Gouverneur JB Pritzker erklĂ€rte in der Nacht zum Montag auf X, dass Trump zudem 400 Nationalgardisten aus dem republikanisch regierten Texas einberufen habe, um sie in Illinois, in Oregon und weiteren Orten in den USA einzusetzen. «Wir mĂŒssen nun anfangen, es als das zu bezeichnen, was es ist: Trumps Invasion», schrieb der Demokrat. Die Klage geht explizit auf den geplanten Einsatz von Nationalgardisten aus Illinois und Texas ein. 

Chicago schafft Verbotszonen fĂŒr ICE-EinsĂ€tze

Flankierend will Chicago ICE verbieten, sich an ausgewĂ€hlten PlĂ€tzen aufzuhalten. Der demokratische BĂŒrgermeister Brandon Johnson stellte eine Anordnung vor, die ICE-freie Zonen vorsieht. Die Stadt verbietet nach Aussagen Johnsons den ICE-EinsatzkrĂ€ften, etwa Kontrollpunkte in Parks oder auf öffentlichen ParkplĂ€tzen Sammelpunkte einzurichten. Private Einrichtungen könnten sich auch an die Stadt wenden, um sicherzugehen, dass ICE-Beamte nur mit einem Durchsuchungsbefehl das GelĂ€nde betreten dĂŒrfen.

Die Stadt macht der Migrationsbehörde schwere VorwĂŒrfe. So hĂ€tten Beamte besonders in der vergangenen Woche Razzien fĂŒr Machtdemonstrationen genutzt. Dabei hĂ€tten sie TrĂ€nengas versprĂŒht. Menschen seien gejagt worden, zum Teil seien Kinder bei den VorfĂ€llen anwesend gewesen. Johnson sprach von einer «Zurschaustellung von Tyrannei». Auch bei Protesten gegen die ICE-EinsĂ€tze seien EinsatzkrĂ€fte hart vorgegangen. 

Die US-Regierung stellt die Lage seit Wochen anders dar und verweist darauf, dass ICE ihre Arbeit mache und das amerikanische Volk vor Kriminellen - angeblich den «Schlimmsten der Schlimmen» - geschĂŒtzt werden solle. Es ist Teil des verschĂ€rften Anti-Migrationskurses von Trump. 

Klagen zum Einsatz von Nationalgardisten mehren sich vor Gericht

Die Klage aus Chicago ist nicht der erste Fall. JĂŒngst hatten bereits der Bundesstaat Oregon und die Stadt Portland gegen Trump geklagt. Ein Gericht stoppte daraufhin vorerst den Einsatz von Nationalgardisten aus Oregon. Die US-Regierung reagierte, in dem sie Soldaten aus einem anderen Bundesstaat - Kalifornien - nach Portland beorderte. Doch auch diesen Schritt blockierte das Gericht wenig spĂ€ter.

Ein Gericht in Kalifornien hatte der US-Regierung zudem vor lÀngerem bereits einen Einsatz von Soldaten in Los Angeles zur zivilen Strafverfolgung untersagt.

In den USA haben die Gouverneure eines Bundesstaates normalerweise die Kontrolle ĂŒber die Nationalgarde. In Kriegszeiten oder bei nationalen NotfĂ€llen kann aber der US-PrĂ€sident das Kommando ĂŒbernehmen. Die Nationalgarde ist eine militĂ€rische Reserveeinheit und Teil der US-StreitkrĂ€fte. Sie kann etwa bei Naturkatastrophen, Unruhen oder NotfĂ€llen im Inneren eingesetzt werden.

Trump: «Es ist ein Krieg von innen»

Trump prangert das Problem der StraßenkriminalitĂ€t öffentlichkeitswirksam nur in den demokratisch regierten StĂ€dten an. Kritiker werfen ihm vor, mit dem Einsatz der Nationalgarde eine Show zu veranstalten und politische Gegner einschĂŒchtern zu wollen. 

Vergangene Woche sorgte der Republikaner zusĂ€tzlich fĂŒr Irritationen, als er vor hochrangigen MilitĂ€rs sagte, man sollte «einige dieser gefĂ€hrlichen StĂ€dte als TrainingsgelĂ€nde fĂŒr unser MilitĂ€r» nutzen. StĂ€dte wie San Francisco, Chicago, New York City oder Los Angeles seien zu «sehr unsicheren Orten» geworden, die man nacheinander in Ordnung bringen wĂŒrde. Der US-PrĂ€sident verwendete dabei martialische Rhetorik: «Auch das ist Krieg. Es ist ein Krieg von innen», sagte Trump. 

Die immer neuen AnkĂŒndigungen und Äußerungen des PrĂ€sidenten schĂŒren Sorgen, dass sich die Stimmung in den StĂ€dten mit Blick auf laufende ICE-Razzien aufheizen und in Auseinandersetzungen und Gewalt mĂŒnden könnten.

Trump hatte bereits vor Monaten Soldaten nach Los Angeles geschickt mit dem Ziel, Proteste gegen ICE-Razzien zurĂŒckzudrĂ€ngen. Vor Wochen hatte der US-PrĂ€sident außerdem einen Einsatz der Nationalgarde in der US-Hauptstadt Washington veranlasst, um die aus seiner Sicht ausufernde KriminalitĂ€t einzudĂ€mmen. Washington hatte er damals als «Rattenloch» beschrieben.

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