Donald Trump, Anklage

Trump wegen DokumentenaffÀre erneut angeklagt

09.06.2023 - 05:39:39

Der Fund streng geheimer Unterlagen in Trumps Anwesen war ein politischer Skandal - ĂŒber den Stand der Ermittlungen konnte nur spekuliert werden. Nun kommt es offenbar zu einem historischen Schritt.

Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump ist eigenen Worten und Medienberichten zufolge erneut von der US-Justiz angeklagt worden. Der Vorgang steht dabei offenbar in Verbindung mit den Ermittlungen zur AffĂ€re um geheime Regierungsdokumente, wie Trump bei dem von ihm mitbegrĂŒndeten Portal «Truth Social» schrieb. Der 76-JĂ€hrige bewirbt sich um die PrĂ€sidentschaftskandidatur der Republikaner fĂŒr die Wahl 2024 und will gegen Amtsinhaber Joe Biden antreten. 

Historischer Schritt

Es wĂ€re das erste Mal, das gegen einen Ex-PrĂ€sidenten der USA auf Bundesebene Anklage erhoben wird. Übereinstimmenden Berichten und Trumps Anwalt zufolge geht es wohl um sieben Anklagepunkte, die noch unter Verschluss sind. «Wir haben noch keine Anklageschrift erhalten», sagte Verteidiger Jim Trusty dem TV-Sender CNN.

Trump war bereits im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar auf bundesstaatlicher Ebene in New York angeklagt und Anfang April dem Richter vorgefĂŒhrt worden. Auch in anderen FĂ€llen wird gegen ihn ermittelt.

Durchsuchung von Mar-a-Lago im vergangenen Sommer

Hintergrund des Falles ist eine Durchsuchung der Bundespolizei FBI in Trumps Privatanwesen Mar-a-Lago in Florida im August: Dort wurden diverse Verschlusssachen beschlagnahmt, einige mit höchster Geheimhaltungsstufe. Dadurch, dass der Republikaner die Unterlagen lange nach seinem Abschied aus dem Amt in seinem Privathaus aufbewahrt hatte, könnte er sich strafbar gemacht haben.

Das Nationalarchiv versuchte monatelang, von Trump Papiere aus dessen Amtszeit zu bekommen. Zwar hatten Trumps AnwĂ€lte schließlich Dokumente ĂŒbergeben - aber lĂ€ngst nicht alle, wie sich bei der FBI-Durchsuchung des Anwesens Mar-a-Lago herausstellte.

Sonderermittler eingesetzt

Das US-Justizministerium hatte den unabhĂ€ngigen Sonderermittler Jack Smith im November eingesetzt, um die politisch heiklen Ermittlungen gegen Trump auszulagern. Smith kĂŒmmert sich zum einen um die Untersuchungen zu den Regierungsdokumenten.

Zum anderen befasst er sich mit Trumps Rolle bei dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 und dessen BemĂŒhungen, den Ausgang der PrĂ€sidentenwahl 2020 zu beeinflussen. Ein Untersuchungsausschuss hatte dem Justizministerium strafrechtliche Ermittlungen empfohlen. Er wirft Trump unter anderem Aufruhr, Behinderung eines öffentlichen Verfahrens sowie Verschwörung gegen die US-Regierung vor. Die Empfehlung des Ausschusses ist allerdings nicht bindend.

Trump wĂŒtend: «Wahleinmischung auf höchster Ebene»

«Die korrupte Biden-Regierung hat meine AnwĂ€lte darĂŒber informiert, dass gegen mich Anklage erhoben wurde, anscheinend wegen des Schwindels (von angeblichen Geheim-Dokumenten) in Kisten (...)», schrieb Trump auf «Truth Social», ohne klar zu machen, wer sein Team genau kontaktiert hatte. Er sei vorgeladen worden und mĂŒsse am Dienstag um 15.00 Uhr (Ortszeit) vor Gericht in Miami erscheinen.

