Israel greift Syriens militĂ€rische FĂŒhrung in Damaskus an
16.07.2025 - 17:24:27 | dpa.deInmitten der sich verschĂ€rfenden Gewalt in Syrien hat das Nachbarland Israel das Zentrum von Damaskus bombardiert. Die israelische Armee griff dort nach eigenen Angaben das militĂ€rische Hauptquartier an. Sie stellte das in Zusammenhang mit dem Gewaltausbruch im SĂŒden des Landes: Man beobachte das Vorgehen der syrischen Regierung gegen die Drusen dort genau. Kurz nach dem Angriff auf das Hauptquartier kam es laut Augenzeugen zu weiteren schweren Explosionen auf dem GelĂ€nde, auf dem auch das Verteidigungsministerium liegt.Â
Fast zeitgleich griff Israels Armee nach eigener Darstellung in der NĂ€he des PrĂ€sidentenpalastes in Damaskus an und erklĂ€rte, dort habe es ein «militĂ€risches Ziel» gegeben. Der Palast ist der Amtssitz von PrĂ€sident Ahmed al-Scharaa. Wo al-Scharaa, die syrischen Minister und weitere ranghohe Regierungsmitglieder sich zum Zeitpunkt der Angriffe aufhielten, war unklar. Nach offiziellen syrischen Angaben wurden in Damaskus 13 Menschen verletzt.Â
Mit den Luftangriffen griff Israels MilitĂ€r noch deutlich stĂ€rker als bisher in die seit Tagen anhaltende Gewalt im Nachbarland ein. Israelischen Medien zufolge bereitet sich das MilitĂ€r auf mehrtĂ€gige EinsĂ€tze in Syrien vor. Im SĂŒden Syriens waren KĂ€mpfe zwischen drusischen Milizen und sunnitischen Beduinen ausgebrochen, woraufhin die syrische Regierung Truppen und andere SicherheitskrĂ€fte schickte.Â
Seit Sonntag wurden laut Menschenrechtsaktivisten mehr als 300 Menschen getötet, darunter mehr als 20, die «hingerichtet» worden seien. Darunter seien etwa 180 Truppen und SicherheitskrĂ€fte der Regierung, teilte die Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte mit. Armeekreise bestĂ€tigten Todeszahlen in ihren Reihen in Ă€hnlicher Höhe. Drusische Quellen bestĂ€tigten, dass mehr als 250 Menschen in Suwaida getötet worden seien.
Warum greift Israel in Syrien ein?Â
Nach eigenen Angaben will Israel mit den Angriffen auf Truppen der syrischen Regierung die Drusen schĂŒtzen. Israel fĂŒhlt sich ihrem Schutz verpflichtet, auch weil viele Drusen im israelischen MilitĂ€r dienen. Sie sind eine religiöse Minderheit, die aus dem schiitischen Islam hervorging. Sie leben mehrheitlich in Syrien, aber auch in Israel, dem Libanon und Jordanien. Die syrische Provinz Suwaida im SĂŒden ist ihre Hochburg.Â
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz teilte mit: «Das syrische Regime muss die Drusen in Suwaida in Ruhe lassen und seine Truppen abziehen.» Das MilitĂ€r werde seine Angriffe auf die syrischen Truppen noch verstĂ€rken, «wenn die Botschaft nicht ankommt». Israel möchte die Drusen laut Beobachtern auch stĂ€rken, um zu verhindern, dass sich in Gebieten nahe der eigenen Grenze vom Iran unterstĂŒtzte oder islamistische Gruppen ansiedeln.Â
Viele syrische Drusen lehnen ein Eingreifen Israels ab und befĂŒrchten die Einmischung von auĂen in syrische Angelegenheiten. In Suwaida verteidigen drusische Milizen die örtliche Gemeinde. Diese wehrt sich gegen den staatlichen Einfluss aus Damaskus und auch gegen Versuche der Regierung, drusische Milizen aufzulösen.
Wie stehen Israel und Syrien zueinander?
