Republikaner, Pence

Republikaner Pence zieht PrĂ€sidentschaftsbewerbung zurĂŒck

28.10.2023 - 22:36:49

Der Ex-VizeprĂ€sident war in Umfragen weit abgeschlagen, auch die Finanzierung seiner Kampagne bereitete Probleme. FĂŒr Pences Ex-Chef Trump bedeutet der RĂŒckzug: ein Konkurrent weniger.

Der ehemalige US-VizeprĂ€sident Mike Pence will nicht mehr PrĂ€sident der Vereinigten Staaten werden. Der Republikaner sagte in Las Vegas, er ziehe sich aus dem parteiinternen Rennen um die PrĂ€sidentschaftskandidatur fĂŒr die Wahl im kommenden Jahr zurĂŒck.

«Dies ist nicht meine Zeit. Nach vielem Beten und Überlegen habe ich beschlossen, meinen Wahlkampf fĂŒr das PrĂ€sidentenamt mit dem heutigen Tag aufzugeben.»

Der 64-JĂ€hrige war in Umfragen weit abgeschlagen und hatte Medienberichten zufolge Probleme bei der Beschaffung von Geldern fĂŒr seine Kampagne. «Wir wussten immer, dass dies ein harter Kampf sein wĂŒrde, aber ich bereue nichts», sagte Pence vor Publikum, das hörbar ĂŒberrascht auf die Mitteilung reagierte. Er verlasse den Wahlkampf, aber werde den «Kampf fĂŒr konservative Werte niemals aufgeben», versprach Pence.

Wenig beliebt

Der evangelikale Christ hatte durch seine Amtszeit als VizeprĂ€sident zwar einen hohen Bekanntheitsgrad, dennoch hatte er mit schlechten Beliebtheitswerten zu kĂ€mpfen. Das republikanische Bewerberfeld wird angefĂŒhrt vom frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Donald Trump. Daneben sind unter anderem noch der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, und die ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, im Rennen.

Die Partei kĂŒrt ihren Kandidaten in einer parteiinternen Vorwahl. Sie startet Mitte Januar im Bundesstaat Iowa. Bei den Demokraten bewirbt sich US-PrĂ€sident Joe Biden um eine Wiederwahl. Er hat als Amtsinhaber bislang kaum ernstzunehmende Konkurrenz in seiner Partei. Pence ist der erste weithin bekannte Bewerber der Republikaner, der aus dem Rennen aussteigt. Die PrĂ€sidentenwahl steht am 5. November 2024 an.

Gegen den Ex-Chef

Pence war im Juni ins Rennen eingestiegen und hatte damit auch seinen frĂŒheren Chef Trump herausgefordert. Von 2017 bis 2021 war Pence dessen Stellvertreter. Die beiden haben ein schwieriges VerhĂ€ltnis: Jahrelang trat Pence als treu ergebener WeggefĂ€hrte Trumps auf. Doch spĂ€testens in den Wirren nach der PrĂ€sidentschaftswahl 2020 wurde das VerhĂ€ltnis der beiden nachhaltig beschĂ€digt.

Zum Auftakt des Wahlkampfes war Pence Trump hart angegangen, der den Erfolg von Biden nicht anerkennen wollte. Mit Blick auf den Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 warf er Trump vor, ihn und seine Familie mit seinen Worten in Gefahr gebracht zu haben. Trump-AnhĂ€nger hatten an dem Tag den Kongresssitz erstĂŒrmt, wĂ€hrend dort unter Vorsitz von Pence der Sieg Bidens bestĂ€tigt werden sollte.

Trump hatte in den Tagen davor behauptet, dass Pence Wahlergebnisse aus einzelnen Bundesstaaten einfach ablehnen könnte, was Rechtsexperten und auch der VizeprĂ€sident fĂŒr unrechtmĂ€ĂŸig hielten. WĂ€hrend des Kapitol-Sturms twitterte Trump, Pence habe «nicht den Mut gehabt, das zu tun, was getan werden sollte». Aus dem Mob kamen Rufe wie «HĂ€ngt Pence».

Pence wirbt fĂŒr Kandidaten «mit Anstand»

Am Samstag sagte Pence, er fordere alle seine republikanischen Mitstreiter auf, jemanden zum Spitzenkandidaten zu machen, der die Partei nicht nur zum Sieg, sondern auch die Nation mit Anstand fĂŒhre. Die republikanischen PrĂ€sidentschaftsbewerber haben im Wahlkampf den schwierigen Spagat zu bewĂ€ltigen, die Trump-Fans an der Basis nicht zu verschrecken und sich zugleich als bessere Alternative zum Ex-PrĂ€sidenten zu prĂ€sentieren.

Die Entscheidung von Pence, mehr als zwei Monate vor den Vorwahlen auszusteigen, dĂŒrfte nach EinschĂ€tzung von Beobachtern einerseits finanzielle GrĂŒnde haben. Andererseits dĂŒrfte Pence so auch sein Gesicht wahren. Es war erwartet worden, dass er sich nicht fĂŒr eine anstehende Vorwahldebatte der Republikaner qualifizieren wĂŒrde.

Pence ist tiefglĂ€ubig und pflegt das Image des braven Staatsdieners. Er unterstĂŒtzt auch ein landesweites Abtreibungsverbot, was vielen Konservativen, gerade am Ă€ußeren Rand, sehr wichtig ist. FĂŒr Trump deckte der Christ damals diese wichtige WĂ€hlergruppe ab. Da Pence nun nicht mehr im Rennen ist, muss sich diese Gruppierung nach einem neuen Kandidaten umsehen.

Pence sah am Samstag in Las Vegas aber davon ab, eine konkrete Wahlempfehlung fĂŒr einen der anderen Bewerberinnen oder Bewerber auszusprechen.

@ dpa.de