Investitionsbank-Chef: Ukraine kann wirtschaftlich mithalten
28.07.2023 - 08:42:36Der PrĂ€sident der EuropĂ€ischen Investitionsbank (EIB), Werner Hoyer, hĂ€lt die Ukraine auch mit Blick auf einen möglichen EU-Beitritt wirtschaftlich fĂŒr wettbewerbsfĂ€hig. «Es ist ein Land, das locker mit uns mithĂ€lt», sagte der frĂŒhere FDP-Politiker der «Augsburger Allgemeinen».
«Im Bereich der Digitalisierung sind die Ukrainer Lichtjahre weiter als die meisten mitteleuropĂ€ischen Staaten, auch Deutschland». ErwĂ€hnenswert sei auch die Landwirtschaft, die fĂŒr die globale Getreideversorgung eine wichtige Rolle spielt. «Und sie haben eine Industrie, die schon in der Sowjetunion die Speerspitze der Entwicklung war - zum Beispiel in der MilitĂ€rtechnologie.»
Korruption ist ein Problem
Es gebe aber auch erhebliche Probleme, betonte Hoyer. «Ich bin nicht naiv. Die Korruption ist endemisch und extrem. Deswegen muss man wachsam sein.» Es sei aber falsch, das Land zu unterschĂ€tzen. «Wir mĂŒssen die Vorstellung ĂŒberwinden, hier kommt ein Land mit zig Millionen Bettlern zu uns.» Die HĂŒrden fĂŒr die Ukrainer, sich mit Reformprozessen auf eine EU-Mitgliedschaft vorzubereiten, halte er fĂŒr Â«ĂŒberwindbar».
Die EIB engagiere sich in der Ukraine vor allem in der Projektfinanzierung fĂŒr kritische Infrastruktur, was aber mitten im Krieg sehr risikoreich sei. «Da geht schon mal ein von uns finanziertes Krankenhaus in die Luft», sagte Hoyer der Zeitung. «Eine wunderschöne BrĂŒcke, die wir finanziert hatten, wurde von den Ukrainern selbst abgerissen, weil auf der anderen Seite des Flusses die russischen Panzer standen.» Er sprach sich dennoch fĂŒr einen rechtzeitigen Wiederaufbau aus: «Die Wiederaufbaukosten werden umso höher ausfallen, je spĂ€ter wir damit anfangen.»
Die EIB arbeitet eng mit anderen EU-Einrichtungen zusammen. Seit ihrer GrĂŒndung im Jahr 1958 hat die Förderbank der EuropĂ€ischen Union nach eigenen Angaben mehr als eine Billion Euro investiert. Die Mittel dafĂŒr werden ĂŒberwiegend an den KapitalmĂ€rkten aufgenommen, mĂŒssen also mit Zinsen zurĂŒckgezahlt werden. Im Vordergrund steht derzeit vor allem der Klimaschutz. FĂŒr einen neuen Ukraine-Fonds der EIB hatten EU-Mitgliedstaaten rund 400 Millionen Euro zugesagt.