Eigentlich befinden sich beide LĂ€nder seit GrĂŒndung Israels im Jahr 1948 offiziell im Krieg. Durch den Sturz von Syriens Machthaber Baschar al-Assad im Dezember, der mit Israels Erzfeind Iran verbĂŒndet war, schienen solche Schritte zumindest möglich. Auch die USA sehen Syrien als wichtiges Land im Versuch, Israel in der Nahost-Region mehr zu integrieren und den Druck auf den Iran zu erhöhen.Â
Die konfessionellen Spannungen zeigen zugleich, dass ein von den USA erhoffter Deal ĂŒber eine mögliche AnnĂ€herung der beiden LĂ€nder nicht schnell zu erreichen ist.Â
Wie am Dienstag versuchten auch am Mittwoch einige Drusen aus Israel, die Grenze zu Syrien zu ĂŒberqueren, um andere Drusen dort zu unterstĂŒtzen. AnfĂŒhrer der Drusen in Israel machen zugleich Druck auf die israelische FĂŒhrung, in den Konflikt im Nachbarland einzugreifen.
Laut Israels Armee versuchten zugleich «Dutzende VerdĂ€chtige» von Syrien aus auf israelisch kontrolliertes Gebiet zu gelangen. Die Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte erklĂ€rte der Deutschen Presse-Agentur, dass es sich um syrische Drusen handle, die in Israel Schutz suchten.
Wie steht die syrische Regierung zu der drusischen Minderheit?
Die Regierung hat erklĂ€rt, im SĂŒden fĂŒr StabilitĂ€t sorgen und Zivilisten schĂŒtzen zu wollen. Nach Erkenntnissen der Syrischen Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte kĂ€mpfen die Truppen und SicherheitskrĂ€fte der Regierung aber an der Seite sunnitischer Beduinen und gegen drusische Milizen kĂ€mpfen.
Im Internet kursierten zudem Fotos und Videos von Gewalt und DemĂŒtigungen gegenĂŒber der Drusen, denen demnach SchnurrbĂ€rte abrasiert wurden. Diese sind fĂŒr viele Symbol von WĂŒrde und Ausdruck ihrer religiösen IdentitĂ€t. Die geistlichen AnfĂŒhrer der Drusen waren uneins darĂŒber, ob die drusischen Milizen mit den Regierungstruppen kooperieren oder sie bekĂ€mpfen sollten. Das Misstrauen gegenĂŒber den neuen Machthabern in Damaskus ist weiterhin groĂ.Â
Die Regierung in Damaskus rief die SicherheitskrĂ€fte zur Disziplin auf. Die Beobachtungsstelle berichtete von PlĂŒnderungen und Vandalismus, teils hĂ€tten Regierungstruppen und deren VerbĂŒndete auch Feuer gelegt.Â
Was sagen die KĂ€mpfe aus ĂŒber die Lage in Syrien?
Die neue Gewalt rĂŒckt die konfessionellen Spannungen in Syrien wieder in den Fokus. Im Land tobte ab 2011 ein blutiger BĂŒrgerkrieg mit Hunderttausenden Toten und Millionen Vertriebenen. Als Assad im Dezember gestĂŒrzt wurde, gab es Hoffnung, dass die neue Regierung al-Scharaas fĂŒr neue StabilitĂ€t sorgen wĂŒrde. Seitdem kam es aber wiederholt zu Gewalt mit teils Hunderten Toten.
Die Leidtragenden der KĂ€mpfe sind erneut vor allem Zivilisten, die in Syrien immer wieder Gewalt und Vertreibung erleben mussten. Viele Menschen flĂŒchteten aus der Gegend, um sich in Sicherheit zu bringen. Fotos und Videos zeigten Familien, die Suwaida in Richtung benachbarter Dörfer verlieĂen. Weil Suwaida vor allem von Damaskus aus mit Waren beliefert wird, wĂ€chst die Sorge vor einer Knappheit an Lebens- und Arzneimitteln. Die Lage im örtlichen Krankenhaus soll katastrophal sein.
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