Litauen: Stichwahl um PrÀsidentenamt mit klarem Favoriten
26.05.2024 - 15:49:43In Litauen haben die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger in einer Stichwahl ĂŒber ihr kĂŒnftiges Staatsoberhaupt abgestimmt. Nach der SchlieĂung der Wahllokale um 20.00 Uhr Ortszeit (19.00 Uhr MESZ) lĂ€uft in dem baltischen EU- und Nato-Land die AuszĂ€hlung der Stimmen an. Das Ergebnis wird in der Nacht erwartet.
Als klarer Favorit ging der seit 2019 amtierende Staatschef Gitanas Nauseda in das Duell. Seine Kontrahentin war Regierungschefin Ingrida Simonyte - wie schon bei der vorigen PrÀsidentenwahl.
Nach Angaben der Wahlkommission gab knapp die HĂ€lfte der rund 2,4 Millionen Berechtigten in dem Land, das an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie Russlands engen VerbĂŒndeten Belarus grenzt, ihre Stimme ab. Damit lag die Beteiligung deutlich niedriger als bei der ersten Wahlrunde am 12. Mai. Damals holte Nauseda mit knapp 44 Prozent klar die meisten Stimmen und gewann 57 von 60 Wahlbezirken - aber nicht die absolute Mehrheit. Simonyte kam auf gut 20 Prozent.
Nauseda hat sich als entschlossener UnterstĂŒtzer der von Russland angegriffenen Ukraine einen Namen gemacht. International profilierte er sich zudem als engagierter Vertreter der Interessen seines Heimatlandes, das durch seine Lage an der Nato-Ostflanke in der geopolitischen Konfrontation mit Russland besonders exponiert ist. Deutschland will eine gefechtsbereite Brigade mit bis zu 5000 deutschen Soldaten dauerhaft in dem Land stationieren.
Unterschiede beim Recht auf Abtreibung und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften
In der Stichwahl erwarten viele Litauer wie 2019 einen klaren Sieg von Nauseda. Der 60-JĂ€hrige selbst zeigt sich im Wahllokal zuversichtlich, will aber nicht ĂŒber sein mögliches Wahlergebnis spekulieren. Seine Chancen in der zweiten Runde schĂ€tze er als gut ein, sagte er nach der Stimmabgabe. Auch Simonyte gibt sich optimistisch, eine Alternative fĂŒr die WĂ€hler sein zu können. Im Falle ihres Wahlsiegs werde sie die Ausrichtung des Staates - proeuropĂ€isch, westlich - keinesfalls Ă€ndern. Sie wolle sich aber fĂŒr schnelleren Fortschritt, gröĂere Offenheit und mehr Toleranz einsetzen, sagte die 49-jĂ€hrige.
In Litauen hat das Staatsoberhaupt vorwiegend reprĂ€sentative Aufgaben, im Vergleich zum deutschen BundesprĂ€sidenten aber weitergehende Kompetenzen in der AuĂen- und Verteidigungspolitik. Bei vielen Fragen sprechen Nauseda und Simonyte dabei mit einer Stimme. Entschieden befĂŒrworten beide etwa eine starke Rolle der Nato fĂŒr die Sicherheit der Region und unterstĂŒtzen höhere MilitĂ€rausgaben.
Unterschiede zwischen den beiden konservativen Ăkonomen bestehen bei gesellschaftspolitischen Fragen wie dem Recht auf Abtreibung und der Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Dabei vertritt Simonyte in dem katholisch geprĂ€gten Litauen eine liberalere Haltung als Nauseda.