«Ich hĂ€tte es nie fĂŒr möglich gehalten, dass so etwas einem ehemaligen PrĂ€sidenten der Vereinigten Staaten passieren wĂŒrde (...)», schrieb er weiter. Er fĂŒgte hinzu: «ICH BIN EIN UNSCHULDIGER MANN!» Es handle sich um «einen dunklen Tag» fĂŒr die USA.

In einem zusÀtzlichen Video bezeichnete Trump das Vorgehen der US-Justiz als «Wahleinmischung auf höchster Ebene». Er warf US-PrÀsident Joe Biden und seinen Demokraten einmal mehr vor, eine politisch motivierte Hexenjagd gegen ihn zu betreiben. «Sie versuchen, unseren Ruf zu zerstören, damit sie eine Wahl gewinnen», sagte er an seine AnhÀnger gerichtet.

Auch Regierungsdokumente bei Biden gefunden

Trump erzĂŒrnt dabei besonders, dass auch bei US-PrĂ€sident Biden ebenfalls als geheim eingestufte Regierungsdokumente aus seiner Zeit als VizeprĂ€sident unter Barack Obama gefunden worden waren. Auch hier ist ein unabhĂ€ngiger Sonderermittler tĂ€tig. In Bidens Fall geht es aber um deutlich weniger Dokumente. Nach Darstellung des Weißen Hauses hat Biden sich auch nicht geweigert, Dokumente zu ĂŒbergeben.

Trump wettert seit langem, seine Gegner wĂŒrden lediglich versuchen, ihn an einem Wiedereinzug ins Weiße Haus 2024 zu hindern. Er hatte seine Bewerbung um die PrĂ€sidentschaftskandidatur fĂŒr die Republikaner im November offiziell angekĂŒndigt. Bisher liegt er in Umfragen unter ParteianhĂ€ngern vorn - bis zur endgĂŒltigen Entscheidung kann aber noch viel passieren.

Wichtige Republikaner springen Trump bei

Trumps grĂ¶ĂŸter Konkurrent um die republikanische PrĂ€sidentschaftskandidatur, Gouverneur Ron DeSantis aus Florida, warf PrĂ€sident Biden den «Einsatz bundesstaatlicher Strafverfolgungsbehörden als Waffe» vor. «Wir erleben seit Jahren eine ungleiche Anwendung des Gesetzes je nach politischer Zugehörigkeit», schrieb DeSantis. Der republikanische Vorsitzende des ReprĂ€sentantenhauses, Kevin McCarthy, teilte mit: «Ich, und jeder Amerikaner, der an die Rechtsstaatlichkeit glaubt, stehe an der Seite von PrĂ€sident Trump gegen diese schwere Ungerechtigkeit. 

Der prominente demokratische Abgeordnete aus dem ReprÀsentantenhaus, Adam Schiff, wandte sich dagegen gegen Trump: «Er wird versuchen, diese Anklage zu politischen Zwecken zu instrumentalisieren. Denn der Gewinn der PrÀsidentschaft könnte seine einzige Hoffnung sein, einer GefÀngnisstrafe zu entgehen.»

Biden reagiert zunÀchst nicht

PrĂ€sident Biden Ă€ußerte sich zunĂ€chst nicht öffentlich. Wenige Stunden vor den Berichten ĂŒber die Anklage wies er jedoch mit deutlichen Worten zurĂŒck, Trump sei Opfer politischer Verfolgung. 

«Ich habe noch nie, nicht ein einziges Mal, dem Justizministerium vorgegeben, was es tun oder zu lassen hat, ob sie Anklage erheben sollen oder nicht», sagte er gestern bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus in Washington. Er war von einem Reporter danach gefragt worden, warum die Menschen in den USA auf die UnabhĂ€ngigkeit und Fairness des Justizministeriums vertrauen sollten, wenn Trump diese immer wieder infrage stelle.

@ dpa.de